Aye, Aye, hört her! Rowohlt spricht. Was kann die Welt doch unterhaltsam sein, wenn einer sie so herrlich in Worte fassen kann wie Harry Rowohlt. Nein, nicht der vom Verlag. Der aus der Lindenstraße. Der Philosoph zwischen Karl und Groucho Marx. Wehe dem, der es mit ihm verscherzt. Zum Beispiel das moderne Nachrichtenmagazin mit dem F-Wort. Da wird die Feindschaft genüsslich zelebriert, ein Kampf mit dem Florett der Zunge statt mit dem journalistischen Säbel. Nonchalant wie eine Ohrfeige mit dem Glacehandschuh und gleichzeitig bärig geerdet mit mehr als nur einem Schuss Selbstironie. Rowohlt ist ein Meister des Timings. Er zersiebt seine Texte mit Einwürfen im Plauderton, dass man zweifelt, was er aufgeschrieben hat und was ihm gerade erst einfällt. Miniaturen von Menschen und Begegnungen, wie beiläufig eingestreut und dabei sprachlich so präzise und elegant wie eine Geschichte von Truman Capote. Der Mann schüttelt das aus dem Ärmel! Wie macht er das nur? Kein Gedanke setzt sich da hin, wo ein anderer schon gesessen hat. Die Pointen kommen auf leisen Sohlen und schießen heimtückisch aus dem Hinterhalt. Oder sie brennen ab wie ein Feuerwerk, wenn Knolls Katzen einem arglosen Theaterbesucher sein ganz persönliches Armageddon bereiten. Ich glaube, das ist einfach Intuition. Das kann man nicht lernen. Ja, Intuition und ein musikalisches Ohr für Satzmelodien. Aye, Aye, hört her! Rowohlt spricht. Muss man erleben, kann man nicht beschreiben.