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Ruhelos. Sonderausgabe [Gebundene Ausgabe]

William Boyd , Chris Hirte
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag; Auflage: 1., Aufl. (1. Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827006929
  • ISBN-13: 978-3827006929
  • Originaltitel: Restless
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,2 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (40 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 64.466 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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William Boyd
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Was geschieht, wenn alles, was man über seine Mutter zu wissen glaubte, sich plötzlich als Trugbild erweist? In dem langen heißen Sommer 1976 erfährt Ruth Gilmartin, dass ihre Mutter Sally in Wirklichkeit Eva Delektorskaja, eine russische Emigrantin und ehemalige Spionin, ist.

Der Verlag über das Buch

Oxford, 1976. Ganz England stöhnt über die Hitze, doch Ruth Gilmartin ist vor allem um ihre Mutter besorgt: Ständig beobachtet Sally den Wald hinter ihrem Garten, das Telefon beantwortet sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie - obwohl unversehrt - nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet sie ihrer Tochter, dass jemand sie töten wolle. Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie habe im Krieg als Spionin gearbeitet. Paris, 1939. Eva, eine schöne russische Emigrantin, wird von dem geheimnisvollen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Sie soll die Arbeit ihres geliebten Bruders Kolja, der von den Nazis ermordet wurde, weiterführen. Unter Romers Anleitung wird sie zur perfekten Spionin ausgebildet, die schnell lernt, sich zu verstellen und - niemandem zu trauen. Ruhelos ist ein Spionageroman und literarisches Meisterwerk. Es vereint die emotionale Intensität eines Ian McEwan mit der Spannung eines John le Carré. William Boyd stellt die zutiefst beunruhigende Frage, wie gut wir einen Menschen jemals kennen können, und verwickelt den Leser in ein durchtrieben-doppelbödiges Spiel.

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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die Ruh' ist hin..., 8. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos. Sonderausgabe (Gebundene Ausgabe)
Ruth Gilmartin, die zusammen mit ihrem kleinen Sohn im beschaulichen Oxford lebt und Erwachsenen Englisch beibringt, glaubt sich im falschen Film: Aus heiterem Himmel rückt ihre Mutter mit der Mitteilung heraus, in Wirklichkeit Eva Delektorskaja zu heißen, eigentlich gebürtige Russin und naturalisierte Französin zu sein, und während des Zweiten Weltkrieges Geheimagentin in britischen Diensten gewesen zu sein. Und nun, im Sommer 1976, fürchte sie um ihr Leben... Akute Paranoia und Hitzschlag scheiden als Erklärungen aus. Ruth liest kapitelweise Sally Gilmartins resp. Eva Delektorskajas Lebensbeichte, und unmerklich sickert die Spionage-immanente chronische Paranoia auch in ihr Leben. Sie erfährt mit jeder neuen Lieferung ihrer Mutter mehr über das Leben einer Spionin im allgemeinen und das ihrer Mutter im besonderen -- vor allem gewähren ihr deren Aufzeichnungen detaillierte Einblicke in die Folgen, die sich aus den besonderen Lebensumständen für die Einzelnen ergeben: Stetes Misstrauen als unverzichtbares Lebenselexier ("Was denkt er, dass ich denke, dass er glaubt, dass ich denke...") gehört ebenso dazu wie die daraus resultierende Unmöglichkeit menschlicher Bindungen; sogar die Wahrnehmung unterscheidet sich von der eines "normalen" Menschen. Die Frage nach der eigenen Identität stellt sich auf vielen Ebenen, und Skeptikern sei's gesagt: Das leicht abschätzig belächelte Genre des Spionage-Thrillers kann diesen Themenkomplex erfolgreich schultern.

Ruths Mutter Eva Delektorskaja gehörte unter verschiedenen Namen während des Krieges zu einer Einheit, die geschickt Falschmeldungen in den amerikanischen Medien lancierte, um so die USA endlich zum Kriegseintritt zu bewegen: Zunächst von Belgien aus, dann in England, schließlich direkt in den USA. Das liest sich weitaus spannender, als man glauben möchte, denn dass das eigene Leben immer in Gefahr ist, wird Eva schnell klar. William Boyd breitet keine verklärende Romantik über das Spionage-Gewerbe, sondern zeigt es als das knallharte Geschäft, in dem jedes Mittel recht ist -- wirklich JEDES Mittel.

