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Rundherum: Geschichte einer Weltreise 99000 Kilometer mit dem Fahrrad durch 5 Kontinente
 
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Rundherum: Geschichte einer Weltreise 99000 Kilometer mit dem Fahrrad durch 5 Kontinente [Broschiert]

Thomas Meixner

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Kurzbeschreibung

Die Olympischen Spiele mit dem Fahrrad zu erreichen war ursprünglich das Ziel des damals 32-jährigen Wolfeners Thomas Meixner. Mit einem Empfehlungsschreiben des Nationalen Olympischen Komitees, Verabschiedung durch Landrat, Bürgermeister, Freunde und Familie begab sich Thomas Meixner am 1.Mai 1998 mit über einem Zentner Gepäck auf seinem Rad, das er auf den Namen "Else" taufte, auf Abenteuerreise, die 3 Jahre und 7 Monate dauern sollte. "Lieber gescheitert, als unversucht" war sein Reisemotto.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Einführung Acht Jahre nach dem „Fall der Mauer“, im Zeitalter der Reisefreiheit für die Neu-bundesbürger, stand ich am 1. Mai 1998 am Start, mitten in der Plattensiedlung Wolfen-Nord. Viele Freunde, Bekannte, sogar der Bürgermeister meiner Heimatstadt und Vertreter der lokalen Presse hatten sich eingefunden, um mich zu verabschieden. Unser Team: mein bepacktes Fahrrad „Else“ (so getauft nach einem Dick und Doof Film) und ich, in Radklamotten, wurden bestaunt, die nagelneuen Packtaschen misstrauisch begutachtet – da sollte alles drin sein für so eine lange Reise? Ob der das bis Sydney schafft? Viele Fragen sah ich in den Augen der neugierigen Menschen. Aber ich kannte das „Traveller“ – Sprichwort aus vielen kleinen Reisen, die es vor der kommenden Mammuttour gegeben hatte: „Der Weg ist das Ziel“. Und dann gab es noch das Motto aus der Zeit der Goldschürfer in Alaska vor mehr als 100 Jahren: „Lieber gescheitert, als es nie versucht zu haben“. Und versuchen musste ich es einfach. Vier Jahre hatte ich mich vorbereitet, jede entbehrliche Mark auf mein Reisekonto eingezahlt, mein Hausrat war schon seit Wochen in Kisten verpackt und in einer Scheune verstaut. Der letzte und schwerste Schritt war die Kündigung meiner Arbeitsstelle in einem Fahrradshop. Immerhin hatte ich sechs Jahre dort nicht nur mein Auskommen, sondern im Laufe der Zeit war in dem kleinen Dreimannbetrieb zwischen Reparatur und Ersatzteilverkauf ein familiäres Klima entstanden. Aber, was sollte ich machen: Das Fernweh war stärker, der Drang, in fremde Länder zu reisen, Exotisches zu sehen und in fremde Kulturen einzutauchen, brannte in mir. Als 14 Uhr der Spielmannszug unserer Stadt „Muss i’ denn, muss i’ denn zum Städtelein hinaus“ intonierte, atmete ich auf, froh, dass der Trubel endlich vorbei war und die Räder sich drehten. Ostwärts ging’s Richtung Polen, Russland, Kasachstan, China ... unvorstellbar und sooo weit weg. Aber Stück für Stück und Tag für Tag den Weg erleben – jetzt hielt mich nichts mehr auf. ... und in zweieinhalb Jahren, wenn alles gut geht, bin ich am Ziel! Dann beginnen die Olympischen Spiele in Sydney. Dort wollte ich meinen Beitrag leisten und zeigen, dass es um Sport und Spaß geht und sich nicht alles nur um Geld, Sponsoring und Korruption dreht. Bei mir ging es erst einmal um etwas ganz anderes. Noch nie war ich eine so lange Zeit allein unterwegs gewesen, noch nie so weit weg von zu Hause und von der Heimat und in so fremden Kulturen. Würde man mich überhaupt in China reinlassen? Und was wird an der Grenze zu Tibet, wenn ich nicht durchfahren darf? Komme ich mit großen Höhen klar? Fragen über Fragen schossen mir durch den Kopf. Aber noch rollten die Räder auf verstaubtem Weg... in Richtung Spreewald. Zwei Freunde, Steffen und Thomas, begleiteten mich noch die ersten zehn Tage durch Polen. Dann, hinter Terespol/Brest, an der Grenze zu Weißrussland, würde ich endgültig ganz allein sein. Nach diesen ersten Tagen Alleinfahrt mit meiner Else stellte ich sehr schnell fest, dass man eigentlich nie allein ist. Auch das sollte sich in den nächsten dreieinhalb Jahren nicht ändern. Viele Menschen traf ich, viele sprachen mich einfach an, luden mich zu sich ein. Das ist ein großes Plus des Alleinradelns: Man ist auf „leisen Socken“ unterwegs, langsam und immer live im Leben bzw. auf der Straße, ohne Begleitung. Und da der Mensch – also auch ich – Kontakt mit anderen Menschen braucht, ist man immer auf der Suche nach Kommunikation. Und das geht am einfachsten mit „Einheimischen“. Auf diese Weise tauchte ich immer