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Ruhelos [Taschenbuch]

William Boyd , Chris Hirte
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (49 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Der Verlag über das Buch

Oxford, 1976. Ganz England stöhnt über die Hitze, doch Ruth Gilmartin ist vor allem um ihre Mutter besorgt: Ständig beobachtet Sally den Wald hinter ihrem Garten, das Telefon beantwortet sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie - obwohl unversehrt - nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet sie ihrer Tochter, dass jemand sie töten wolle. Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie habe im Krieg als Spionin gearbeitet. Paris, 1939. Eva, eine schöne russische Emigrantin, wird von dem geheimnisvollen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Sie soll die Arbeit ihres geliebten Bruders Kolja, der von den Nazis ermordet wurde, weiterführen. Unter Romers Anleitung wird sie zur perfekten Spionin ausgebildet, die schnell lernt, sich zu verstellen und - niemandem zu trauen. Ruhelos ist ein Spionageroman und literarisches Meisterwerk. Es vereint die emotionale Intensität eines Ian McEwan mit der Spannung eines John le Carré. William Boyd stellt die zutiefst beunruhigende Frage, wie gut wir einen Menschen jemals kennen können, und verwickelt den Leser in ein durchtrieben-doppelbödiges Spiel. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

William Boyd, 1952 in Ghana geboren, gehört zu den überragenden europäischen Erzählern unserer Zeit. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher und wurde vielfach ausgezeichnet. Im Berlin Verlag erschienen zuletzt »Ruhelos« (2007), »Einfache Gewitter« (2009), »Nat Tate« (2010) und »Eine große Zeit« (2012). William Boyd lebt mit seiner Frau in London und Südfrankreich.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Leseprobe
»Eva steckte die neuen Pässe in ihre Handtasche, und zum ersten Mal verspürte sie eine schleichende Angst, die ihr den Rücken hinaufkroch. Verfolgungsjagden in Edinburgh mochten ja noch angehen; aber das, womit sich Romers Einheit befasste, war eindeutig mit Gefahren verbunden. Sie ließ ihre Handtasche zuschnappen.
»Sind Sie befugt, mir mehr über Ihre Einheit zu erzählen?«
»O ja. Ein wenig. Sie heißt AAS«, sagte er. »Fast schon ein bisschen peinlich, diese Abkürzung, ich weiß. Aber sie steht für Assekuranz- und Abrechnungsservice.«
»Wie langweilig.«
»Genau.«

Und plötzlich wusste sie, dass sie Romer mochte -- seine Art von Cleverness, seine Art, alles zu durchschauen. Er bestellte sich einen Brandy. Eva wollte nichts.
»Ich gebe Ihnen noch einen Rat«, sagte er. »Und das werde ich auch in Zukunft tun -- Ihnen von Zeit zu Zeit Tipps geben. Die sollten Sie beherzigen.«
Schon fand sie ihn wieder unsympathisch: Diese Selbstgefälligkeit, diese amour propre, das ging ihr manchmal einfach zu weit. Ich bin allen haushoch überlegen und hab es nur mit armseligen Trotteln zu tun.
»Suchen Sie sich einen sicheren Unterschlupf. Wo auch immer. Überall, wo Sie sich für eine gewisse Zeit aufhalten, brauchen Sie Ihren persönlichen Zufluchtsort. Den dürfen Sie nicht mir, den dürfen Sie keinem verraten. Einfach ein Ort, zu dem Sie immer Zugang haben, wo Sie anonym bleiben, wo Sie sich, wenn nötig, verstecken können.«
»Romers Regeln«, sagte sie. »Haben Sie noch mehr davon?«
»Oh, jede Menge«, erwiderte er, ohne auf ihre Ironie einzugehen, »aber da wir schon beim Thema sind, nenne ich Ihnen die wichtigste Regel, Regel Nummer eins, die man nie vergessen darf.«
»Welche wäre?«

