Aller guten Dinge sind Drei, sagt man ja. Also bitte, hier haben wir ihn, den dritten Teil und gleichzeitigen Abschluss einer Serie, die das Adventure-Genre nicht nur bereichert, nein, es sogar gerettet hat. Wäre damals nicht "Runaway - A Road Adventure" gewesen, die Games-Welt wäre heute womöglich um eine Spielegattung ärmer, da vor gut 10 Jahren kaum noch jemand Lust hatte, ein klassisches Point&Click-Abenteuer auf den Markt zu bringen. Dank dieses Überraschungserfolges aus dem Hause Pendulo Studios feierte das Genre quasi seine Wiederauferstehung, und seitdem sind Adventures wieder so stark präsent wie zu ihren besten, alten Zeiten. Allein dafür ein großer Dank an die spanischen Entwickler !!!
Mit "A Twist of Fate" wird der Handlungsfaden von "The Dream of the Turtle" fortgesetzt und einer der wohl schönsten, witzigsten und besten 2D-Vertreter, die das Genre zu bieten hat, in Würde und voller Pracht vollendet.
Zur Story:
Brian Basco betrachtet neuerdings die Radieschen von unten. Keine Sorge, unser Held hat nicht wirklich das Zeitliche gesegnet, vielmehr blieb ihm keine andere Wahl als sein Ableben vorzutäuschen. Er wurde für einen Mord an einem hochrangigen Offizier verurteilt, den er nicht begangen hat (oder an den er sich zumindest nicht erinnern kann) und dann direkt in die Klapse gesteckt. Alle halten ihn nun für tot, seine Geliebte Gina Timmins gehört zu den ganz Wenigen, die seiner Quicklebendigkeit bewusst sind. Getrennt voneinander versuchen sie Brians Unschuld zu beweisen... Und ebenso den wahren Mörder zu finden.
Der Anfang von "A Twist of Fate" wird Kennern des Vorgängers im ersten Moment wohl etwas verdutzt, wenn nicht gar ratlos stehen lassen. "Was ist mit dem offenen und sehr verwirrenden Ende von "The Dream of the Turtle" ? Wird darauf denn gar nicht eingegangen ?!" - wohl die allererste Frage, die einem automatisch durch den Kopf schießt. Genau dieser Gedanke beschlich auch mich in den ersten Spielstunden. Um Fans und Interessierte zu beruhigen: Es existiert auf jeden Fall eine Verbindung zum Vorgänger. Sie wird nur nicht direkt zu Beginn offengelegt, sondern ergibt sich mehr in der zweiten Spielhälfte.
Der Grund dafür ist eine verschachtelte Erzählweise inklusiver Rückblenden, plus dem regelmäßigen Wechsel zwischen der ehemaligen Stripperin und dem vermeintlich Verrückten in insgesamt 6 Kapiteln. Während Gina gegenwärtig mit der Beweissuche beschäftigt ist, wird in der Haut von Brian dessen bereits stattgefundene Flucht aus der Irrenanstalt nochmal rekonstruiert. Erst hin zum Finale gehen die Wege der Beiden ineinander über, während die Lücke zwischen Teil 2 und 3 der "Runaway"-Trilogie nach und nach gefüllt wird. Somit schließt sich der handlungsbezogene Kreis langsam aber sicher. Die Auflösung des ganzen Verwirrspiels rund um die letzten Spielstunden von "The Dream of the Turtle" ist (zugegeben) etwas überspitzt dargestellt, aber doch schlüssig, die meisten der offen geblieben Fragen werden ausreichend erklärt. Und selbst wenn man mit den Erklärungen nur bedingt zufrieden gestimmt sein sollte, muss man "A Twist of Fate" zugestehen, dass es ein toller, mit viel Humor garnierter Krimi ist, der mit zahlreichen Wendungen, Wirrungen und popkulturellen Zitaten bestens unterhält. Der Genre-Fan darf sich auf reichlich Schenkelklopfer und Grins-Attacken gefasst machen.
