Dieses Buch ist die logische Fortsetzung von Kueglers erstem Buch. Es handelt sich bei diesem Buch keinesfalls um ein "Dschungelkind 2" sondern quasi um die Auflösung des ersten:
Wer die Schilderungen Sabine Kueglers über ihre Kindheit und ihren später erlittenen Kulturschock gelesen und mitempfunden hat, wird überrascht sein, wie "Ruf des Dschungels" nun Personen, Geschichten und Handlungsfäden, die scheinbar abgeschlossen schienen, subtil wieder aufnimmt, als wären sie bewusst auf diese Weiterführung hin angelegt, diese weiterspinnt, so dass sich endlich ein ganz neues Bild bietet.
Beim Lesen baut sich eine Spannung auf, anders als in einem Roman, aber nicht minder packend, inmitten gegenwärtig existierender Gefahren, in bislang unveröffentlichten, an Horrorfilme erinnernden Berichten. Keine Fiktion, sondern heutige Realität. Der Leser wird unvermittelt in ein brandaktuelles Zeitgeschehen hineingezogen, vor ihm öffnen sich Türen auf Szenarien und Zusammenhänge, die der breiten Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben waren.
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Sabine Kuegler bewegt sich in ungeahnten Gefahrenzonen, inmitten einer Tragödie erschreckenden Ausmaßes, und findet sich selbst aufgrund ihrer plötzlichen Popularität als Autorin des Bestsellers "Das Dschungelkind" unversehens in einer Schlüsselposition wieder:
Was sie nun zu erzählen hat, wird international gehört, und nicht mehr totgeschwiegen werden.
Schon in ihrer Kindheit wurde Sabine Kuegler Zeugin von schrecklichen Ereignissen, die kaum zu verkraften sind. Vieles erschien zu bedrohlich, um es zu hinterfragen. Ereignisse, denen sie in einer wunderbar erfüllten Kindheit tief inmitten des Dschungels ausweichen konnte.
Später aber hat Sabine Kuegler an Orten nachgeforscht, auf denen für sie zuvor ein Tabu lag, sie konfrontierte sich mit überaus dunklen und bedrohlichen Situationen.
Die niedergeschriebenen Ergebnisse ihrer Zeugenbefragungen sind schockierend.
Ihre Heimat West Papua wurde in Missachtung eines internationalen Vertrages annektiert und wirtschaftlich ausgebeutet. Die einheimische Bevölkerung wird aufs grausamste unterdrückt und verfolgt. Menschenrechte und Naturschutz werden ignoriert.
Ungeachtet der Tatsache, dass sie vielleicht nie mehr wieder in dieses Land, das sie als ihre Heimat empfindet, einreisen wird können, wagt sich Sabine Kuegler weit hinaus ins Licht der Öffentlichkeit mit Schilderungen, die einem den Atem stocken lassen in ihrer rohen Brutalität. Kuegler berichtet von Folterungen, Verfolgungen und Massenmord, die ein ganzes Volk in Angst und Schrecken versetzen. Die dunklen Schatten jenseits des Paradieses, in dem sie lebte, drängten mit Vehemenz ans Tageslicht.
Wie sehen die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge aus, und wie die internationalen Machtverhältnisse, die in der heutigen Zeit zu solch einem drohenden Genozid führen konnten, ohne dass ein Aufschrei durch die Medien geht?
In diesem Buch wird all das beschrieben und bezeugt.
Sabine Kuegler verliert sich aber nicht im Schrecken. In einem der miteinander verwobenen Handlungsfäden lesen wir hinreißende Schilderungen der ersehnten Rückkehr an die Orte der Jugend, in das Stammesgebiet der Fayu: Alltagsgeschehnisse, Besonderheiten, große und kleine Begebenheiten, Abenteuer, Tragisches und Amüsantes.
Dieser Ruf des Dschungels ist soeben hörbar geworden.
Am Schluss steht die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in Harmonie mit der Natur.
Absolut lesenswert.