Den Kapiteln, die sich mit den Umtrieben der verschiedenen Geheimdienste zwischen 1938 und 1942 befassen, merkt man William Boyds solide Recherche an. Die Täuschungsmanöver, Intrigen und Doppelspiele des BSC (British Security Coordination) beruhen auf Tatsachen, die erst allmählich ans Licht kommen, und die betreffenden Kapitel von "Ruhelos" sind geschickt aufgebaut.

Aber es geht hier nicht nur um das Doppel- und Dreifachspiel von Agenten und Geheimdiensten, in dem weder Ruhepausen noch Atemholen möglich sind; und es geht auch nicht nur um treffsichere Seitenhiebe auf All- und Ohnmacht der Medien: Es scheint mir nämlich kein Zufall, dass sich in letzter Zeit gleich zwei namhafte Autoren der Zeitspanne kurz vor Kriegseintritt der Amerikaner annehmen und darin die Rolle der damals recht zahlen- und zahlungskräftigen Nazi-Sympathisanten thematisieren (Naja; "namhaft" ist bei Philip Roth leicht untertrieben).

So oder so: Der psychologische Unterbau von "Ruhelos" ist gut in eine tatsächlich ruhelose Spionagehandlung integriert, und der in der Vergangenheit angesiedelte Teil des Romans ist ein solider Spionage-Thriller, der mit allen Dubiositäten des Genres sein souveränes Spiel treibt. Obwohl einen die eigene Le-Carré-Lesegeschichte scheinbar schneller auf den Trichter kommen lässt als die Protagonistin, und obwohl man sich gelegentlich fragt, wieso sie XY nicht schon eher auf die Schliche kommt -- die Auflösung am Ende birgt doch noch genug Überraschungen, und das Gute ist, dass man bis zum Schluss durchhält und diese Auflösung wissen will.

Was hingegen den zweiten Handlungsstrang von "Ruhelos" angeht, also die 1976er Gegenwart von Evas Tochter Ruth: Hier herrscht eher Rat- als Rastlosigkeit; Boyd rührt einen Sturm im Wasserglas an, auch wenn ich diesen Kontrapunkt der eigentlichen Romanhandlung nicht ganz abwatschen will (Schließlich haben nicht nur die absurden Erlebnisse der Lehrbuch-Familie Amberson einen gewissen Reiz).

Irgendwann ist Ruth nämlich angesteckt von dem Misstrauen, das die Manuskripte ihrer Mutter durchweht: Wir schreiben das Jahr 1976, und da ist ein dubioser Schwager aus Deutschland samt seiner Freundin ebenso assoziationsbeladen wie ein iranischer Ingenieur mit seinen Liebesschwüren -- Umsturzangst allerorten. Dieser zweite Handlungsstrang wirkt auf mich etwas hanebüchen, zu dick aufgetragen -- und das Gegengift zarter Ironie wird mit ihm nicht fertig. Zwar kann man das Geschehen durchaus als Seitenhieb auf die Kluft zwischen Schein und Sein auffassen, wenn man auch hier die Rolle der Medien im Hinterkopf behält -- aber das ist alles ein wenig konfus, weit hergeholt und nicht immer glaubwürdig. Dennoch spielt Boyd auch hier mit dem Vorwissen seiner Leser, und auch diese Handlungsebene ist ständig von einem Hauch diffuser Bedrohung durchweht. Nur stringenter könnten sie sein, diese Teile des Romans. Stringenter -- und kürzer!

Trotz einiger unübersehbarer Schwächen: "Ruhelos" entwickelt eine Sogwirkung auf den Leser, um dessen Ruhe es schon nach den ersten Seiten geschehen ist. Die Geschichte wird geradlinig erzählt, legt unmerklich immer mehr an Spannung zu und bleibt auch dann noch spannend, wenn man weiß, wer der Verräter in den eigenen Reihen war: Die niemals endende Unruhe der Eva Delektorskaja überträgt sich auf den faszinierten, wehrlosen Leser.
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Literatur kann so spannend sein - hohes Suchtpotential!, 4. Juli 2007
Von 
Tom Kadi (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos. Sonderausgabe (Gebundene Ausgabe)
In einer der berühmtesten maghrebinischen Geschichten stellt der Vater sein Söhnchen auf einen Schrank, breitet die Arme aus und fordert es auf zu springen. Das Kind zögert. Der Vater lockt - Ich fange Dich auf, ich bin doch Dein Vater! Der Sohn gibt sich einen Ruck, derVater geht zur Seite und läßt ihn schmerzhaft mit der Stirn auf den Boden prallen. Anschließend sagt er zu seinem Kind: "Das lass Dir eine Lehre sein. Trau keinem Menschen, nicht einmal Deinem eigenen Vater."

