Bertolt Brecht hat zwischen der epischen und der dramatischen Schreibweise unterschieden. Während die dramatische Schreibweise den Konflikt darstelle, sei die epische Schreibweise dazu da, den Menschen in der Gesellschaft zu thematisieren. Was für den bürgerlichen Roman gilt, gilt auch für die Fantasy. Und hier gehört Robin Gates eindeutig zu den epischen Schriftstellern. Es gibt zwar Konflikte und massenhaft Konflikte, aber der Roman geht sehr in die Breite. Darüber verlieren die Konflikte ihre Kontur und die Geschichte wird recht langatmig. So erzählt der Erzähler einmal die Geschichte eines Seemanns, der nicht mehr zur See fahren möchte, weil er bei einem schrecklichen Schiffsunglück dabei war. Weder aber ist diese Episode für den Charakter der Figur wichtig, noch ist darin ein Hinweis für die weitere Geschichte zu finden. Ebenso wird ein erotisches Abenteuer von Suvare geschildert, das außer einer peinlich verbrämten Schilderung lesbischer Liebe keinerlei Nährwert hat. Gut, das sind letztendlich nur Teile der Geschichte. Mehr als der zweite Band dieser Saga kann der Autor in diesem dritten Band die Erzählung zusammenhalten und dadurch eine bedingt einheitliche Geschichte aufbauen, die zwar keine Spitzenunterhaltung garantiert, aber trotzdem "plauschig" ist.
Mehr Dialoge, mehr Dramatik hätten dem Roman sicher gut getan. Vor allem wirken einzelne Teile wie Zusammenfassungen eines Romans, und nicht wie szenische, lebendige Ausarbeitungen. Dadurch wirken die Figuren auch mal hölzern, mal verschwommen. Auf der anderen Seite ist die Sprache insgesamt eingängig und das Setting sehr interessant. Trotz aller Kritik muss man Gates bescheinigen, dass er sich auf einem eher hochwertigen Niveau bewegt und manchen bekannteren Fantasy-Autoren überbietet.
Fazit: Mit kleinen Abstrichen liefert der dritte Band von Gates Runland-Saga solide Unterhaltung, ohne wirklich zu begeistern. Fantasy-Fans werden an dieser Saga allerdings nicht vorbeikommen, da sie die durchschnittliche Genre-Kost hinter sich lassen kann.