Kurzbeschreibung
Es ist nicht leicht, eine Heldin zu sein
Marikani ist die einzige Hoffnung für das Türkisvolk, das seit Jahrtausenden ein Leben in Knechtschaft führt. Denn es geht das Gerücht um, Marikani sei die Inkarnation von Ayesha, der Göttin, die ihren verfluchten Kindern die Freiheit zurückgeben wird.
Marikani ist die einzige Hoffnung für das Türkisvolk, das seit Jahrtausenden ein Leben in Knechtschaft führt. Denn es geht das Gerücht um, Marikani sei die Inkarnation von Ayesha, der Göttin, die ihren verfluchten Kindern die Freiheit zurückgeben wird.
Über den Autor
Ange ist eines der Pseudonyme, hinter denen sich ein überaus produktives und vielseitiges Autorenpaar verbirgt: Anne und Gérard Guéro. Unter diesem Namen haben sie seit 1990 die Texte zu zahlreichen Comics (darunter „Die Legende der Drachenritter”), Science-Fiction-Romane für Erwachsene und Jugendliche und zahlreiche Übersetzungen verfasst. Kurz und gut: Ange ist ein vielbeschäftigter Autor. Das ist auch kein Wunder, wenn man wie Ange vier Arme, zwei Herzen, vier Augen und – zumindest im Augenblick – nur eine Brille hat ...
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Galeere sank langsam, als täte sie es nur widerwillig. Die Besatzungsmitglieder waren schon in den ersten Minuten getötet worden; dann hatte sich die Schlacht zum Südufer des Sees verlagert, und das Schiff und die Sträflinge blieben ihrem Schicksal überlassen.
Das Wasser war in kleinen Wellen in den Schiffsrumpf geschwappt, eine nach der anderen, und hatte ihn aus dem Gleichgewicht gebracht, bis die Galeere sich entschlossen hatte, mit dem Heck voran zu sinken. Das Erstaunlichste - so hatte Arekh mit Blick auf den See gedacht -war die Stille. Die Rufe der Offiziere der anderen Schiffe, die Schreie der sterbenden Seeleute und das Prasseln der Segel, die von Flammen verzehrt wurden, waren nun sehr fern. Die Schiffe des Emirs und seiner Feinde waren hinter einer felsigen Landzunge verschwunden.
Dort hinten ging das Massaker weiter, aber rings um die Galeere war das Wasser wieder friedlich. Der Leichnam des großen Meriniden, der den Rhythmus auf seiner Trommel vorgegeben hatte, trieb ein paar Meter von den vierzig Galeerensträflingen entfernt, die an ihre Ruderbänke gefesselt waren. Der Wasserspiegel stieg und hatte bereits den Brustkorb der Gefangenen in den letzten Reihen erreicht.
Sonnenstrahlen wärmten die Gesichter, verhießen flüsternd den nahenden Frühling.
Dann kenterte die Galeere, und Arekh fand sich unter Wasser wieder.
Er hatte reflexartig noch einmal Atem geholt, ohne es wirklich zu wollen. Wenn er schon sterben musste, dann doch besser schnell, mit dieser unwirklichen Ruhe im Herzen, die ihn von den anderen isolierte und vor der Panik seiner Mitsträflinge schützte. Seine Nachbarn hatten wohl geschrien und gezappelt. Er hatte nichts gehört.
Er behielt die Augen offen, um die letzten Bilder zu genießen, die das Leben ihm bot. Das Wasser war von einem ungewöhnlich durchsichtigen Blaugrün, als sei der Schiffbruch der Galeere ein zu lächerliches Ereignis, als dass es die Tiefen hätte trüben können.
Das Schiff sank mit träger Langsamkeit. Arekhs Lunge brannte noch nicht. Er stellte sich die Marmor- und Granitblöcke der Ruinen des antiken Nysis vor, der legendären Stadt, die, wie die Fischer erzählten, hier versunken war.
Über ihm schillerte die Oberfläche wie eine Grenze. Dann sah er sie.
