Das Ende 1989 veröffentlichte "Runaway Horses" versucht genau da anzuknüpfen, wo der Vorgänger "Heaven on earth" (1988) aufhörte und schafft das Kunststück, den bereits fantastischen Vorgänger sogar noch zu übertreffen. Wieder liefern Belinda Carlisle und ihr bewährtes Produzententeam Rick Nowels / Ellen Shipley dymamische, energiegeladene und gitarrenlastige Songs, die irgendwo zwischen Pop und Rock angesiedelt sind und vor allem durch zündende, fast schon hymnische Powerrefrains bestechen.
Der dynamische Opener "Leave a light on" mit seinem kraftvollen Schlagzeug und Ex-Beatle George Harrison an der Gitarre reißt den Hörer sofort mit und wurde nicht umsonst ein weiterer Welthit. Auch wenn das Album in sich geschlossen wirkt, bedeutet das nicht, dass alle Songs gleich klingen. Das unwiderstehliche "La Luna" mit seinem Violinenarrangement erzeugt nicht nur gute Laune, sondern vermittelt auch das Gefühl, man befinde sich tatsächlich (wie im Text gesungen) in Südfrankreich. Dieser Song wurde 1990 in Deutschland ein weiterer Riesenhit. "(We want) The same Thing" erinnert in der Albumversion hier an Countrypop, kommt aber wesentlich besser in dem 1990er Remix rüber, der für die Singleveröffentlichung verwendet wurde. Darin verwandelte sich dieser Song in eine druckvolle Rockhymne und wurde in England ein weiterer Top 10 Hit. Die flotte Nummer "Summer Rain" besticht nicht nur durch eine der gesanglich besten Leistungen von Belinda Carlisle, sondern auch durch sein Keyboardarrangement und erreichte die Top 10 in Australien. Besonders gut gelungen ist auch der Titelsong "Runaway Horses", der mit seinem Intro und den galoppierenden Pferden im Hintergrund einen fast schon sphärischen Klang erzeugt, bevor er sich im Refrain in eine weitere Powerpophymne verwandelt. Die mit spanischen Gitarren untermalte Ballade "Vision of you" ist einer der wenigen ruhigen Nummern des Albums und ebenfalls herausragend.
Neben diesen 6 (!) Singleauskopplungen müssen sich auch die weniger bekannten Stücke nicht verstecken. "Deep Deep Ocean" und "Whatever it takes" sind weitere, unwiderstehliche Uptemposongs, bei letzterem singt Bryan Adams im Background mit. Die Midtemponummer "Valentine" sticht erneut hervor, da sie soundtechnisch japanische Anklänge hat. Der Höhepunkt des Albums ist gleichzeitig der Schlusssong, "Shades of Michelangelo", eine von Belinda selbst komponierte Gänsehautnummer, die sich vom Akustikstück in der ersten Strophe bis hin zur Powerballade im letzten Refrain steigert und auch vom Text her absolut überzeugt.
Die Albumsongs stehen somit den Singles in Sachen Hitpotenzial und Ohrwurmqualität in nichts nach, was man ja allgemein nicht von vielen Künstlern und Alben behaupten kann. Für alle Liebhaber melodischer, gitarrenlastiger Poprockmusik ist "Runaway Horses" eine der besten Alben dieses Genres, das voller positiver Energie und krafvoller Hymen nur so strotzt. Ein absolutes Muss!