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On Rules and Monsters. Essays zu Horror, Film und Gesellschaft
 
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On Rules and Monsters. Essays zu Horror, Film und Gesellschaft [Broschiert]

Benjamin Moldenhauer , Christoph Spehr , Jörg Windszus
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Broschiert: 191 Seiten
  • Verlag: Argument Verlag; Auflage: 1., Aufl. (Juni 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886194728
  • ISBN-13: 978-3886194728
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,6 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 466.856 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Bedenkt man es mit einigem Mut, so ist unsere Welt eine geworden, in der Angst und Gleichgültigkeit vorherrschen", schreibt Elias Canetti. Wenn das stimmt, ist das Horrorfilm-Genre der adäquate Ort zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Spätkapitalismus und den Resten bürgerlicher Subjektivität. On Rules and Monsters versammelt Essays zu Theorie und Geschichte des Genres und trägt dazu bei, eine empfindliche Lücke zu schließen. Schließlich wird der Horrorfilm in Deutschland von Kultur- und Filmwissenschaft vernachlässigt. "Warum sind uns die Mythen des Horrorfilms so eigentümlich vertraut, als hätten wir selbst diese grotesken und grauenhaften Situationen schon durchlebt, und warum liefern wir uns mit Freuden diesen Ängsten und Schrecken aus und finden in ihnen mehr Bestätigung als Verunsicherung?" (Georg Seeßlen) - Weil die Normalität prinzipiell fluchbelastet ist: Den latenten, vorbewussten Ängsten verleiht das Genre Gestalt in Form von mythischen, traumatischen und traumatisierenden Bildern. Freddy Krueger, der in Nightmare on Elm Street die Alpträume der Kinder seiner Mörder real werden lässt; Sadako, die in Ring von ihrer Mutter in einen Brunnen geworfen wird und durch die Fernseher ihrer Opfer wiederkehrt; die exzessive Verletzung von Körpergrenzen im Splatterfilm - das Grenzüberschreitende und Groteske hat hier seinen Stammtisch. Die zwei Hauptbewegungen im Horrorfilm sind Warten und Laufen. Kommunikation erscheint hier nicht wie beim Frankfurter Untoten der Kritischen Theorie, Habermas, als befriedete Podiumsdiskussion mit anschließendem Schnittchenverzehr, sondern als Gewaltverhältnis. Kommunizieren lässt sich im Spätkapitalismus am effektivsten mit der Axt. "Jetzt hat der Spaß ein Ende! Jetzt beginnt der Markt!", ist der letzte Satz, den die ostdeutsche Kleinfamilie nach dem Grenzübertritt in Christoph Schlingensiefs Film 'Das deutsche Kettensägenmassaker' zu hören bekommt, bevor ihr der Kopf gespalten wird. "Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen." (Walter Benjamin)

Über den Autor

Benjamin Moldenhauer. geb 1980, Studium der Soziologie, Kulturwissenschaften und Philosophie in Bremen, Wien und Berlin.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Amazon bestätigter Kauf
...sonst braucht man auch ein solches Bändchen nicht zu lesen. Der moderne Horrorfilm (der ja ein anderer moderner Horrorfilm ist, als es jener der 70er Jahre, den ich so liebe, war) steigert seine Schauwerte und die Dringlichkeit dessen, was er zu zeigen wünscht ja noch einmal hinsichtlich dessen, was sichtbar gemacht wird. "Saw", "Hostel", "The Hills have eyes" stehen stellvertretend für diese Welle des allerhärtesten Splatters, den es je gab (bis die nächste, noch härtere Welle kommt). Bezeichnend dabei ist, daß wir es hier sowohl mit Originalmaterial zu tun haben, als auch mit Neufassungen von Altbekanntem. Und das "Altbekannte" entsprach dem "modernen Horrorfilm" der 70er. "Hills have eyes" ebenso wie "Dawn of the Dead" oder "The Texas Chainsaw Massacre" waren die bahnbrechenden Filme der 70er, die all den Mainstreamsplatter von Lynch ("Wild At Heart") bis Demme ("Silence of the Lambs") erst ermöglicht haben.