Zuerst glaubte er, es sei eine Vision, eine den Kreislegenden entsprungene Najade, ein Trugbild, das sein sterbender Geist heraufbeschwor, bevor er in die Abgründe überging. Die Silhouette schwamm auf die sinkenden Galeerensträflinge zu; ihre langen braunen Haare flossen wellenförmig hinter ihr her. Noch einige Schwimmzüge, dann war sie ganz nah. Keine Najade, sondern eine Sterbliche, greifbar, real, das Gesicht vor Anstrengung verzerrt.
Sie hielt einen Dolch in der Hand.
Indem sie sich mit einer Hand am Holz der Bank festklammerte, begann sie mit vom Druck des Wassers verlangsamten Bewegungen, die Fesseln des ersten Galeerensträflings in der Reihe zu bearbeiten.
Der Vorgang dauerte etwa zehn Sekunden. Die Gefangenen auf der Ruderbank, die begriffen, was vorging, gerieten in verzweifelte Bewegung. Sie wird es nie und nimmer schaffen, dachte er, aber einen Augenblick später begann der befreite Galeerensträfling unbeholfen zur Oberfläche aufzusteigen.
Arekh war der nächste auf der Ruderbank.
Er sah den Dolch an, der dabei war, den Strick um seine Handgelenke durchzutrennen; Stück für Stück schwand das Gefühl der Unwirklichkeit. Die Galeerensträflinge bewegten sich heftig und erschwerten so die Aufgabe der Unbekannten.
Das Schiff sank weiter, jetzt schneller, als hätte die Ankunft des Mädchens den Ablauf beschleunigt. Das Gesicht der Fremden war schmerzverzerrt.
Schwimm zurück, dachte Arekh, lass es sein, und schwimm nach oben, aber plötzlich gaben seine Fesseln nach, und er fand sich dabei wieder, verzweifelt zur Oberfläche emporzuschwimmen.
Sein Kopf durchbrach die Wasseroberfläche; er keuchte und versuchte, wieder Luft zu bekommen. Sein Gefühl der Losgelöstheit war mittlerweile völlig verflogen. Er hatte Schmerzen, in der Brust und in den Handgelenken; sein Körper war eiskalt. Außer Atem versuchte er, den Kopf über Wasser zu halten. Über ihm rief eine weibliche Stimme irgendetwas ...
Ein Boot, da war ein Boot, und darin saß eine Frau mit grauem Kleid, die den See anstarrte und mit einer Stimme, die der Panik nahe war, nach irgendjemandem rief.
Arekh klammerte sich an das Boot und versuchte, seinen Herzschlag zu beruhigen. Der erste Galeerensträfling, den das braunhaarige Mädchen gerettet hatte, war bereits ins Boot gestiegen; seine zerlumpten Kleider standen in völligem Gegensatz zu dem eleganten Gewand der Frau in Grau.
Ein weiterer Kopf schoss aus dem Wasser - ein dritter Gefangener, Arekhs anderer Banknachbar, seinerseits befreit.
Sie ist ertrunken, dachte Arekh mit seltsamer Beklommenheit im Herzen. Doch dann tauchte die Unbekannte mit den braunen Haaren endlich auf, bleich wie der Tod, den Dolch immer noch in der Hand.
»Kommt an Bord!«, schrie die Frau im Boot und versuchte, sie am Arm zu packen.
»Da ... da sind noch mehr«, stammelte das Mädchen.
Sie war nicht in der Verfassung, noch einmal zu tauchen. Bevor sie reagieren konnte, entriss Arekh ihr den Dolch, holte tief Luft und ließ sich hinabsinken.
Zu spät, dachte er, während er Schwimmzug an Schwimmzug reihte. Die Galeere war mittlerweile in der Tiefe kaum noch sichtbar. Wie lange konnte man durchhalten, ohne zu atmen? Und selbst, wenn er noch einen Gefangenen befreite - denn mehr als einer würde es nicht sein -, würde der es überhaupt schaffen, die Oberfläche zu erreichen?
