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Ruhige Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
 
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Ruhige Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Lizzie Doron , Mirjam Pressler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 175 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (29. Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518458329
  • ISBN-13: 978-3518458327
  • Originaltitel: Jamim schel scheket
  • Größe und/oder Gewicht: 17,3 x 10,9 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 289.716 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Lizi Doron
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Nach Lizzie Dorons erfolgreichem Debüt Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen? besticht auch Ruhige Zeiten mit seinem warmherzigen Humor und seiner berührenden Melancholie. Leale ist Witwe und seit dreißig Jahren Maniküre im kleinen Friseursalon von Sajtschik, den sie liebt. In ihrem Tel Aviver Viertel leben überwiegend Menschen von »dort«, Überlebende der Shoah. Sie alle versuchen, ein neues Leben zu beginnen, soweit das eben möglich ist. Sajtschiks Friseursalon ist der Ort, an dem all jene, die sonst Zuflucht im Schweigen suchen, plötzlich zu erzählen beginnen. Die Gedenkstätte Yad Vashem hat den Roman mit dem Buchman- Preis ausgezeichnet.

Über den Autor

Lizzie Doron, geboren 1953, lebt in Tel Aviv. 2003 wurde ihr Roman Ruhige Zeiten mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeanette Schocken Preis - Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur. In der Begründung der Jury heißt es: »Lizzie Doron ist eine israelische Schriftstellerin, die jenen eine Stimme gibt, die sie selber nicht erheben, die jenen Raum verschafft, den sie sich selber nicht nehmen könnten. Sie schreibt über Menschen, die von ‚dort’ kommen, die den Holocaust überlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt – und stets ihre Würde wahrend. Mit großer Behutsamkeit nähert die Autorin sich ihren Figuren und mit großem Respekt wahrt sie Distanz.«

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dies ist die Geschichte von Leale, genannt Lea, einer Überlebenden der Shoah, die von Mordechai, einem Mitarbeiter der Jewish Agency nach dem Krieg in einem polnischen Waisenhaus entdeckt und nach Israel gebracht wird.
Nach dem Tod von Srulik, den sie als junges Mädchen heiratet und mit dem sie einen Sohn hat, wird sie Maniküre im Friseursalon von Sajtschik. Auch Sajtschik kommt „von dort“ und lebt mit Mordechai in einer versteckten homosexuellen Beziehung, die Lea aber nicht wahrhaben will.
Sie liebt Sajtschik über all die langen Jahre, die sie bei ihm arbeitet, und als auch er stirbt, erinnert sich Lea in einer langen Zeit der Trauer an „Menschen, an die sich niemand erinnern wird“ ( Widmung der Autorin).

Schon in ihrem ersten Buch „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ ist es Lizzie Doron gelungen, das Unaussprechliche in eine eigene Sprache zu fassen, das Schweigen hörbar zu machen und den Überlebenden der Shoah eine ganz eigene Würde zu geben.

In ihrem neuen Buch „Ruhige Zeiten“ lässt sie Lea in genau dem selben Tel Aviver Viertel leben, in dem auch ihre Mutter Helena aus dem ersten Buch ihr Leben verbracht hat. Die Rabbinerfrau Guta taucht wieder auf und auch „Frau Helena“ wird in einer kurzen Sequenz erwähnt.

Und sie lässt die Menschen sprechen, erzählen von ihrem Leben im neuen Land, von ihrem Kampf mit einem Gott, an den sie nicht mehr glauben können und dessen Rituale sie dennoch befolgen, von ihrem täglichen Kampf der Entscheidung zwischen Leben und Tod. Sie tut das mit einer wundervollen Sprache, die von Mirjam Pressler wie auch beim ersten Buch sehr sensibel ins Deutsche übertragen wurde.

In Sajtschiks Friseursalon passieren seltsame Dinge mit den Menschen.
„Im Friseursalon, hatte Sajtschik einmal zu mir gesagt, können die Tauben hören, die Blinden sehen und die Stummen sprechen.“

Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen Witz schildert Lizzie Doron den schwierigen Balanceakt von Überlebenden, trotz aller unaussprechlichen Erfahrungen sich den Herausforderungen und Zumutungen des Lebens und Weiterlebens zu stellen, und sich dabei gegenseitig zu stützen.

Ich habe auch dieses zweite Buch von Lizzie Doron mit großer innerer Erregung gelesen. Die Erschütterung , die es ausgelöst hat, wird lange anhalten. Bleiben wird aber auch eine genuine Form von Hoffnung, die diese beiden Bücher ausstrahlen, Hoffnung darauf, daß nichts und niemand den Kern der menschlichen Seele wirklich auslöschen kann.

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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schön und traurig 26. September 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch ist durchdrungen von Traurigkeit und Verlust, aber auch von dem Willen zu überleben. Es handelt von Menschen, die den Krieg überlebt haben und nun in einem Viertel in Tel Aviv ein neues Leben begonnen haben. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal und ist mehr oder weniger allein in seiner Einsamkeit. Und doch begegnen sie einander und nehmen Anteil, möglichst ohne Fragen zu stellen, die jedem unangenehm sind. Die Protagonistin Leale wächst einem gleich ans Herz mit ihrer warmherzigen und doch auch sehr naiven Sicht auf die Dinge. Ein schönes Buch, wenn man sich mit dem "danach" des Holocaust beschäftigen möchte. Was aus den Menschen geworden ist, die das überlebt haben, die ihre Angehörigen vermissen, die traumatisiert sind. Man nimmt teil an ihrem Alltag, so wie sie versuchen damit fertig zu werden. Horror-Szenarien aus Krieg und KZ werden nur vereinzelt in den Erzählungen der Menschen angedeutet und werden nicht zum Hauptthema des Buches gemacht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Im Zentrum dieser Geschichte steht die Ich-Erzählerin Lea, von allen seit ihrer Jungmädchenzeit liebevoll Leale genannt.