Es waren subversive Filme, die (vor allem dem amerikanischen) ihrem Publikum den Spiegel der bitterbösen Wahrheit vorhielten, daß es die Glückseligkeit der behüteten 50er Jahre nicht mehr gab, daß nach den Gräueln des 20. Jahrhunderts und dem Mangel an Lehren, die daraus gezogen wurden, daß nach dem Verlust moralischer Gewißheiten v.a. im Vietnamkrieg, keine Hoffnung mehr zu finden sein würde, weder in der Liebe, noch in der Familie und schon gar nicht in der Provinz. Wenn man will, kann man natürlich auch in diesen Filmen schon die Reaktion am Werke sehen - die seltsame Hinterwäldlertruppe aus "Texas Chainsaw..." schlachtet die hippiesken Teenies ab: Eine Art Racheakt des reaktionären Redneckamerika an den jungen Progressiven. Sicher, wären die Mitglieder dieser Familie nicht selbst teilsweise als Überhippies gekennzeichnet (zumindest trifft dies auf den "Tramp" zu, der das ganze Unheil erst in Gang setzt), mindestens jedoch als "Freaks". Und Gleiches gilt für die Mutantenfamilie in "Hills have eyes" - sie sind natürlich die auf perverse Weise wieder hergestellte Familie amerikanischer Prägung, die die Hoffnung auf ein "Weiter So!" aufrecht erhält (im amerikanischen, rechtschaffenen Kino muß immer die Familie als bedrohtes Urmodul einer funktionierenden Gesellschaft geschützt und wieder hergestellt werden; siehe: "Fatal Attraction"), allerdings zerstört sie dafür die uns vorgeführte Spießerfamilie, die für "Glück" steht, während die Mutanten deutlich als Opfer unseres Fortschritts(Atom)wahns gekennzeichnet werden. Über die Zombiefilme Romeros und ihre gesellschaftspolitischen Implikationen (die auch am deutlichsten "links" einzustufen und dort zu verorten sind) ganz zu schweigen.

Den neueren modernen Horrorfilmen - seien es nun Originale wie "Saw" oder Remakes wie "Hills have eyes" - hängt nun erst recht das "Reaktionär"-Emblem um. Ich selbst gehöre ebenfalls zu jenen, die meinen, daß es diesen Filmen nur noch auf die Oberflächenreize des zerstörten Körpers, die Exploitation des reinen Schauwertes des Ekligen ankommt. Dagegen nimmt dieser schmale Band, dem diese Rezension eigentlich gilt, deutlich Position ein. Hier schauen einige ältere, v.a. aber jüngere Filmautoren noch einmal genauer hin und kommen für sich zu ganz anderen Schlüssen, Schlüssen jedoch, die sehr bedenkenswert sind und das Nachdenken gerade über die schmuddeligen Ränder der Filmkunst fördern. Zum Teil reine Standortbestimmungen, wo sich der neue (moderne) Horrofilm befindet (und dabei auch mit Augenmerk auf den Einfluß des body cinema aus Asien, v.a. "Ringu"), zum Teil klare Essays zu einzelnen Phänomenen des neuen Horrofilms (Splatterzunahme/Zombie- also reines Körperkino/vampirische Urständ'), zum Teil hintergründige Reflexion zu einzelnen zentralen Punkten modernen Horrors (das Labor), bietet der Band eine gute Übersicht, was im modernen Horrorfilm und in seinen diversen Ablegern passiert.

Entstanden auf der Basis einiger Vorträge während zweier Horrokongresse in Bremen 2005 und 2006, bietet dieser Sammelband gut zu lesende, informierte und informierende Beiträge, die dennoch nicht leugnen, daß ihre Verfasser selbst auch Fans sind oder zumindest einmal waren. Denn auch dieser Aspekt wird ausgewogen behandelt in Zeiten, in denen immer wieder Verbote für Filme und/oder Spiele gefordert werden, die angeblich Kinder und Jugendliche verderben: Horror/Splatter/body cinema ist gerade für Heranwachsende ein zentrales Genre, denn kein anderes kann eben die Ängste, Unsicherheiten und Befürchtungen der Pubertät besser spiegeln und widergeben. Die Dringlichkeit, die es gerade für pubertierende Jungs hat/haben kann, sich den Ekelreizen eines Zombiefilms auszusetzen, hat Dietmar Dath ja in seinem Briefroman/Essay "Die salzweißen Augen" schon eindringlichst beschrieben, hier wird eine ernsthafte und wissenschaftliche Begründung nachgeliefert.

Wer also das Genre mag (von lieben mal nicht zu sprechen) oder mal gemocht hat, findet hier eine Sammlung kluger, aufgeklärter und liebevoller Artikel zum Thema!
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