tief ein in das Leben, die Sorgen, Ängste und die Nöte der Menschen des jeweiligen Landes. Aber auch lustige und fröhliche Zeiten konnte ich mit meinen Gastgebern teilen. Schon in den ersten Wochen und Monaten dieser Riesentour, nach wenigen Erfahrungen merkte ich, dass mein eigentliches Ziel nicht die großen touristischen Attraktionen (z.B.: das Taj Mahal in Indien oder der Eyes Rock in Australien) sein werden, sondern die Menschen: Einheimische oder Reisende wie ich. Auch wenn man sich nur kurz begegnete, so konnte ich doch stets etwas mitnehmen und das gab mir Kraft auf meinem weiteren Weg. Es war eigentlich egal, auf welcher Route ich mich befand, immer gab es etwas zu entdecken: in einem kleinen Gespräch, auf einem Markt in einem Dorf oder am Wegesrand. Menschen, Tiere, Pflanzen, man musste nur aufmerksam schauen. Ich stellte schnell fest, dass die Menschen außerhalb der Touristenstraßen offener und freundlicher, ja sanfter, waren. Ähnlich wie an der Strecke von Lhasa nach Katmandu, an der Kinder auf die Tojota - Geländewagen mit Sieben-Tags-Touristen warteten, um sich ein paar Geldstücke zu erhaschen, ging es an allen „Pauschal-Touristen“ - Zielen zu. Da bekommen die Einheimischen und die Touristen ein falsches Bild voneinander. Ich fand es beschämend, wie mit ein paar Süßigkeiten das Gewissen beruhigt wird und diese Gesten als Hilfe verstanden werden. Und als ich mit meiner Else kam, bettelten die Kinder mich auch an. Ich hatte natürlich nicht die erhofften „Gaben“ und so kamen dann auch schon mal Steine geflogen. Und schließlich hatte ich Angst vor jedem kleinen Dorf, das ich durchfahren musste. Auf der Strecke von Golumd (China) nach Lhasa konnte ich das Phänomen nicht beobachten. Dort hat das Reisen großen Spaß gemacht. War es in Tibet eher die körperliche Herausforderung, so kamen in Indien andere Aufgaben auf mich zu. Hier waren die Menschen zwar nicht unfreundlich, aber oftmals aufdringlich neugierig. Oft gab es wegen mir regelrechte Massenaufläufe. Dieses Land war ein Extrem in vielerlei Hinsicht. Hier trafen alle Gegensätze fast täglich zusammen: Schön und Hässlich, Arm und Reich. Dazu kamen noch der chaotischen Straßenverkehr, durch den ich mich mit meinem Rad durchkämpfen musste oder wollte. Hier, auf diesem Subkontinent, musste ich viel lernen. Zwar sollte man das Reisender immer, sonst versteht man die alltäglichsten Dinge nicht, aber spätestens hier in Indien wurde mir klar, dass unsere Gesellschaft mit seinen Werten und Denkschemen nicht der Maßstab aller Dinge ist. Cirka sechs Monate bereiste ich Indien, anschließend Bangladesch; dieser Reiseabschnitt, einschließlich Tibet und Nepal war im Nachhinein gesehen der Interessanteste und Exotischste meiner Weltreise. Burma (Myan Mar) war ein Land, das mir verschlossen blieb. Und da es keine Möglichkeit gab von Indien bzw. Bangladesch aus nach Thailand zu kommen, so blieb mir nur der Flug von Kalkutta nach Bangkok. Südostasien war erreicht und das bedeutete für mich: Thailand, Laos – die buddistischen Länder – dann Malaysia und Indonesien – als vorwiegend islamisch geprägte Länder. Hier gab es ein meist feuchtes und warmes Klima, an das ich mich schnell gewöhnte. Mir blieb ja auch gar nichts anderes übrig, wollte ich mit meinem Rad vorwärts kommen. Vor allem in Thailand und Laos gibt es viele buddistische Klöster am „Wegesrand“ mit sehr freundlichen Mönchen, so dass ich in diesen Ländern oftmals in den sogenannten Whah nächtigen konnte. Oft leisteten mir die neugierigen, aber zurückhaltenden Mönche Gesellschaft und wir saßen bis spät in die Nacht hinein zusammen und tauschten uns aus „über Gott und die Welt“. In Malaysia gab es ein Erlebnis außergewöhnlicher Art, was dieses Land in besondere Erinnerung taucht. In Johur Barn, ganz im Süden – man kann schon fast Singapur sehen – wollte ich in einer Autowerkstatt meinen Benzinkocher reparieren lassen. Ich kam – wie schon so oft – in ein Gespräch. Es war Freitagnachmittag. „Was, du fährst bis Australien mit dem Rad?“, fragte mich ein etwas unansehnlicher junger Mann mit pechschwarzen Haaren. „Hast du heute schon etwas vor?“ - „Was soll ich denn vorhaben?“, fragte ich zurück. „Heute Abend gehen wir in die Disco. Und außerdem muss ich dich meiner Familie vorstellen.“ Else wurde fürs erste in die Autowerkstatt geschoben und eingeschlossen. Rein ins Auto und los ging es zur Familie. Und dort blieb ich – wie es so oft unerwartet passierte –...

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