Dann war keine Zeit mehr, sich Fragen zu stellen: Da war das Schiff, trieb geisterhaft zwischen zwei Strömungen. Es waren nur noch zwei Gefangene auf der Bank der Neuzugänge, der einzigen, auf der die Gefangenen nur mit Stricken gefesselt waren. Die anderen weiter hinten waren angekettet, und die Schlüssel waren mit dem Aufseher irgendwo im See verschwunden.
Arekhs Lunge brannte, als er sich auf die Fesseln des ersten Neuzugangs stürzte. Der Gefangene war sehr jung -ein Junge, der noch lebte ... vielleicht nicht mehr lange. Arekh erhaschte einen kurzen Blick auf ein blasses Gesicht, helles Haar, das in der Strömung trieb, eingefallene Augen, die ihn anstarrten.
Die Fesseln gaben nach, und mit überraschender Kraft stieß sich der Junge nach oben ab. Sein Nachbar zappelte.
Das Wasser war in kleinen Wellen in den Schiffsrumpf geschwappt, eine nach der anderen, und hatte ihn aus dem Gleichgewicht gebracht, bis die Galeere sich entschlossen hatte, mit dem Heck voran zu sinken. Das Erstaunlichste - so hatte Arekh mit Blick auf den See gedacht -war die Stille. Die Rufe der Offiziere der anderen Schiffe, die Schreie der sterbenden Seeleute und das Prasseln der Segel, die von Flammen verzehrt wurden, waren nun sehr fern. Die Schiffe des Emirs und seiner Feinde waren hinter einer felsigen Landzunge verschwunden.
Dort hinten ging das Massaker weiter, aber rings um die Galeere war das Wasser wieder friedlich. Der Leichnam des großen Meriniden, der den Rhythmus auf seiner Trommel vorgegeben hatte, trieb ein paar Meter von den vierzig Galeerensträflingen entfernt, die an ihre Ruderbänke gefesselt waren. Der Wasserspiegel stieg und hatte bereits den Brustkorb der Gefangenen in den letzten Reihen erreicht.
Sonnenstrahlen wärmten die Gesichter, verhießen flüsternd den nahenden Frühling.
Dann kenterte die Galeere, und Arekh fand sich unter Wasser wieder.
Er hatte reflexartig noch einmal Atem geholt, ohne es wirklich zu wollen. Wenn er schon sterben musste, dann doch besser schnell, mit dieser unwirklichen Ruhe im Herzen, die ihn von den anderen isolierte und vor der Panik seiner Mitsträflinge schützte. Seine Nachbarn hatten wohl geschrien und gezappelt. Er hatte nichts gehört.
Er behielt die Augen offen, um die letzten Bilder zu genießen, die das Leben ihm bot. Das Wasser war von einem ungewöhnlich durchsichtigen Blaugrün, als sei der Schiffbruch der Galeere ein zu lächerliches Ereignis, als dass es die Tiefen hätte trüben können.
Das Schiff sank mit träger Langsamkeit. Arekhs Lunge brannte noch nicht. Er stellte sich die Marmor- und Granitblöcke der Ruinen des antiken Nysis vor, der legendären Stadt, die, wie die Fischer erzählten, hier versunken war.
Über ihm schillerte die Oberfläche wie eine Grenze. Dann sah er sie.
Zuerst glaubte er, es sei eine Vision, eine den Kreislegenden entsprungene Najade, ein Trugbild, das sein sterbender Geist heraufbeschwor, bevor er in die Abgründe überging. Die Silhouette schwamm auf die sinkenden Galeerensträflinge zu; ihre langen braunen Haare flossen wellenförmig hinter ihr her. Noch einige Schwimmzüge, dann war sie ganz nah. Keine Najade, sondern eine Sterbliche, greifbar, real, das Gesicht vor Anstrengung verzerrt.
Sie hielt einen Dolch in der Hand.
Indem sie sich mit einer Hand am Holz der Bank festklammerte, begann sie mit vom Druck des Wassers verlangsamten Bewegungen, die Fesseln des ersten Galeerensträflings in der Reihe zu bearbeiten.
