Produktinformation
|
Das Hongkong-Kino erlebte zu Beginn der 90er-Jahre einen wahren Boom und generierte etliche Stars wie John Woo, Jackie Chan oder Jet Li, die mittlerweile allesamt ihren Durchbruch in Hollywood geschafft haben. Running out of Time II beweist, dass die nächste Generation schon in den Startlöchern steht: Insbesondere die beiden charismatischen Hauptdarsteller geben ihren Figuren die nötige Tiefe und Glaubwürdigkeit. Aber auch filmisch kann der elegante Thriller überzeugen. Regisseur Johnny To (Fulltime Killer, The Mission) verzichtet zwar auf die für Hongkong-Filme typischen Action-Exzesse mit extremer Slow Motion und übermäßigem Blutvergießen, inszeniert dafür aber einige fein ausgeklügelte Spannungspassagen mit zum Teil recht innovativen Stilmitteln. Eine Abwertung gibt es leider für die stellenweise mäßige deutsche Synchronisation, die in einigen Passagen teils haarsträubende Dialoge abliefert. Auch wenn Running out of Time II stellenweise wie ein Remake des ersten Teils wirkt, dürften Hongkong-Film-Fans bedenkenlos zugreifen. --Marc Osmers
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
Die Story wurde in Grundzügen vom ersten Teil übernommen: Weihnachtszeit in Hongkong. Ein melancholisch-smarter Gangster (Ekin Cheng), der einem doch nicht so recht als böse erscheinen will, raubt eine Reihe von Kunstwerken, um die zuständige Versicherung zu erpressen, aber eben auch, um mit Inspektor Ho Sang (Lau Ching Wan) aus zunächst undurchsichtigen Beweggründen ein verzwicktes Katz-und-Maus-Spiel in den Hochhausschluchten der Metropole zu veranstalten.
Alles beim Alten also, möchte man auf den ersten Blick meinen. Ganze Sequenzen - etwa dass Ho Sang den Delinquenten zunächst in einem polizeilich beschlagnahmten Taxi stellt - wurden fast bis ins Detail übernommen, zumindest aber überdeutlich zitiert, auch Ho Sangs Vorgesetzter Wong Kai Fai (Shiu Hung Hui) ist wieder mit von der Partie und stellt sich in zahllosen Situationen als trotteliger Side-Kick - wenn auch diesmal weit weniger witzig als dazumal, eher schon nervig - bloß. Die Bilder sind mindestens ebenso oft in Blau getüncht, die Kameraarbeit gibt sich sichtlich Mühe mit weit ausholenden Kameraumfahrten aus leichter Aufsicht den Look des Vorgängers zu imitieren.
Und dennoch, trotz all dem Altbekannten, es bleibt ein schaler Nachgeschmack: Es fehlt, im wesentlichen, die Eleganz des ersten Teils, die innere Geschlossenheit. Trug Andy Lau in seiner Rolle zuvor noch einen echten Konflikt in sich, lief ihm buchstäblich die noch verbleibende Zeit durch die Finger, erscheint Ekin Chengs Auftreten lediglich als narzistische Performanz mit erst zum Ende hin durchscheinenden Beweggründen, die aber dann letztendlich doch nicht wirklich als Motivation für all den Hokuspokus über den Hochhausdächern dieser Stadt dienen können. "Hokuspokus" ist obendrein ganz wörtlich zu nehmen, in der Tat scheint er über die Zauberkräfte zu verfügen, die sich David Copperfield und Co gerne selbst andichten. Hängt er etwa, mit Handschellen an Ho Sang gekettet, an einer Hochhausfassade, unter sich die todbringende Tiefe, reicht offenbar schon der simple Wurf einer Rauchbombe, um sich in Luft aufzulösen und auf dem Dach des benachbarten Gebäudes wieder in Erscheinung zu treten. Solche Momente - es gibt dergleich noch einige mehr - sind es, in denen sich das Script fast schon mit peinlichen Unzulässigkeiten aus der Schlinge zu ziehen versucht, die einem den Film vergällen.
Genannte Szene ist zudem als symptomatisch zu betrachten: Statt der Etablierung handfester Konflikte und Beziehungsgeflechte und deren eleganter Auflösung, wie der Vorgänger dies noch als Ziel verfolgte, verliert man sich in der Beliebigkeit von Motivationslosigkeit und bloßer Behauptung. Ähnlich beliebig erscheint ein Subplot, in dessen Verlauf sich Ekin Cheng mit Suet Lam, diesmal in der Rolle eines korrupten Polizisten, zum regelmäßigen Münzenwerfen trifft und ihn so letztendlich von seiner neurotischen Spielsucht heilt. Warum auch immer, weshalb auch immer, könnte man sich fragen, hätte man sich diese Fragen im Verlauf nicht schon zu oft gestellt.
Auf der Berlinale, wo To in diesem Jahr seinen meisterlichen P.T.U. (HK 2003) als Weltpremiere vorstellte, teilte der Regisseur sein Werk ganz offen und bereitwillig in eingangs erwähnte Gruppen auf: Hier die persönlichen Herzensprojekte, dort die für To künstlerisch weit weniger wichtigen, kommerziellen Arbeiten. Eine Filmografie, wie sie wohl wirklich nur unter den spezifischen Hongkonger Filmproduktionsbedingungen entstehen kann. Um mit P.T.U. endlich wieder einen Film der ersten Gruppierung drehen zu können, habe er, so To vor dem Berlinalepublikum, zuvor erst sieben andere Filme fertig stellen müssen. Wer nun zurückzählt, sieht RUNNING OUT OF TIME 2 also eindeutig verortet. Dieser sei To deshalb von ganzem Herzen verziehen - sieben Filme in Hongkong zu drehen, das ist, wie man weiß, schnell geschehen. Und mit dem jüngeren P.T.U. hat er rückblickend bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen können, dass seine Filmografie auch durch geringfügige Patzer keinen Schaden nimmt.
|
|
|