Biologe Tom und seine Lebensgefährtin Anne-Marie haben sich ein Tigerkätzchen zugelegt, Noch ist das Tierchen namenlos. Auf Anne-Maries Frage, wie die Kleine denn heißen solle, antwortet zur allseitigen Überraschung die Nachrichtensprecherin: "Lila". Zwar spricht die Dame im Fernsehen über eine Präsentation der kommenden Herbstmode, aber der Name gefällt dem Paar. Und im Prinzip ist es ja auch egal, wie man eine Katze ruft. Sie kommt sowieso nicht.
Klein-Lila entpuppt sich als kreatives Temperamentsbündel und macht bald das ganze Dorf unsicher. Und sie bringt Mäuse, Ratten und anderes Getier nach Hause. Toms gut gemeinte Versuche, die leicht lädierten Beutetiere zu retten, verschlimmern oft das Chaos noch. So sperrt er eine Fledermaus ins Schlafzimmer und reißt das Fenster auf, damit das Flattertier ins Freie findet. Was er nicht bedacht hat: Zwergfledermäuse sind sehr soziale Tiere ... und diese hier ruft ihre ganze Mischpoke zu Hilfe!
In einem noch größeren Tohuwabohu endet der Versuch, Lila bei ihren Streifzügen mittels eines Senderhalsbands zu orten. Der Kollege, der Tom das Ding geliehen hat, tut gut daran, um sein Leben zu rennen! Also kommt bei Lilas nächstem Verschwinden wieder eine herkömmliche Suchanzeige mit Belohnung zum Einsatz. Und die löst eine wahre Flutwelle an Hilfsbereitschaft aus!
Tom hält seine erfinderische Lila natürlich für die intelligenteste Katze Oberbayerns. Doch sein Kollege Sebastian, der die Tigerkätzin am Institut für Verhaltensforschung untersucht, kommt leider zu einem anderen Ergebnis: Doof wie Bohnenstroh soll sie sein! Tom ist beleidigt und zweifelt, genau wie der Leser, an der wissenschaftlichen Korrektheit der Experimente. Eines ist sicher: Wenn das Institut getestet hätte, wie gut Lila ein Durcheinander verursachen kann, würde man sie jetzt als Wunder der Natur feiern!
Da sich merkwürdigerweise niemand findet, der in Abwesenheit des Paares auf Lila aufpassen will, muss die Katze mit in den Urlaub. Also reist das Chaos immer mit Tom und Anne-Marie, ob sie nun in Afrika weilen oder in den Karpaten. Dabei kommt es zu tierischen Begegnungen mit Affen, Wölfen und Bären und anderen Zwischenfällen, auf die die beiden gut und gern hätten verzichten können.
Nichts bleibt ihnen erspart! Weil Lila anscheinend durch Wände gehen kann und in der Lage ist, sich gleichzeitig im Haus und im Garten aufzuhalten, zitieren Toms Nachbarn gleich mehrere Parapsychologen herbei. Doch Lila hat mit diesem esoterischen Unfug genauso wenig am Hut wie ihre rational denkenden Menschen. Wasserader hin, Polstergeist her: Die Meister des Hokuspokus werden sich, genau wie alle Katzenhalter dieser Welt, mit der Erkenntnis zufrieden geben müssen, dass Katzen so etwas einfach können.
Mit Lila erleben Tom und Anne-Marie noch öfter ihr blaues Wunder. Unter anderem versucht sie sich als Filmkatze und jagt sogar ein ausgewachsenes Pferd in die Flucht. Womöglich hat sie mit all ihren Missetaten gar den leibhaftigen Teufel aus der Unterwelt gelockt!
Sollte Tom Tarek bei der Schilderung seiner Erlebnisse etwa übertreiben? Als Mensch mit sehr viel Katzenerfahrung versichert Ihnen die Rezensentin: allenfalls ein klitzekleines bisschen. ;-)
Der Autor, ein Biologe wie der menschliche Held in seinem Buch, weiß nicht nur, wovon er schreibt - er weiß auch, wie man professionell, locker und witzig Geschichten erzählt. Wer gerne über die lustigen und chaotischen Erlebnisse anderer Katzenfreunde schmunzelt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer bei besonders komischen Stellen zum lauten Loslachen neigt, sollte die Geschichten vielleicht lieber im stillen Kämmerlein lesen und nicht gerade in der Bahn ...