»Traue niemandem«, sagte er ohne jedes Pathos, eher mit einer beiläufigen Gewissheit, als würde er sagen: Heute ist Freitag.
»Trauen Sie niemandem. Niemals«, wiederholte er, nahm eine Zigarette heraus und zündete sie an, nachdenklich, mit einem Gesicht, als wäre er von seinem eigenen Scharfsinn überrascht.
»Vielleicht ist das die einzige Regel, die Sie brauchen. Vielleicht sind die anderen, die ich Ihnen noch nennen werde, nur Varianten dieser einen. Die Regel der Regeln. Trauen Sie keinem, nicht mal dem Menschen, dem Sie am allermeisten trauen würden. Der Verdacht, das Misstrauen muss immer bleiben.« Er lächelte, aber es war nicht sein warmes Lächeln. »Dann sind Sie immer auf der sicheren Seite.«

»Ich werd's mir merken.« Seinen restlichen Brandy kippte er mit einem Schluck. Er trank viel -- das war ihr bei den wenigen Treffen schon aufgefallen. »Dann sehen wir mal zu, wie wir Sie zurück nach Lyne bekommen«, sagte er und verlangte die Rechnung. An der Tür gaben sie sich die Hand. Sie könne ganz bequem mit dem Bus fahren, sagte Eva. Sie hatte den Eindruck, dass er sie intensiver musterte als sonst, und ihr fiel ein, dass sie ihr Haar gelöst hatte -- wahrscheinlich hat er mich nie mit offenem Haar gesehen, dachte sie.

»Ja ... Eva Delektorskaja«, sagte er versonnen, als wäre er mit den Gedanken woanders. »Wer hätte das gedacht.« Er machte eine Handbewegung, wie um ihr auf die Schulter zu klopfen, dann entschied er sich anders. »Alle sind sehr beeindruckt von Ihnen. Wirklich.« Er blickte in den Nachmittagshimmel, wo sich bedrohliche graue Wolkentürme zusammenschoben. »Nächsten Monat gibt's Krieg«, sagte er im gleichen beiläufigen Ton, »oder übernächsten. Der große europäische Krieg.« Er lächelte ihr zu. »Wir werden das Unsere tun. Keine Sorge.«
»Im Assekuranz- und Abrechnungsservice.«

»Ja ... Waren Sie schon mal in Belgien?«, fragte er unvermittelt.
»Ja. Einmal in Brüssel. Warum?«
»Eskönnte Ihnen dort gefallen. Bye, Eva.« Er hob die Hand, halb salutierend, halb winkend, und schlenderte davon. Eva hörte ihn pfeifen. Sie drehte sich um und ging gedankenverloren zum Busbahnhof. Wenig später, als sie auf den Bus nach Galashiels wartete, ertappte sie sich dabei, dass sie alle, die in dem kleinen Warteraum saßen, Männer, Frauen, ein paar Kinder, einer Einschätzung unterzog. Sie musterte, verglich, ordnete ein. Und sie dachte: Wenn ihr nur wüsstet, wer ich bin und was ich hier mache. Mit einem Schreck kam es ihr zu Bewusstsein, und beinahe hätte sie aufgeschrien, denn plötzlich war ihr klar, dass sie sich tatsächlich geändert hatte, dass sie die Welt mit anderen Augen sah. Als hätten sich die Nervenbahnen in ihrem Gehirn neu verschaltet, und sie wusste nun, dass ihr Lunch mit Romer das Ende ihrer alten Existenz und den Beginn einer neuen markierte.

Jetzt begriff sie mit fast enttäuschender Klarheit, dass die Welt und die Menschen für einen Spion nicht dasselbe waren wie für andere Menschen. Mit einem kleinen Schock -- und auch, das musste sie zugeben, mit einer gewissen Erregung -- stellte sie in diesem Edinburgher Warteraum fest, dass sie ihre Umgebung mit den Augen eines Spions betrachtete. Sie dachte an Romers Worte, an die Regel aller Regeln. War dies das besondere, das einzigartige Schicksal des Spions? In einer Welt ohne Vertrauen zu leben? Würde sie jemals wieder fähig sein, einem Menschen zu vertrauen?« -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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