Aus diesem Prinzip ziehen alle Spionageromane ihre Spannung. Insoweit sind sie ein wenig vorhersehbar. Doch ihr Reiz liegt nicht nur in der Auflösung einer meist äußert verwickelten Intrige von Spionage und Gegenspionage, durch die die handelnden Akteure meist auch nicht mehr durchblicken, sondern in der Darstellung des historischen und politischen Hintergrunds. Dies ist William Boyd meisterhaft gelungen. Díe Geschichte spielt auf zwei zeitlichen Ebenen - den Jahren von 1939 bis zum Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg und auf einer persönlicheren Schiene den Monaten des Jahres 1976, in denen die Icherzählerin erfährt, dass ihre Mutter - eine Halbrussin - vor mehr als 20 Jahren aktiv als Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes in die Aktionen einbezogen war, die USA zur Aufgabe ihrer Neutralitätspolitik zu bewegen. Mehr von der Handlung zu erzählen, wäre gemein. Nur soviel: Alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, haben Glück. Denn Sie haben einen spannendes, gut erzähltes, dabei literarisch hochsehendes Lesevergnügen noch vor sich! Sie sollten mögllichst auch bei Beginn der Lektüre einen freien Tag vor sich haben. Denn es ist nahezu unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen!

P.S. Eric Ambler ein Großmeister des Spionageromans, an dessen Bücher dieser Roman erinnert, wird bei Diogenes verlegt. Dort befinden sich seine Werke zum Teil auf der Liste der am schlechtesten verkauften Bücher des Verlages. Haben die Menschen, die jetzt Boyd in die Bestsellerlisten katapultiert haben - durchaus zu Recht! - Ambler alle schon gelesen oder haben sie diesen Autor bisher übersehen?
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Vertraue niemandem...... ! (Hörbuch-Rezension), 1. Oktober 2007
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Audio CD)
England im Sommer 1976. Ruth Gilmartin lebt mit ihrem Sohn als Englischlehrerin in Oxford. Regelmäßig besucht sie ihre Mutter Sally, die zurückgezogen einige Kilometer ausserhalb in einem kleinen Dorf lebt. Doch zusehends benimmt die rüstige ältere Dame sich merkwürdig: Der nahe Waldrand wird mit dem Feldstecher beobachtet und eines Tages sitzt sie - obwohl kerngesund - im Rollstuhl und will zum Einkaufen geschoben werden. Ist das schon das Alter ?

Die Antwort erhält Ruth nur wenig später, als sie von ihrer Mutter ein Dossier mit dem ersten Teil ihrer Lebensgeschichte überreicht bekommt; was sie dort liest, verwirrt sie zutiefst: Ihre Mutter, die sie zu kennen glaubte wie kaum einen zweiten Menschen auf der Welt, heisst in Warheit Eva Delektorskaja und war im Zweiten Weltkrieg als Spionin für England in Belgien, Frankreich und den USA im Einsatz.

Und was lange vorüber scheint, ist noch immer nicht wirklich Geschichte - die Vergangenheit wirft lange Schatten.

Mit jedem neuen Dossier taucht Ruth tiefer in die Geschehnisse zwischen 1939 und 1941 ein, und langsam durchsetzt das Gift des Misstrauens, das das Leben ihrer Mutter bestimmte, auch ihren Alltag: Was steckt hinter dem plötzlichen Auftauchen Ludgers, dem Bruder ihres früheren Lebensgefährten, der offenbar mit den radikalen Kreisen der RAF in Deutschland sympathisiert? Welche Rolle spielt Hamid, ihr arabischer Sprachschüler ? Nichts scheint mehr sicher und verlässlich.

Martina Gedeck leiht beiden Frauen in dieser Geschichte ihre Stimme - der Autobiographin Sally und der Erzählerin Ruth. Sie versteht es brillant, in allen Stimmungen den richtigen Ton zu treffen; die Unsicherheit Ruths, ihr Erstaunen und Unglauben angesichts der Enthüllungen ihrer Mutter, ebenso, wie der Kälte, Berechnung aber auch Todesangst von Sally während ihrer Missionen in den 40er Jahren.

Tiefgründige und spannende Unterhaltung.
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