Wer Handke Naivität im Umgang mit den Prozessen in Haag vorwirft sieht nicht, was der eigentliche Zweck dieses Bändchens war. Handke macht nicht mehr als klarzustellen, was dem unbeteiligten Beobachter in Anwesenheit eines Kriegsverbrecherprozesses auffällt. Es ist das, was auch in den Medien, weichgekauter wiedergegeben wird, nur in einem anderen Blickwinkel. Handke lässt daraus kein Stammtischthema über die Sinnlosigkeit und Bisslosigkeit der Justiz werden, sondern verwebt augenscheinliche Seltsamkeiten mit Beobachtungen weit weg vom eigentlichen Geschehen. Er lässt sich in die Atmosphäre vor Ort fallen, streift sein Selbst ab und gibt die Verflechtungen der Beteiligten wieder. Sympathie für Slobodan Milosevic klingt genauso wenig durch, wie Rechtfertigung für die Taten der serbischen Armee. Wer das herausliest will es herauslesen um ein leichtes und angreifbares Ziel zu haben, freilich auf dilettantischste Art und Weise. Buch kaufen und unvoreingenommen lesen, es zahlt sich aus.