Ihr Mann ist früh verstorben, so dass sie ihren einzigen Sohn alleine erziehen musste.

Lea ist eine einfache Frau, die völlig zurückgezogen in ihrem Stadtteil lebt, ohne vom Leben außerhalb ihrer engen Welt viel zu wissen. Seit dem Tod ihres Mannes arbeitet sie als Maniküre im Salon des Friseurs Sajtschik, eines fröhlichen und gütigen Menschen, der von allen im Viertel für seine menschenfreundliche Art geschätzt wird.

Lea ist in Sajtschik verliebt, betrachtet sich insgeheim als seine Frau, ohne ihm jedoch jemals diese Liebe gestanden zu haben. Auch viele andere Dinge in Leas Leben bleiben unausgesprochen. Nie konnte sie verwinden, dass ihr Sohn nach Amerika ausgewandert ist, um dort eine moderne Amerikanerin zu heiraten, die von Lea zutiefst abgelehnt und für die Trennung von ihrem Sohn verantwortlich gemacht wird. Aber sie kann diese Umstände nicht ändern, träumt und wünscht sich daher beständig ein schöneres Leben herbei. Einzig ihrer mütterlichen Freundin Rosa kann sie sich anvertrauen, von ihr erhält sie Rat und Unterstützung.

Das Leben der Protagonistin ist geprägt durch den Alltag der Nachbarn und Kunden im Frisiersalon mit den normalen Wechselfällen des Lebens, den Freundschaften, Feindschaften, Krankheiten, Geburten und Todesfällen. Auf diese Weise vergehen äußerlich ruhige, gleichförmige Jahre, in denen selten etwas Außergewöhnliches geschieht.

Insgesamt klingt dies nicht nach etwas Besonderem, sondern nach einer zwar traurigen, aber nicht so seltenen Geschichte. Dennoch ist dies keine alltägliche Geschichte. Das Besondere ist: Die Stadt ist Tel Aviv und die Erzählerin sowie fast alle Menschen um sie herum sind Überlebende der Shoah! Alle sind zutiefst gezeichnet von diesem unfassbaren Verbrechen, das sie geprägt hat und den Alltag immer mitbestimmt. (Die Protagonistin selbst ist der Vernichtung in einem Erdloch versteckt entkommen!)

Als nach dreißig Jahren dieses Lebens Sajtschik stirbt, erscheint Lea ihr eigenes Leben sinnlos. Sie beschließt, sich von allen Menschen zurückzuziehen um "auf den Todesengel zu warten".

Von den Nachbarinnen alarmiert reist der Sohn aus Amerika an. Bei seinem Anblick schöpft sie neue Hoffnung, bedrängt ihn allerdings sofort wieder mit ihren Bitten, sich von seiner Frau zu trennen, zu ihr ins Viertel zurückzukehren und sich hier eine "richtige" Frau zu suchen. Der Sohn reagiert verstört und aufgebracht und hält seiner Mutter all` ihre Lebenslügen vor, mit denen sie sich ihr ganzes Leben hindurch die Realität verstellt hat, insbesondere die ihrer Beziehung zu Sajtschik: Dieser ist homosexuell, jeder im Stadtteil weiß davon, nur Lea ignoriert dies hartnäckig, will auch ihrem Sohn nicht glauben. Es gelingt beiden nicht, die gegenseitigen Verletzungen und angestaute Entfremdung zu überwinden, so dass der Sohn unverrichteter Dinge nach Amerika zurück fliegt.

Lea bleibt allein und beschließt ihre Wohnung nicht mehr zu verlassen...

Der Autorin gelingt in diesem Roman ein schwieriger Balanceakt: Sie schildert das eigentlich unbeschreibliche Verbrechen der Shoah in vielen anrührenden Geschichten und Anekdoten, die das Leid der Überlebenden fühlbar macht. (Unentrinnbar die Geschichte, in der ein Vater, kurz bevor er und seine ganze Familie erschossen werden sollen, seiner kleinen Tochter liebevoll erklärt, warum zuerst ihr Pferd erschossen wurde: Um sie dann am Tor zum Paradies zu erwarten!)

Gleichzeitig ist der Roman niemals vordergründig rührselig oder anklagend. Dies erreicht die Autorin dadurch, dass die Protagonistin keine entrückte, nur durch die Opferrolle charakterisierte "Über-Frau" ist, sondern eine Frau mit Fehlern, Schwächen und durchaus auch unsympathischen Zügen. Diese "Normalität" lässt ihre Geschichte und die Erlebnisse der Nachbarn umso unfassbarer und eindrücklicher werden.

Ein trauriges, wichtiges Buch, das sicher schon allein aufgrund seines Inhaltes eine Wirkung erzielen würde. Lizzie Doron ist es darüber hinaus gelungen, dies auch noch erzählerisch gekonnt umzusetzen.

Meine Hochachtung vor dieser Leistung.

Eine klare Leseempfehlung für Menschen, die wissen, wovon dieser Roman handelt und bereit sind, sich in eine solche Geschichte einzufühlen.
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