Inhalt
"Rote Erde"
Der Ruhrpott. Der "Goldene Westen". Man schreibt das Jahr 1887, die Gründerzeit. Der 15-jährige Bruno Kruska kommt aus Masuren ins Ruhrgebiet, um dort als Bergmann schnelles Geld zu verdienen. Gemeinsam mit Friedrich Boetzke, dem ortsältesten Hauer, dessen Sohn Karl und Otto Schablowski arbeitet er am Ausbau des Flözes "Morgensonne". Kurz bevor sie ihr Werk beenden können, streiken die Bergmänner. Nur Friedrich und Karl wollen weitermachen. Doch der Kaiser fürchtet eine gefährliche Ausweitung sozialdemokratischer Ideen...
"Die Pawlaks - Eine Geschichte aus dem Ruhrgebiet" (4 DVDs)
Man schreibt den Frühsommer des Jahres 1872. Gustav Bollkamp, Obersteiger auf der Zeche "Morgenrot" in Westfalen, reist nach Masuren, um mit verführerischen Versprechungen die Tagelöhner von den östlichen Feldern als Bergarbeiter in die westlichen Bergwerke zu locken. Von der Aussicht auf ein Paradies getrieben, macht sich auch die Familie Pawlak, die zu den zahllosen Tagelöhnerfamilien gehört und die von Ihrem Gutsherren nur ausgebeutet werden, auf den Weg ins Ruhrgebiet. Doch die Masuren werden von den Bergleuten mit Ablehnung empfangen. Die Handlung basiert auf dem Hintergrund der sozialen Kämpfe während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, nach dem im Ruhrgebiet ein wirtschaftlicher Boom und eine enorme Nachfrage nach Kohle einsetzte.
"Rote Erde II"
Die 4-teilige Fortsetzung von "Rote Erde" aus dem Jahr 1990 umfasst die Zeit von der Wirtschaftskrise bis zum Neuaufbau nach der totalen Zerstörung. Bindeglied zwischen der alten und der neuen Generation der Kruskas, Boetzkes und Schablowskis sind Bruno und Otto.Die Franzosen haben die Zeche "Siegfried" besetzt. Der gealterte Bergmann Bruno Kruska heilt in der Klinik seine Staublunge aus. Seine Tochter Fränzi arbeitet für die Franzosen, sein Sohn Max flirtet heftig mit Charlotte. Die Inflation wird immer schlimmer und treibt viele zur Verzweiflung. Die Roten und die Braunen prügeln sich auf den Straßen. Max sympathisiert mit den Nazis, sein Freund Jupp und ihr neuer Freund Richard stehen auf der Seite der Linken...
Bildbewertung:
Über die Geschichte und harte Arbeit der Bergarbeiter in den Zechen und über das Leben der Menschen im Ruhrgebiet erzählen die Filme dieser "Ruhrgebietstrilogie" mit und von den insgesamt elf DVDs, dieser durch "ARD-Video" und "EUROVIDEO" veröffentlichten "Ruhrgebiets-Box". Die mehr als sechsundzwanzig Stunden Gesamtlaufzeit von den DVDs dieser Veröffentlichung, zeichnen dabei ein Bild der politischen und geschichtlichen Entwicklung speziell über das Ruhrgebiet, beginnend im Frühsommer des Jahres 1872. Jener Zeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg, in dessen Folge für das Ruhrgebiet ein wirtschaftlicher Boom mit einer im Zuge der Industrialisierung einsetzenden starken Nachfrage nach Kohle den Anfang nahm. Im weiteren Verlauf wird über die Zeit ab 1887, nach dem großen Börsenkrach von 1873, und der Phase des wirtschaftlichen Neubeginns und Aufschwungs berichtet. Bis hinein in das zwanzigste Jahrhundert, mit einer erneuten Weltwirtschaftkrise und den politischen Wirrungen und den in ihrer diktatorischen kriegstreiberischen Politik auch im Ruhrgebiet immer stärker werdenden Nazis und ihrer braunen Brut. Spannende, hochkarätig umgesetzte und erzählte deutsche Geschichte mit einem in die Tiefe gehenden Blick auf das Ruhrgebiet und der Menschen in ihm.
Auf der "Ruhrgebiets-Box" findet sich auf fünf DVDs, der 1983 produzierte Neunteiler "Rote Erde", sowie auf zwei DVDs, der 1998 als Fortsetzung entstandene Vierteiler "Rote Erde II". Beide Produktionen wurden im Auftrag des WDR durch die "Bavaria" unter der Regie von Klaus Emmerich und nach den Büchern von Peter Stripp produziert. Ohne Zweifel kann die in "Rote Erde" verfilmte und gezeigte Geschichte über die Gründerzeit des als "Goldener Westen" gepriesenen Kohlenpotts als ein Stück deutscher Fernsehgeschichte und Glanzpunkt unter den TV-Ereignissen der letzten Jahrzehnte gewertet werden. Hier wird ohne Schönfärberei oder klischeebehafteter Darstellung das tatsächliche Leben der Menschen im Revier und die bewegende Polit-Historische Entwicklung selbigen gezeigt. Auch Dank der engen und der Verfilmung äußerst zuträglichen Zusammenarbeit von Filmemachern mit dem deutschen Bergbaumuseum Bochum und der Westfälischen Berggewerkschaftskasse, fühlt man sich beim Ansehen der Filme beinahe als sei man mittendrin und dabei und erlebt alles hautnah, in dieser mit einen Budget von mehr als fünfzehn Millionen dotierten und einem Staraufgebot verfilmten Produktion.
