seine "Zeitreisen"-Trilogie unverändert für eine DVD-Veröffentlichung freizugeben? Denn zumindest den letzten Teil, "Rauchzeichen", kann man nur als völlig verunglückt bezeichnen. Thome überbevölkert hier sein - an und für sich karges - Szenarium, ein einsames Gästehaus auf Sizilien. Zwei der Darsteller verschwinden etwa in der Mitte des Films auch rein physisch, die "arabische Prinzessin" Leila (hervorragend gespielt von Serpil Turhan), die einem politisch-religiös motivierten Mordanschlag erliegt, und der depressiv-alkoholkranke Cineast Rolf (Cornelius Schwalm). Die beiden sind mit einer Art "negativem Karma" behaftet und stehen damit in äußerstem Kontrast zu dem agilen 60jährigen Geschäftsmann Jonathan Fischer (Karl Kranzkowski), der zu Beginn des Films von Florida anreist, um seine Exfrau Isabella (Adriana Altaras) wiederzusehen und die gemeinsame Tochter Jade kennenzulernen (Joy Thome, wohl verwandt mit dem Regisseur, schauspielerisch gleichwohl eine Katastrophe). Der Wahlamerikaner ist sogleich derart begeistert von dem Anwesen, dass er seinen Geschäftssitz dorthin verlegt, wohl nicht zuletzt, um der Freundin seiner Ex, der früheren Astronomieprofessorin und Astronautin (!) Anabella Silberstein (Hannelore Elsner) nahezusein, die das Gasthaus gemeinsam mit Isabella führt. Zwar ist mit dem Tod der beiden Nebenpersonen rein zeitlich der Scheitelpunkt des Films erreicht, aber da Thome die Grenzüberschreitung zum Polit- bzw. Psychothriller nicht gelingt, bleibt dieser eher eine (für den Zuschauer schwer zu durchschauende) Episode, die mit dem Polizeikommissar noch eine weitere Nebenfigur einführt, welche für die Handlung ebenso bedeutungslos bleibt wie etwa die Gäste der Pension. Von da an plätschert der Film belanglos vor sich hin, Jonathan lässt für Anabella einen Teich ausheben, da diese gerne am Wasser leben würde (Kosten spielen keine Rolle - Jonathan wörtlich: "auf ein paar Tausend Euro kommt es nicht an"). Auf dem Grund dieses Teichs werden Rolf und Leila beerdigt ("wie praktisch", kommentiert Isabella diesen ihren Einfall, "da spart man sich die Grabpflege") und auf diesem Teich heiraten Jonathan und Anabella schließlich - in einem Ruderboot. Möglich macht das einer der Gäste, der zugleich Schiffskapitän ist. Gegen die gepflegte Langeweile der zweiten Hälfte des Films spielen Hannelore Elsner und Karl Kranzkowski an, soweit es ihnen das konfus-handlungsarme Drehbuch mit seinen teilweise hanebüchenen, papierenen Dialogen erlaubt, die zudem noch in einen weichgespülten Soundtrack gehüllt sind. Allerdings ist Karl Kranzkowski mit den dunklen Rändern unter den Augen und dem Wohstandsspeck um die Hüften nicht unbedingt die Idealbesetzung für die Rolle des hyperaktiven Jonathan, und da er fast ständig in Aktion ist (beim Joggen, Pflanzen von Olivenbäumen usw.), ist er meistens außer Atem.
Am Ende fragt sich der Zuschauer: Ende gut - alles gut? Mag sein. Möglicherweise versteht sich der Film kritisch. Die Figuren wirken (abgesehen von Anabella, die Thome als eine Art "Lichtgestalt" konzipiert hat, überheblich, herzlos (siehe den Kommentar Isabellas über die gesparte Grabpflege oder Jades Schadenfreude über den Tod Leilas, die eine Art heimlicher Konkurrentin um die Gunst Michaels, Anabellas Sohn, war. Schleimig umgarnt Jonathan eine Lokalpolitikerin, um möglichst rasch an eine Baugenehmigung und eine Telefonleitung zu kommen. Es mag sein, dass in der "Sardinienfraktion" der saturierten Generation 60+ derart skrupellos und aalglatt auftretende Menschen gar nicht so selten sind. Das macht den Film allerdings noch nicht zur Satire, sondern eher zu einer Geduldsprobe. Besser gelungen sind die beiden Vorgänger ("Rot und Blau' und 'Frau fährt, Mann schläft', in denen im wesentlichen die gleichen Schauspieler agieren, die aber im Handlungsablauf wesentlich stringenter und in der Personenzeichnung differenzierter sind.