Wir denken, dass unsere Gedanken völlig normal sind, schliesslich kennen wir ja nichts anderes. Ein Gedanke reiht sich an den andern, ständig halten sie uns auf Trab. Und wir haben uns so sehr an sie gewöhnt, dass wir kaum mehr merken, wie uns geschieht. Genau in diese Wunde legt Andreas Knuf mit seinem klugen Buch den Finger. Wir denken viel zu viel und erreichen damit viel zu wenig. Unsere ständigen Gedanken schaffen in 95% aller Fälle mehr Unruhe statt dass sie uns wirklich nützlich sind. Natürlich haben einige von ihnen auch ihr Gutes, denn ohne sie könnten Sie beispielsweise dieses Buch nicht lesen, von dem wir hier reden. Aber die allermeisten unserer Gedanken drehen sich eben um sich selbst, laufen ins Leere oder beschäftigen sich mit Mutmassungen oder Vorurteilen. (Wie Andreas Knuf in seinem Buch schreibt, sollen es jeden Tag an die 80'000 Gedanken sein, die uns durch den Kopf gehen oder uns in Beschlag nehmen!)
Ich selber komme vom Zen und von der Meditation her, aber der Ansatz ist derselbe: Es sind unsere verwirrenden Gedanken, die einer tieferen Einsicht und grösserer Erkenntnis im Wege stehen. Wenn wir uns in Meditation üben, erkennen wir eines Tages, dass unser Geist ohne die störenden Gedanken völlig klar und weise ist. In diesem Zustand wird das Leben viel einfacher und gleichzeitig bereichernder.
Andreas Knuf schreibt sehr einfach und verständlich - das Buch ist also vor allem auch für jemanden, der sich zum ersten Mal mit diesem Thema befasst sehr geeignet. Andreas Knauf bezieht uns auch auf sympathische Weise in seine Überlegungen ein und hinterlässt ein Gefühl von "Hey, so geht es uns doch allen" - er lässt also keine Form von Besserwisserei aufkommen. Die ersten vier Kapitel machen uns klar, wie unsere Gedanken agieren und mit uns mehrheitlich machen, was sie wollen. In Kapitel 5 und 6 macht er Vorschläge, wie wir diesem Gedankensog langsam entkommen können. (Achtsamkeit, nicht wertendes Beobachten, Atem usw. - die klassischen Methoden der Meditation.)
Wer sich und seinen Gedanken also ein wenig auf die Schliche kommen möchte, für den kann dies ein wichtiges Buch sein.
Nur nach dem Lesen dann nicht zu viel darüber nachdenken. Sondern üben.
Dann ist Erstaunliches möglich.
Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten" und "Das Wesentliche so nah"...