Nach DMX machte Irv Gotti auch seinen nächsten Schützling Ja Rule mit dessen Debüt "Venni Vetti Vecci" über Nacht zum Star. Gleichzeitig war dies der Beginn des Erfolges der Murder Inc. Crew um die Jahrtausendwende, der zunächst mit der "The Murderers" Compilation, später mit Ja's zweitem Album "Rule 3:36" weiter ausgeschöpft wurde. Nachdem der Vorgänger ja durchgehend hart und düster war, orientierte man sich hier an den meisten anderen Def Jam Kollegen der damaligen Zeit und produzierte eine teils chartorientierte Scheibe, die Erfolge garantiert, was mit Platz 1 und mehrfach Platin bestätigt wurde. Auch wenn es hier etwas sanfter zur Sache geht, was die Produktionen angeht, zeigt sich der junge Ja Rule weiterhin aggressiv, aber auch der ein oder andere nachdenkliche Song ist dabei, was die Platte sehr abwechslungsreich gestaltet.
"Watching Me" ist fast wie eine Art Intro nach dem Intro. Nicht einmal 2 Minuten läuft der Song im Player, poltert hart und rockig aus den Boxen, dazu reimt Jeffrey Attkins, so sein bürgerlicher Name, in gewohnter Manier, mit rauer Stimme und riesigem Ego. Dem folgen mit "Between Me And You" (feat. Christina Milian) und "Put It On Me" (feat. Vita) zwei recht softe Lieder mit asiatischem Touch. Wo hingegen der erste äußerst kitschig, poppig und nervig wirkt, ist der zweitgenannte umso besser. Angenehm melodisch, richtig chillig und lange nicht so aufdringlich wie der Vorgänger, findet dieser Track schnell den Weg ins Gehör, Ja's gesungener Refrain, der ja ab da an zu einem seiner Erfolgsrezepte wurde, hört sich dank seiner tollen Stimme echt nice an und zeigt seine emotionale Seite. Den alten Murderer aus 1999 bekommt man mit "6 Feet Underground" wieder zu spüren. Hart, dunkel, bedrückend und kraftvoll wummert das Instrumental, dazu ein Ja Rule, der mal wieder ankündigt jeden platt zu machen, der sich ihm in den Weg stellt.
Eines der wohl besten Stücke dürfte "Love Me, Hate Me" sein. Es schlägt wieder die melodische Richtung ein, besticht mit einem Mix aus Violinen und Synthesizern Effekten, die das Ganze sehr rund und eingängig machen. Ja rappt über seinen Lifestyle, begeistert während der Strophen mit engagiertem Flow und erneut wunderbarem Gesangspart im Hook. Um nun natürlich nicht ganz auf die softe Schiene zu geraten geht es danach wieder etwas härter zur Sache, sehr angenehm, da so keine Eintönigkeit oder Langeweile aufkommt. "Die" (feat. Tah Murdah, Black Child & Dave Bing) bzw. "Fuck You" (feat. 01 & Vita) lassen schon mit ihren Titeln keine Zweifel aufkommen, was hier zu erwarten ist. Treibende Beats, eine dunkle Atmosphäre und alles andere als freundliche Texte sorgen dafür, dass man dem Namen Murder Inc. noch etwas Glaubhaftes abnehmen kann.
"Extasy" (feat. Tah Murdah, Black Child & Jayo Felony) orientiert sich am Clubsound, verbindet einen rhythmischen Beat mit Funk und Pop Elementen, groovt richtig nice und sollte jedem, der einem Mainstream mäßigeren Sound nicht komplett abgeneigt ist, zusagen. Ein weiterer Beleg für die verschiedenen Styles, die man auf "Rule 3:36" geboten bekommt, ist "It's Your Life". Diesmal bekommt der Hörer chillige Reggae Tunes auf die Ohren, die zusammen mit ein paar Trompeten für karibisches Sommer Flair sorgen, Ja singt und rappt erneut eher etwas kratzig, Feature Shade Sheist gibt dagegen den eleganten und lässigen Part mit seinem Vers. Ziemlich abenteuerliche, besser gesagt abwegige, Gedanken präsentiert Rule uns mit "One Of Us", bei dem er uns erzählt wie unschlagbar und mächtig er mit dem Herrn an seiner Seite wäre ("Cause Rule and the Lord got it going on...". Sicher weit hergeholt, trotzdem sehr interessant anzuhören, die perfekte musikalische Untermalung macht den Song dann auch noch zum echten Höhepunkt, bevor das Album mit dem ruhigen und nachdenklichen "The Rule Won't Die" ausklingt.
Abwechslungsreich, melodisch, dunkel, hart - "Rule 3:36" wird nicht langweilig! Mit Ausnahme von "Between Me And You" und "I Cry", die meiner Ansicht nach zu soft geworden sind, kann man sich die Scheibe wunderbar anhören, egal ob ruff oder eher chillig. Man merkt Ja Rule zwar an, dass diese Platte mehr in Richtung Charts zielt als noch der Vorgänger, dennoch kann man ihm wie den meisten anderen Def Jam Alben um 2000 sicher einiges abgewinnen. Insgesamt wohl sein zweitbestes Werk nach dem Debüt, daher allen Ja Rule Fans zu empfehlen und auch denen, die nicht unbedingt auf deepen Underground bestehen.