Hier haben wir einen Film, der versucht, möglichst viele Themen und Handlungselement in kürzester Zeit zu einem Gesamtwerk zu vermengen und dabei erstaunlich effektiv ist.
Natürlich kommt man am Kritikpunkt Nummer 1 nicht vorbei: die Handlung ist, wie in vielen Filmen dieses Genres üblich, extrem konstruiert und überschreitet nicht selten die Grenze zur Unglaubwürdigkeit. Deshalb gleich hier ein Punkt Abzug.
Eine besondere Beachtung verdient der Film deshalb, da es ihm gelingt, trotz extremer Gewaltdarstellungen unter erwachsenen Gangstern (die Gewalt würde locker eine FSK 18-Freigabe rechtfertigen), relativ sensibel mit den beiden im Film auftauchenden Kindern umzugehen. Ich persönlich habe eigentlich ein Problem damit, wenn Kinder in solche Szenarien hineingezogen werden (siehe "Kick-Ass"), diesem Film gelingt es aber erstaunlich gut, eine differenzierte Darstellung der Gewalt hinzubekommen. Während für den Zuschauer all die Splattergewalt "Unterhaltung" sein mag, leidet man mit den beiden Jungen, die mit diesen Bildern nicht umzugehen wissen. Der Schrecken ist ihnen anzusehen und so wird der Film und seine ganze Brutalität durch diese Perspektive wertend gebrochen, was ihn von so manch anderen einschlägigen Streifen wie "Pulp Fiction" oder "Crank" unterscheidet...
Die umstrittenste Szene dürfte wohl die mit dem Kinderschänderpärchen sein. Alleine deren Einführung ist vollkommen an den Haaren herbeigezogen (Junge versteckt sich im nächstbesten Kleinbus, der dann natürlich diesen Leuten gehört!?!) Die Auflösung zeigt schließlich Selbstjustiz durch eine der "Guten" im Film, die am Ende folgenlos bleibt. Bei aller berechtigter Abscheu, die man gegenüber solch kranken Verbrechern und Kindermördern empfinden muss, ist diese "Lösung" dann doch etwas sehr selbstgefällig und "amerikanisch" (wo Selbstjustiz nicht nur im Wilden Westen einen weit höheren Stellenwert besitzt als in Europa).
Deshalb verwundert es mich sehr, dass der Film ab 16 Jahren freigegeben wurde, ist doch "Selbstjustiz" ein klar definiertes Kriterium der FSK 18-Freigabe und führte sogar bei der 16er-Version von "X-Men: Wolverine" zu Schnitten...
Überhaupt, ein Film, der die rote FSK-Plakette durch und durch verdient hätte, da er zum Teil sehr verstörend und brutal ist. Dennoch ein insgesamt gelungener Streifen, der Gewalt nicht als Selbstzweck inszeniert sondern ihr durchaus distanziert gegenübersteht und sich damit erfrischend von anderen Filmen seines Genres unterscheidet.
Das versöhnliche Ende verschafft dem Film eine zusätzliche Rechtfertigung und vermag mich persönlich sehr zu überzeugen. Charaktere durch die Hölle auf Erden gehen zu lassen ist Bestandteil eines spannenden Filmes, aber am Ende bleibt die Hoffnung, und das empfinde ich als wesentlich zufriedenstellender als irgendein hartes, unversöhnliches Ende.