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... Das geht doch gar nicht! Hätte ich auch gesagt. Tut es aber.
Der gebürtige Bergener und inzwischen Wahlberliner Erlend Øye hat vermutlich die erstaunlichste Stimme die es gibt. Scheinbar so unprätentiös, dass der ungeneigte oder flüchtige Hörer nach einem kurzen Moment sagen muss: Was ist das denn für ein seichter Quatsch. Wer einen Moment ausharrt, bemerkt jedoch eine unerklärliche Tiefgründigkeit und Gravitation die von dieser Stimme ausgeht. Unglaublich weich, aber doch sehr präsent. Bisher war seine Stimme die logische Symbiose mit seiner Musik, ob als 'Kings of Convenience', unter eigenem Namen oder beim ersten Album von 'Whitest Boy Alive'. Der kurze etwas schwungvollere Ausflug mit 'Röyksopp' konnte daran nicht viel ändern. - Soweit so 'cool und gefühlvoll'.
Umso mehr überrascht nun 'Rules' mit seinem Schwung und luftigen und gar richtig mitreißenden Rhythmen: 'Keep A Secret' und 'Intentions' grooven noch geschmeidig, aber bedächtig, während 'Courage' zum Refrain mit seinen fast houseartigen Keyboards richtig zum Tanzen einläd. Jaa, das hätten wir vom guten Erland gar nicht (mehr) erwartet und hätte es vor dem 27. Februar jemand behaupet, so hätten wir ihn noch erstaunt angeschaut. Auch sein immer noch bedächtiger Gesang integriert sich erstaunlich geschmeidig in den ihn umspülenden Schwung der Musik. Sicher wird es mitunter auch wieder bedächtiger, beispielsweise gibt es wohl niemanden auf der Welt, der so unaufgeregt über einen 'Rollercoaster Ride' berichtet. Aber dieses Album bleibt ungemein beschwingt und bietet paar echte Tanzflächennummern!
Typisch ist dabei, dass der Øye (Gesang und Gitarre) sich dabei auch noch 'Rules' auferlegt hat, nämlich mit Marcin Öz (Bass) und den beiden neuen Kollegen Sebastian Maschat (Schlagzeug) und Daniel Nentwig (Tasten) alles live, gemeinsam und in einem Lauf einzuspielen, weil sie keine Lust mehr hatten, nur mit Laptop auf der Bühne zu stehen. Dass sie dabei Spaß hatten, merkt man an den oft sessionartigen instrumentalen Ausgängen der Songs.
Das Ergebnis kann sich hören lassen und macht umso mehr Lust darauf, sich das wirklich mal Live anzusehen.
Daneben ist das Album sehr sauber aufgenommen und mit einem dichten und präsenten Klang abgemischt. Das ganz leichte Grundrauschen, jeweils bevor das erste Instrument beginnt, verstärkt dabei nur das Gefühl, die Jungs könnten mit ihren Instrumenten im Raum stehen.
Soweit wie Stephan Herczeg am 25.2. in der FAZ geht, indem er fordert, "Rosenstolz, Bushido und Peter Fox sollen bitte aus Berlin wegziehen, damit die Stadt nur noch The Whitest Boy Alive gehört", würde ich nicht gehen, denn diese in jeder Hinsicht angenehme Musik möchte ich gar nicht mit jedem teilen, aber Erlend Øye hat die Hörer wohl schon immer gespalten. Zwar wird sich das jubelnde Lager mit diesem Album deutlich vergrößern, aber jede Massenveranstaltung würde zu der gemütlichen Musik so gar nicht passen.
Also "psst", mehrmals anhören, jedes Mal besser finden und weitersagen, aber nicht allen!