Derek Meister entführt uns ins Lübeck des Jahres 1390. Die Leiche eines Fremden wird an das Traveufer gespült. Schnell glauben die Ratsherren und Richter den Mörder zu kennen: Der junge Daniel wurde beobachtet, als er mit dem Opfer vor einer Wirtschaft handfesten Streit hatte.
Als Daniel festgenommen wird, Verurteilung und Galgen drohen, wird der ehrbare Kaufmann Rungholt, Daniels Lehrherr, zum Ermittler wider Willen.
Leider bleiben dem beleibten Patrizier für seine akribischen Untersuchungen nur wenig Zeit, denn die Hinrichtung seines Lehrlings wird vom Rat der Stadt hastig betrieben. Zudem sollte er eigentlich die Hochzeit seiner Tochter Mirke vorbereiten, und zu allem Überfluss peinigen ihn unentwegt heftige Zahnschmerzen. Erschwerend kommt hinzu, dass Rungholts Brille sich, sorgfältig abgelegt, an wechselnden Plätzen befindet, nur nicht dort, wo der mittelalterliche Columbo gerade ermittelt und sie dringend benötigt.
Rungholt wächst dem Leser schnell ans Herz, weil er eine glaubwürdige, vielschichtige und trotz seiner Schwächen ( das sind nicht wenige! ) sympathische Figur ist. Er hat unzweifelhaft das Herz am rechten Fleck, auch wenn er dies durch Toben, Brüllen und sein griesgrämiges Brummeln und Grummeln gelegentlich vor seiner Umwelt verbirgt. Der bärbeissige Kaufmann ist zwar mutig genug, sein Leben für die Wahrheitsfindung und die Rettung seines Lehrlings einzusetzen, nicht aber, um endlich seinen schmerzenden Zahn ziehen zu lassen...
Diese Widersprüche in seiner Person machen Rungholt zu einem Helden mit Ecken und Kanten, lebensecht und liebenswürdig,
Fazit: "Rungholts Ehre" ist ein spannender mittelalterlicher Kriminalroman, der insbesondere durch die liebevolle Schilderung von Szenen und Orten, sowie durch die ausgefeilten Charaktere ein großes Lesevergnügen bereitet.