Die Live-Aufnahmen dieser CD wurden 1977 nicht nur auf der Bühne mitgeschnitten, sondern auch in Hotelzimmern, im Bus, in der Garderobe... Jackson Browne war mit einer Crème von Begleitmusikern unterwegs: Russ Kunkel, Lee Sklar, Danny Kortchmar, Craig Doerge, David Lindley... und Doug Haywood und Rosemary Butler als Background-Sängerinnen. Diese Kombination aus perfekter Musik und "unperfekten" Aufnahme-Bedingungen sorgt für eine selten authentische Atmosphäre, jeder Song geht unter die Haut, einer mehr als der andere. Die Musik selbst ist meist etwas härter, rocklastiger als auf anderen frühen Browne-Alben, wohl auch ein Verdienst der Begleitmusiker. Aber über und unter allem und durch alles hindurch ist jeder Track geprägt von Brownes Westerngitarre und seinem unprätentiösen Gesang. Kein selbstverliebtes Herumzaubern ist zu hören, aber phantastische Soli und Improvisationen aller Beteiligten, dazu witzige Details, die man womöglich erst beim 50. Hören bemerkt. Pop mit viel Folk-Anleihen, der alle Register zieht, von echten Fetzern wie dem Titelsong oder "Nothing but Time" über wunderschön melancholische Balladen ("Rosie", "Shaky Town") bis hin zum Schluss(doppel)punkt, wenn das ruhige "The Load-Out" in das optimistische "Stay" übergeht (einfach klasse: David Lindleys Falsett-Einlagen).
Aber auch die Texte passen zur Aufnahme-Situation: Es geht um die Einsamkeit des Superstars, um Kokain und Groupies, um das ernüchternde Déjà-vu beim Zusammenpacken der Instrumente -- und Jackson Browne beweist hier wieder einmal, warum er seit Jahrzehnten zu den Allerbesten der Songwriter-Szene gehört: Die Texte sind persönlich gehalten, aber ohne peinliche Offenbarungen, stets ein wenig ironisch gebrochen.
"Running on Empty" war meine erste Jackson-Browne-LP, also die ideale Einstiegsdroge. Ich bin sicher: Wer dieses Album hört, will mehr von Browne! Das "Running on Empty" ist nicht wörtlich zu nehmen -- dieser Tank hält noch lange durch.