Das "Reisehandbuch Rumänien" von Ronny Müller hinterlässt einen schlechten Eindruck. Der Autor, dessen eigener Internetauftritt unter dem aufschlussreichen Namen "Dakerpage" zu finden ist, scheint ein Kenner einiger Regionen des Landes zu sein. Der kleinformatige Reiseführer erschöpft sich jedoch lediglich in oberflächlichen Kurzinfos über ausgesuchte Städte des Landes, einer recht einseitigen Beschreibung der Hauptstadt des Landes, Bukarest und wenig differenzierten Angaben über "Land & Leute". Ergänzt werden die Ausführungen auf den knapp 275 Seiten durch etwas ausführlichere Informationen über das Wandern in den Karpaten. Aber auch hier trüben die weder maßstabsgerechten, noch informativen, geschweige denn genauen Karten(ausschnitte) das Bild erheblich. Eine Infokarte, welche das Staatsgebiet Rumäniens auf der hinteren Umschlagseite darstellen soll, zeigt sogar die Landesgrenzen Großrumäniens aus der Zeit zwischen den Weltkriegen, als Bessarabien - das heutige Moldawien - kurzzeitig rumänisches Staatsgebiet war.
Der frappierendste Fehlgriff des Autors sind die vollkommen verzerrten und undifferenzierten Geschichtszusammenhänge des Landes. Schon zu Zeiten Ceausescus neigte man zu einer Geschichtsverfälschung, die ihren Niederschlag selbst in den Schulbüchern fand. Nicht nur, dass vehemente Auslassungen zu einer falschen Darstellung der historischen Zusammenhänge führen, sondern auch die Tatsache, dass die Minderheitenproblematik einerseits unterschätzt und andererseits falsch hergeleitet wird, hinterlassen beim informierten Leser einen bitteren Beigeschmack. Aufgabe eines Reiseführers ist sicherlich nicht eine erschöpfende Darstellung der Geschichte, jedoch muss auch bei oberflächlichen Ausführungen auf Sorgfalt geachtet werden.