In "Rundherum" berichten die beiden ältesten Kinder von Thomas und Katia Mann, Erika und Klaus, von ihrer Reise 1927/28 rund um den Globus: Die Stationen hießen USA, Japan und Sowjetunion. Geplant war eigentlich "nur" eine Tournee durch die USA, aber wenn man schon mal da war und wenn man schon das Geld irgendwie zusammenpumpen konnte...
Erika und Klaus Mann schrieben ihren Reisebericht gemeinsam; sie waren gerade 20 bzw. 21 Jahre alt, und dementsprechend unbekümmert und frisch von der Leber weg ist ihr Bericht geraten. Beide erweisen sich als gute Beobachter mit unverstelltem Blick, vor allem mit viel Sinn fürs Ungewöhnliche ebenso wie fürs Charakteristische. Mal sind sie fasziniert von der damaligen HighTech in amerikanischen Hotels, mal wagen sie sich abenteuerlustig in die allertiefste amerikanische oder japanische Provinz. Der perfekt inszenierte Auftritt einer Erweckungspredigerin war für die beiden ebenso erwähnenswert wie z.B. Reflexionen über den Unterschied zwischen amerikanischem und europäischem Universitätsleben oder über die gefährliche Allmacht der Tycoons, und Bahnschaffner und Tänzerinnen finden ebenso viel Beachtung wie Hollywood-Größen und die intellektuelle Avantgarde. Gelegentlich liest sich der Bericht ein wenig nassforsch, aber arrogant werden die beiden nie. Eher blitzt immer wieder viel Selbstironie durch.
Dieser Reisebericht lebt vor allem von der Lebendigkeit seiner Verfasser. Nie hat man das Gefühl, die Erlebnisse wären vor der Niederschrift erst noch ideologisch "auf Linie" gebracht worden, wie dies z.B. für Klaus Manns Autobiographie "Der Wendepunkt" so penetrant charakteristisch ist. Im Gegenteil!
In dieser von Uwe Naumann im Nachwort klug kommentierten Neuausgabe sind außerdem erstmals wieder die Fotos der Original-Ausgabe 1929 abgedruckt; sie spiegeln die ungezwungene Atmosphäre des Berichts hervorragend wider.
Das einzige, was diesem lesenswerten Bericht über die "Abenteuer einer Weltreise" noch fehlt, sind Personenerläuterungen. Sicher, Emil Jannings oder Upton Sinclair sind auch heute noch jedem ein Begriff -- aber es tauchen so viele Namen von seinerzeit bekannten Zeitgenossen auf, mit denen man heute nichts oder nur wenig verbindet. Hier wären kurze Erläuterungen, vielleicht in einem Anhang, hilfreich.