Vergleicht man Optik und Akustik mit dem was man bereits von Pendulo Studios kennt, kommt man zum Schluss: "Alles beim Alten". Im positiven Sinne ! Die spanischen Entwickler setzen klar auf die großen Pluspunkte der Vorgänger und verpassen Folge 3 abermals einen geschmeidigen und bildhübschen, handgezeichneten Comic-Look, zusammengesetzt aus sehr detaillierten 2D-Hintergründen und animierten 3D-Cell Shading-Charakteren mit vielen schön in Szene gesetzten Zwischensequenzen, die perfekt mit dem eigentlichen Spiel harmonieren.
Mit seinem dritten "Runaway"-Titel gehört Pendulo Studios auch weiterhin zur Speerspitze, wenn von guter Vertonung die Rede ist. Wiederholt konnten die alten Synchronsprecher ans Mikro geholt werden, welche zu den Besten und Ambitioniertesten ihres Fachs gehören. Allesamt spitze in Punkto Motivation, Betonung, Sprachwitz und Emotionsvermittlung. Musikbegleitung und Soundeffekte schließen sich der hohen Qualität an.
In diesem Zusammenhang möchte ich allen Spielern anraten, nach der Installation direkt noch den Patch 1.02 draufzuziehen. Muss nicht überall der Fall sein, aber bei mir zumindest trat ein gelegentlicher "Schluckauf" der Sprachsamples auf, d.h. mancher Satz wurde nicht zu Ende gesprochen und hörte sich entsprechend "abgeschnitten" an. Nach dem Update war dieser Fehler dann auch schon von der Welt.
Im Übrigen waren die Damen und Herren von Pendulo Studios trotz ihrer großen Hingabe für Grafik und Sound nicht zu faul, den Bedienkomfort seines Spiels nochmal zu verbessern und sogar einige Extras einzubauen. Das Inventar ist übersichtlich, die wesentlichsten Aktionen sind per rechten Mausklick schnell gewechselt. Erstmals in der "Runaway"-Geschichte gibt es neben der mittlerweile standardisierten Hotspot-Anzeige und der nützlichen "Journal"-Funktion (eine Art Zusammenfassung der Ereignisse bis zum aktuellen Spielstand) auch eine frei nutzbare Lösungshilfe in Form einer "Hotline". Statt schnöder Hinweistexte steht der vollständig animierte und vertonte "Mr. Pendulo" mit Hinweisen und Tipps bereit. Respekt, soviel Aufwand betreibt sonst kaum ein anderer Entwickler. Überaus lobenswert auch, dass zwar leichte Denkanstöße gegeben werden, nie einem aber die direkte Lösung vor der Nase gehalten wird. Die Motivation zum selbstständigen Knobeln bleibt.
Die Rätsel sind durchweg fair und reichen von leichten Kopfnüssen bis hin zu komplexeren, zu Ketten verbundenen Großaufgaben, die stets logisch nachvollziehbar sind. Damit wurde ein in der Vergangenheit öfters kritisierter Punkt - ein nicht immer logisches Rätseldesign - endgültig getilgt.
Lustigerweise fällt auf, dass ausgerechnet Miss Timmins überwiegend einfachere Aufgaben meistern muss als ihr maskuliner Lebensabschnittsgefährte. Ein ironisch gemeinter Seitenhieb auf das (denk)schwache Geschlecht ?! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. *g*
Fazit:
Ob technisch, inhaltlich oder rein auf das Rätseldesign bezogen, "Runaway - A Twist of Fate" ist ein Vorzeigetitel fürs Genre und macht der Konkurrenz vor, wie ein topaktuelles Adventure auszusehen hat, um sowohl Fans als auch Neulinge restlos zu begeistern. Es rangiert knapp hinter "A Road Adventure", welcher die bessere Handlung vorweisen kann, doch sonst punktet es in allen Kategorien, in denen ein modernes, klassisches Adventure heutzutage einfach überzeugen muss. Für Fans der Serie und Genre-Liebhaber eine klare Empfehlung. BANANA !!!