Der Hirte auf dem Buch-Cover hat Zähne - auf jeden Fall zeigt er sie uns nicht einen schüchtern-stolzen Blick, rote Wangen und einen kräftigen Schnurrbart.
Was reizt den Westler an Rumänien?
Als ich vor fünf Jahren das erste Mal nach Rumänien fuhr reizten mich vor allem die Zahnlosen, das ungepflegt Heruntergekommene und das Skurrile im beobachteten Alltag. Seit dem hat sich viel geändert ' auch bei mir und wie der sich gepflegt gebarende Hirte beweist. Damals bin ich als Rucksacktourist ein Jahr lang durch Rumänien gereist, per Anhalter, zu Fuß, per Pedes oder mit herrlich verschronzten Überlandbussen. Wer seinen Rumänientrip nicht bei TUI bucht sondern selber plant sucht wahrscheinlich nicht überfüllte Schwarzmeerstrände sondern authentische Andersartigkeit, vielleicht sucht er sogar Abenteuer, auf einer Bergtour oder im Mitmenschlichen. Mir hat es einige Anstrengung gekostet das Land zu entdecken, unter der Staubschicht der Vorurteile die pulsierende Schönheit zu sehen, meinen Blick für die Einzigartigkeit des Landes zu schulen. Wer jedoch nicht ein Jahr lang Zeit hat ist auf eine kompetente Hilfe angewiesen:
Wer Rumänien entdecken möchte braucht den Reise Know-How Begleiter!
Warum?
PERSÖNLICHE EMPFEHLUNGEN: der Autor zeigt besonders ruhige und schöne Strände für einen Badeurlaub am Schwarzen Meer (Vama Veche, Gura Portitei und Sfantul Gheorghe), denn wie gesagt, als Rucksackreisender möchte ich im Sommer keine überfüllten, verschmutzten Strände besuchen;
Die zahlreichen HINWEISE AUF ORTS-SCHÖHNHEITEN AM WEGESRAND sind überaus wertvoll (so z.B. der auf die Stadt Ajud oder auf den herrlich restaurierten Stadtkern von Oradea). Städte, an denen man sonst gerne vorbeifährt. Einigen Kleinoden dieser Art ist in dem Buch sogar ein eigener Kasten gewidmet, wie im Fall des winzigen Ortes Obcina im Maramures.
Die INFORMATIONS-KÄSTEN liefern Exkurse zu unterschiedlichsten Themen: jüdisches Viertel in Bukarest, Draculas Vermarktung oder Erläuterndes zu wichtigen Künstlern oder Naturschönheiten. Besonders dieses Insider-Wissen macht eine schnelle Annäherung mit dem Land möglich, es ist eben weit mehr als reines Touristen-Wissen.
Die echt ÜBERSICHTLICHEn KARTEN, mit denen man sich schnell am nächsten Reiseziel zurechtfindet ohne lange herumzulatschen, sei es in der Stadt, in den Bergen oder im Donaudelta. Schnell finde ich die Kultur-Highlights, die Pizzeria und das Hotel.
Der Führer liegt im Trend: so wird dem Thema ÖKOTOURISMUS viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Der AUTOR SPART NICHT MIT KRITIK an der richtigen Stelle. So bekommen schlechte Restaurants ihr Fett weg und unansehnliche Hotels werden als das charakterisiert, was sie sind (Hotel Steaua in Sighisoara: Zu kommunistischen Zeiten war dieses Hotel das Top-Hotel der Stadt, was man freilich kaum glauben mag. Es ist heute noch in Staatsbesitz, was die Renovierung nicht unbedingt beschleunigt, da die alten Besitzer noch gegen den Staat prozessieren') Das zeigt die UNABHÄNGIGKEIT DES RUMÄNIEN-AUTORS, der die Dinge nicht schönfärbt.
Warum nicht?
Das Buch hat 800 Seiten (80 sind Moldawien gewidmet) und wiegt 700g, Qualität hat ihr Gewicht
Mir fehlt die archaische Schönheit der Binnen-Dobrudscha mit ihrem Völkergemisch, aber vielleicht besser so, dann bleibt es mein Geheimtipp
Nun noch eine Bemerkung: Die Autoren des Reiseführers Rumänien sind wahrlich nicht zu beneiden. Rumänien (für Moldawien kann ich leider nicht sprechen) ist ein Land im totalen Umbruch. Jugendliche die gestern noch Hippies waren, leiten morgen eine Bürohausetage.. Der Reiseführer bildet dieses neue Rumänien ab vergisst aber nicht das 'klassische' Rumänien der Landschaften und Traditionen. Dabei wird er selber Opfer dieses rasanten Wandels, Busstation werden verrückt weil modernisiert wird (Tulcea), Fahrkartenagenturen bekommen eine andere Adresse (CFR Brasov nicht mehr in der Str. Republicii sondern am Bulevardul 15 Noiembrie Nr. 43) und Campingplätze wurden geschlossen (z.B. Camping Pelican in Murighiol), Zugverbindungen dauern plötzlich vier Stunden länger weil ein europäischer Schienen-Korridor mit voraussichtlichen Bauende in 2011 entsteht (zwischen Bukarest und Kronstadt/Brasov), Preise sind explodiert und neue Hotels, Pensionen und Restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden. Habt also etwas Verständnis wenn manche Information nicht immer 100% aktuell ist obwohl sie noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Bekanntlich werden die Reiseführer aus der Reise Know-How-Reihe alle zwei Jahre aktualisiert. Und das ist auch gut so. Denn Rumänien bleibt im Wandel. Mit Veränderungen sollten Reisende in Rumänien nämlich auch in Zukunft rechnen.
Insgesamt ein Wirklich gelungener Reiseführer, er hat alles Sport, Erholung, Abenteuer, Kunst und Tiefgang und Fotos die schon bei der Reisevorbereitung das Reisefieber entfachen. Kaufen!
Apropo Foto: Wer sich vor seiner Reise schon einmal ein farbiges Bild von Rumänien machen möchte, dem sei die Foto-Website www.romtour.eu des Rumänienautors Joscha Remus wärmstens empfohlen. (Achtung: teilweise sehr skurril und lustig! )