Paprika Kramer lebt in Berlin in einer 4000 ¤ Wohnung, die sie sich leisten kann, weil sie eine erfolgreiche Werbeagentur leitet, was für sie ein großes Maß an Freiheit bedeutet. Ansonsten schottet sie sich beinahe hermetisch von ihrer Umwelt ab, andere Menschen beunruhigen sie, weidlich pflegt sie ihre Neurosen, Umgang hat sie nur mit zwei Freunden, einem nach dem sexuellen Kick suchenden de Sade-Verehrer und einem weltfremden Musiker, ansonsten beobachtet sie hämisch den Kulturverfall und amüsiert sich damit, besonders schreckliche Schlagzeilen der BILD an ihren Kühlschrank zu pinnen. Der absolute Gipfelpunkt kulturellen Schreckens sind für sie aber sächselnde Broiler, die Ossis, welche nach dem Fall der Mauer im Westen eingefallen sind.
Paprikas Alltag wird von der Autorin mit großer ironischer Detailverliebtheit beschrieben, so etwa, wenn Paprika im Kino einem störenden Popkornfresser ihre Walther an die Schläfe hält und ihn so zur Ruhe zwingt. Sehr schnell wird allerdings auch deutlich, dass Paprika alles andere als lebenstüchtig ist, sie hat sich in ihrer kleinen Welt eingerichtet und verschwendet keinen Gedanken daran, dem diagnostizierten Kulturverfall entgegenzutreten. Kratzer erhält ihre Insel, als das Ossi-Ehepaar Mandy und Maik in ihre teure Wohnwelt einzieht und dann ist da ein geheimnisvoller Liebhaber, eine Beziehung, welche auf purem Sex, angereichert mit Unterwerfung, Hörigkeit und Gewalt, beruht und der Paprika verfällt, sie fokussiert sich auf dieses Verhältnis, durch das der Reiz des Ungewöhnlichen in ihr Leben getreten ist. Als sie von ihrem Liebhaber verlassen wird, dreht sie durch ...
Der Roman lebt von der Introvertiertheit seiner Protagonistin, in der ironischen Brechung ihrer Arroganz wird deutlich, dass ein solches Leben inmitten der scheinbaren Geborgenheit des Wohlstandes in einer Sackgasse endet, wenn man sich von der Realität abwendet. Paprikas Welt, das ist in Wahrheit Kulturverfall pur.
Amüsant vor allem für einen lesenden Ossi ist auch der Blick auf das sicherlich übertrieben dargestellten Empfinden der westlichen Upperclass angesichts der Provinzialität der ehemaligen DDR-Bürger.