Im Neunteiler "Rote Erde" begleiten wir über einen Zeitraum von über dreißig Jahren "Bruno Kruska" (Claude-Oliver Rudolph), der als fünfzehnjähriger im Jahr 1887 seine Heimat in den Masuren verlässt, um als Bergarbeiter im Ruhrgebiet, dem "Goldenen Westen", sein Glück zu suchen. Schnell aber erkennt "Bruno Kruska", welch harter Kampf um das pure Überleben diese Arbeit ist. Die Rolle wurde von dem damals noch jungen Claude-Oliver Rudolph so überzeugend und lebensnah gespielt, dass er, für seine Darstellung mit dem Deutschen Darstellerpreis, als bester Nachwuchsschauspieler, geehrt wurde. Bis hinein in das Jahr 1919 erleben wir Brunos Weg vom illusionierten Jugendlichen, hin zum kämpferischen Sozialdemokrat.
Die 1990 erstmals gezeigte 4-teilige Fortsetzung "Rote Erde II" beginnt in ihrer erzählten Geschichte im Jahre 1920 und zeigt den gealterten Bergmann Bruno Kruska, dem nun seine Tochter Fränzi (Nina Petri) und sein Sohn Max (Hans Czypionka) und die immer stärker um sich greifende Inflation und die aufkommenden Nazis neue Sorgen bereiten.Bitter für den Bodenständigen, durch die harte Arbeit unter Tage und die ihm im Laufe seines Lebens zugefügten Ungerechtigkeiten und Schicksalsschläge zum bekennenden Linken geprägten Bruno Kruska ist es, als er erfahren muss, dass sein Sohn Max mit den Nazis sympathisiert. Auch "Rote Erde II" zeichnet wiederum ein beeindruckendes Bild jener Tage. Wobei die Fortsetzung sich auch als Bindeglied zwischen der ersten Generation der Bergarbeiter und der neuen Riege inmitten der Wirren und Entwicklungen der Zeit der Wirtschaftskrise bis hin zum Neuaufbau nach der totalen Zerstörung sieht.
Wenn auch die Fortsetzung, meiner Meinung nach, in ihrer erzählerischen Dichte und Komplexität nicht ganz mit den neun Episoden der ersten Reihe mithalten kann, so überzeugt sie dennoch mit ihren authentischen und geschichtsnahen ungeschönten Darstellungen jener Zeit. Als geradezu überwältigend und perfekt kann und muss für beide Produktionen die Liste der Darsteller erwähnt werden. Claude-Oliver Rudolph, Horst C. Beckmann, Vera Lippisch, Dominik Raacke, Ralf Richter sind nur einige der Namen, die allesamt ein authentisches und beeindruckendes Spiel in ihrer Darstellung der einzelnen Charaktere zeigen.
Mit der 12-teiligen, erstmals im September 1982 im deutschen Fernsehen zu sehenden Produktion "Die Pawlaks" findet sich eine weitere Geschichte aus und über das Ruhrgebiet auf weiteren vier DVDs dieser "Ruhrgebiets-Box". Geschichtlich und in ihrer Handlung angesiedelt im Frühsommer des Jahres 1872, geprägt von den Hintergründen und Auswirkungen der sozialen Kämpfe während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, zeigt diese Serie das Leben und Schicksal der Familie Pawlak. In ihrem bisherigen Leben nicht gerade vom Glück verwöhnt, glauben die masurischen Tagelöhner den Versprechungen des Obersteigers Gustav Bollkamp aus der Zeche "Morgenrot" und lassen sich in das vermeintliche Paradies, hin in das Ruhrgebiet locken. Dass sie dort als Streikbrecher von den dortigen Bergleuten mit Ablehnung empfangen werden, ahnen sie noch nicht, als sie sich auf den Weg, fort von ihren bisherigen Gutsherren, hin ins Ruhrgebiet nach Westfalen machen.
Nach dem Buch von Otto Jägersberg und unter der Regie von Wolfgang Staudte entstand 1982, im Auftrag und in Co-Produktion des ZDF und ORF, diese Produktion durch die "Windrose Hamburg" und "Oase Film". Neben der auch hier wiederum sehr stimmig erzählten und geschickt inszenierten Geschichte symbolisiert die Figur des anfangs eher aus persönlichen Beweggründen heraus handelnden "Karl" (Dietrich Adam) den Weg hin zu einem politisch aktiven Menschen, den politischen Wandel jener Zeit und den Beginn des Aufbegehrens des deutschen Proletariats. Hannes Kaetner als "Vater Pawlak" und Katharina Tüschen in der Rolle der "Mutter Pawlak" oder auch Johanna Hofer als "Großmutter Pawlak" und Eberhard Feik als "Rudolf Zwirner", verstehen es in ihren dargestellten Charakteren, wie auch die vielen anderen bestens und stimmig agierenden Darsteller, zu überzeugen und "Die Pawlaks" zu mehr wie nur einer TV-Serie neben vielen zu machen. "Die Pawlaks" sind ein Stück deutsche TV-Geschichte, die in ihrer Bedeutung für das Filmgenre über die deutsche Geschichte beispielgebend ist und sein wird.
Alle drei Produktionen mit ihrer Gesamtlaufzeit von 1595 Minuten präsentieren sich im Bildformat 4:3 Vollbild (1.33:1). Dabei können weder die "Rote Erde" noch "Rote Erde II" oder "Die Pawlaks", die mehr als zwanzig vergangenen Jahre seit ihrer Entstehung, leugnen.
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