die steiner-biographie von lindenberg ist "modern" in dem sinne, dass sie sich an die äußerlichen fakten hält, diese arrangiert und sich mit dem eigenen urteil zurückhält. da sie umfangreich ist, wenn auch nicht erschöpfend, gilt sie als eine art standardwerk.
wie sich ein foto von einer persönlichkeit unterscheidet von dieser selber, nämlich nur einen äußeren eindruck vermittelnd, so bleibt eine solche darstellung doch unbefriedigend gegenüber jemandem, dessen handeln ganz von eigenen, selbst errungenen einsichten und motiven bestimmt war. auch wenn man noch so viele details, tatsachen zusammenträgt, versteht man ihn dadurch noch lange nicht - bis man auf seine gedankenwelt selber eingeht.
und das ist ja wohl der grund, warum solche "biographen" wie zander, gebhard, ullrich die auf die gedankenwelt steiners eben nicht eingehen wollen oder nicht können, dann mit unterstellungen arbeiten müssen. d.h. sie projizieren in steiner etwas hinein, was sie sich selber ausgedacht haben, was ihren eigenen und den zeittypischen vorurteilen entspricht, um verständlich zu machen, was als äußere tatsachen des lebens und wirkens von steiner vorliegt. damit dienen sie dem zeitgeschmack, den vorurteilen der heutigen zeit, nicht der wahrheit.
das tut lindenberg nicht. unbefriedigend bleibt seine biographie trotzdem, weil sie zwar nichts direkt falsches, höchstens in nuancen, wegen eines zu oberflächlichen urteils, über steiner behauptet, aber auch nicht viel hilft, wenn man steiner verstehen will - anstatt nur einiges über ihn zu erfahren.
versuche, steiner zu verstehen, also nach seinen einsichten und motiven, liegen z.b. in den studien-skizzen von bock oder prokofieff vor, die zusammen aber auch keine "vollständige" biographie von steiner ergeben, und natürlich steiners eigene lebenserinnerungen "mein lebensgang".
für den, der steiner "intimer" kennt, aus dem täglichen umgang mit seinen schriften, dadurch, dass er sich in seine gedankenwelt vertieft, sind "biographien" wie die von zander oder gebhard nichts mehr als ein paradoxes phänomen, das veranlasst sich zu fragen, wie man so viel unsinn über steiner auf einmal behaupten kann, anstatt sich erst einmal die mühe zu geben, ihn zu verstehen?
die lindenberg-biographie hinterlässt dagegen den eindruck eines bildbandes, in dem man sich steiner auf verschiedenen fotos zu verschiedenen lebenszeiten, in verschiedenen situationen ansehen kann - mehr nicht.