Die Bücher von Nigel Findley sind in meinen Augen mit unter den besten, wenn nicht sogar DIE besten SR-Romane. Auch die Figur des Shadowrunners Argent ist von Nigel Findley - eingeführt im furiosen "2XS", taucht er u.a. in den Romanen "Der Einzelgänger" und "Schattenspiele" auf, im ersteren Band recht prominent als 2. Hauptfigur.
Auch Mel Odom hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass er gute, spannende und fesselnde SR-Romane zu schreiben in der Lage ist - so empfehle ich hier ausdrücklich "Auf Beutezug" (eine der Figuren aus diesem Roman trifft man hier übrigens auch wieder).
Was aber hier von Mel Odom vorgelegt wurde, ist echt das Allerletzte!
Bedient er sich doch - m.M.n. bewußt - der bekannten und beliebten Figur des Argent, um dadurch Leser (und Käufer) zu locken. Aber was er aus der Figur des Argent macht, ist haarsträubend. Nigel Findley kann sich dagegen nicht mehr wehren, er verstarb leider 1995.
Aus dem bereits bei Findley schwer vercyberten Helden macht Odom eine Waffenplattform in einem Ausmaß, bei dem man nichtmal Shadowrun gespielt haben muss (Stichwort Essenz) um zu wissen, dass ein solches, nur bizarr zu nennendes Ausmaß an Bionik die Seele und den Charakter eines solchen Straßenmonsters unweigerlich zerstören müsste. Der kühle, aber sympathische Profi (Findley) mutiert bei Odom zur unbesiegbaren Mischung aus Conan, dem Barbar, James Bond, Pastor Fliege (erzähl mir deine Sorgen, mein Kind) und Rambo. Das mühelose Niedermetzeln von dutzenden Gegnern wäre selbst bei einem "neuen" Charakter ermüdend, unglaubwürdig und öde- der Rückgriff auf die Figur des Argent macht das Ganze obszön und ärgerlich.
Und damit nicht genug, muss Argent in einem so unrealistischen wie unlogischem Rennen um die ganze Welt Leute für einen Run zusammentrommelen (wenn diese Leute ihn alle schon kennen und einschätzen können, warum ruft er sie nicht einfach an ? ).
Bis zum mehr als ärgerlichen Ende geschieht noch eine ganze Menge - aber das lässt einen selbst dann kalt, wenn man Argent vor diesem Roman nicht kannte. Die Motivation zum Run wirkt aufgesetzt, die emotionalen Bindungen und Zwänge der Figur überzeugen und berühren den Leser nicht, die Action wirkt aufgesetzt und überdosiert.
Dann wäre das Ganze eine unterdurchschnittliche Mischung aus viel Gequatsche und plötzlicher, aber ärgerlich unausgewogener Action und Gewalt (wie in einem billigen B-Movie) - als solche vielleicht 2, maximalst 3 Sterne wert.
Der Rückgriff auf Argent ist in meinen Augen eine Art Grabschändung an Findley, sicherlich aber an dessen Figur, erfolgt aus vermutlich finanziellen Motiven. Dafür und für die Verärgerung, die mich beim Lesen dieses Buches ergriff, vergebe ich einen Stern, weil ich nicht weniger vergeben kann.