Der Vorgang dauerte etwa zehn Sekunden. Die Gefangenen auf der Ruderbank, die begriffen, was vorging, gerieten in verzweifelte Bewegung. Sie wird es nie und nimmer schaffen, dachte er, aber einen Augenblick später begann der befreite Galeerensträfling unbeholfen zur Oberfläche aufzusteigen.
Arekh war der nächste auf der Ruderbank.
Er sah den Dolch an, der dabei war, den Strick um seine Handgelenke durchzutrennen; Stück für Stück schwand das Gefühl der Unwirklichkeit. Die Galeerensträflinge bewegten sich heftig und erschwerten so die Aufgabe der Unbekannten.
Das Schiff sank weiter, jetzt schneller, als hätte die Ankunft des Mädchens den Ablauf beschleunigt. Das Gesicht der Fremden war schmerzverzerrt.
Schwimm zurück, dachte Arekh, lass es sein, und schwimm nach oben, aber plötzlich gaben seine Fesseln nach, und er fand sich dabei wieder, verzweifelt zur Oberfläche emporzuschwimmen.
Sein Kopf durchbrach die Wasseroberfläche; er keuchte und versuchte, wieder Luft zu bekommen. Sein Gefühl der Losgelöstheit war mittlerweile völlig verflogen. Er hatte Schmerzen, in der Brust und in den Handgelenken; sein Körper war eiskalt. Außer Atem versuchte er, den Kopf über Wasser zu halten. Über ihm rief eine weibliche Stimme irgendetwas ...
Ein Boot, da war ein Boot, und darin saß eine Frau mit grauem Kleid, die den See anstarrte und mit einer Stimme, die der Panik nahe war, nach irgendjemandem rief.
Arekh klammerte sich an das Boot und versuchte, seinen Herzschlag zu beruhigen. Der erste Galeerensträfling, den das braunhaarige Mädchen gerettet hatte, war bereits ins Boot gestiegen; seine zerlumpten Kleider standen in völligem Gegensatz zu dem eleganten Gewand der Frau in Grau.
Ein weiterer Kopf schoss aus dem Wasser - ein dritter Gefangener, Arekhs anderer Banknachbar, seinerseits befreit.
Sie ist ertrunken, dachte Arekh mit seltsamer Beklommenheit im Herzen. Doch dann tauchte die Unbekannte mit den braunen Haaren endlich auf, bleich wie der Tod, den Dolch immer noch in der Hand.
»Kommt an Bord!«, schrie die Frau im Boot und versuchte, sie am Arm zu packen.
»Da ... da sind noch mehr«, stammelte das Mädchen.
Sie war nicht in der Verfassung, noch einmal zu tauchen. Bevor sie reagieren konnte, entriss Arekh ihr den Dolch, holte tief Luft und ließ sich hinabsinken.
Zu spät, dachte er, während er Schwimmzug an Schwimmzug reihte. Die Galeere war mittlerweile in der Tiefe kaum noch sichtbar. Wie lange konnte man durchhalten, ohne zu atmen? Und selbst, wenn er noch einen Gefangenen befreite - denn mehr als einer würde es nicht sein -, würde der es überhaupt schaffen, die Oberfläche zu erreichen?
Dann war keine Zeit mehr, sich Fragen zu stellen: Da war das Schiff, trieb geisterhaft zwischen zwei Strömungen. Es waren nur noch zwei Gefangene auf der Bank der Neuzugänge, der einzigen, auf der die Gefangenen nur mit Stricken gefesselt waren. Die anderen weiter hinten waren angekettet, und die Schlüssel waren mit dem Aufseher irgendwo im See verschwunden.
Arekhs Lunge brannte, als er sich auf die Fesseln des ersten Neuzugangs stürzte. Der Gefangene war sehr jung -ein Junge, der noch lebte ... vielleicht nicht mehr lange. Arekh erhaschte einen kurzen Blick auf ein blasses Gesicht, helles Haar, das in der Strömung trieb, eingefallene Augen, die ihn anstarrten.
Die Fesseln gaben nach, und mit überraschender Kraft stieß sich der Junge nach oben ab. Sein Nachbar zappelte.