Infernaler Hahnenkampf der Liebe zu hyperaktiver Orgel-Wave-Party. Die Niederländer zZz spielen auf ihrem zweiten Album brachial mit großen Gefühlen in kleinstmöglicher Besetzung.
Das Motiv des Hahnenkampfes muss wohl tief verankert sein im männlichen Selbstverständnis. Nach letztjährigem K.I.Z.-Album „Hahnenkampf“ haben nun auch die beiden Niederländer von zZz das Thema für sich entdeckt. Allerdings im wortwörtlichen Sinne für ihr Album-Artwork zu „Running with the Beast“. Für das zweite Album der Band aus Amsterdam mussten sich zwei blau und rot angemalte Kampfhähne auf weißem Papier die Federn rupfen.
Doch auch über die optisch-ästhetische Qualität hinaus hat „Running with the Beast“ einiges zu bieten: Hyperaktive Orgel-Riffs, Dreckige Synthies und flirrende Oszillatoren-Sounds, Bubblegum Pop aus der Rock-Garage und tolldreiste Joy Division Anleihen. Dabei sind Schlagzeuger/Sänger Björn Ottenheim und Tasten-Guru Daan Schinkel nur im Duo unterwegs. Aufgenommen haben sie ihr Zweitwerk auf ihrem zum Tonstudio umgebauten Hausboot im Amsterdamer Hafen. Worum es den beiden Bootsmännern primär geht? L.O.V.E. is the message. Ob offensichtlich im Eröffnungstrack „Lover“, in „Sign of Love“, „Loverboy“ oder etwas versteckter (soll heißen: kein love im Titelnamen) in „Amanda“, „Angel“, „Islands“ oder im infernalen Titeltrack „Running with the Beast“. Die Mission heißt Liebe. Beispiele: „Yeah, I wanna be a lover. Wanna be a man. Wanna take it up to you, girl. Uuh, uuh!“ (Lover) oder „How can you love me with such energy, how can we save love which is burning bright“ (Amanda). Trotz aller textlichen Schmonzetten gerät das Ganze wider Erwarten nicht zur Schlagerparade. Die beiden haben nämlich Humor und bedienen sich mit ironischer Distanz bewusst an Klischees. Textlich und musikalisch. Mit musikalischen Remineszenzen erinnern zZz in „The Movies“ an den Garagenrock der 60er Jahre, in „Angel“ gerät ein potenzieller Joy Division Hit zur Herbie Hancock Improviation, „Grip“ mutet ordentlich krautig an und lässt Can und Tangerine Dream gleichermaßen vor dem inneren Auge aufblitzen.
Dieser an sich sehr homogene Mash-Up kann aber auch in Belanglosigkeiten enden. In „Loverboy“ hat sich das Konzept vom harten und doch liebevollen Mannsbild erschöpft, die Ironie sich überholt, in „Islands“ misslingt der Versuch einer melancholischen Loungemusik. Dennoch haben zZz mehr Schmackes zu bieten als so manch andere Zwei-Mann Band. Sie sind mit ihrem Zweitwerk konsequent musikalischer geworden und bestechen durch eine erfrischende Ironie, für die man dankbar sein kann, wenn das Radio wieder mal den neuesten Killers Song spielt. Diese können sich gleichmal einen Tipp von Björn Ottenheim zu Herzen nehmen: „Don’t get retarded, don’t spoil the party“. Guter Rat.
Arne Hirsemann
Kurzbeschreibung
Volle Fahrt voraus: Das Amsterdamer Noise-Duo gibt sich eingängiges bis abwegig. zZz ist die Geschichte eines Boots in Amsterdam und den zwei Typen, die es bewohnen. Die besorgten sich einst eine billige Kirchenorgel und ein Drumkit und begannen derart bewaffnet, die Menschheit mit allerfeinstem Noise zu beglücken. Ihr Killer-Debütalbum "Sound Of zZz" erschien 2005, danach sah man die beiden allein oder mit Kollegen wie Fatboy Slim, The Gossip, Happy Mondays und Franz Ferdinand um die Welt touren. Der Ruhm des Duos stieg unaufhörlich, besonders was die Live-Darbietungen anbelangt, die nicht selten in wüsten Sexaufständen münden, eilte ihm sein Ruf voraus. Auch kommerziell lief alles rund, zZz waren auf Spielen ("GTA"), in Serien ("CSI") und in der Werbung zu hören, u. a. europaweit für Fiat. Das zweite Album "Running With The Beast" entstand wiederum in Amsterdam und ist ein eingängiges wie auch abwegiges, brutales wie süßes, dunkles wie tanzbares Album, das unmöglich einzuordnen ist. Doch höret selbst und haltet Ausschau nach einem verstärkerbestückten Schiff ohne Crew, aber mit zwei Kapitänen.