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Rudolf Steiner: Die Biografie
 
 
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Rudolf Steiner: Die Biografie [Gebundene Ausgabe]

Helmut Zander
2.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 536 Seiten
  • Verlag: Piper (Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349205448X
  • ISBN-13: 978-3492054485
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 267.939 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Spannender Einblick in das Leben eines Querdenkers.« Bunte »Der Historiker Helmut Zander setzt wunderbar Steinchen für Steinchen den Lebenslauf Steiners zusammen. (…) Das Buch liest sich ganz wunderbar, ist keine staubige Anhäufung von Jahreszahlen, sondern so faktenreich, dass es schon heute das Zeug zum Klassiker hat.« Deutschlandradio Kultur »Drei neue Biografien beleuchten Leben und Werk von Rudolf Steiner: Helmut Zander schrieb die umfangreichste, detailreich und quellengenau. Er beleuchtet Steiners Denkwege, die Bezüge zu den esoterischen Strömungen und alle Lebensstationen.«  Neue Luzerner Zeitung »Zander gelingt der Spagat, das Lebenswerk des berühmten Anthroposophen respektvoll zu würdigen, andererseits auch kritisch auf die Bruchstellen hinzuweisen.« Bücher »Zander urteilt kritisch und kompetent, verschweigt Irrwege Steiners wie dessen üblen Antisemitismus nicht. Alles ist faktenreich und spannend.« Ruhr-Nachrichten

Kurzbeschreibung

Man kann Schüler auf der Waldorfschule sein, ohne an Reinkarnation zu glauben. Man kann Demeter-Erdbeeren aus biodynamischer Landwirtschaft schmackhaft finden, ohne auf der Zunge kosmische Kräfte zu spüren. Man kann die vielen Praxisfelder der Anthroposophie nutzen, aber man wird ihren Herzschlag nicht verstehen, wenn man nicht ihren Vater und Ideengeber kennt: Rudolf Steiner (1861-1925), das Kind aus einem Krähwinkel des Habsburgerreiches, der einer der großen Esoteriker des 20. Jahrhunderts wurde. Helmut Zander schreibt die kritische Biografie des kantigen Querdenkers, der seiner unangepassten Grundsätze wegen bis heute Gläubige fasziniert und Gegner provoziert.

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51 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Vigoleis
Format:Gebundene Ausgabe
Noch eine Rezension des Buches von Helmut Zander, bringt die noch etwas Neues? Ich hoffe, dass ich für diejenigen Leser, die sich über die Person Steiners und seine Lehren bzw. Theorien informieren möchten, und deren Interesse zwar kritisch, aber nicht polemischer Natur ist, durchaus einige wichtige informierende und differenzierte Bewertungen geben kann.
Zuerst eine knappe Inhaltsangabe, was den Leser erwartet. Zander zeichnet zunächst die Herkunft und die Studienzeit Rudolf Steiners nach, um dann auf den Philosophen und Theosophen Steiner einzugehen. Diese Darstellung umfasst ca. 300 Seiten und die Zeit bis ungefähr 1907. Danach geht er auf den weiteren Lebensweg Steiners und seine Transformation der Theosophie zur Anthroposophie sowie auf die Praxis von Steiners Theorie ein, also auf Waldorfpädagogik, alternative Medizin und Landwirtschaft usw. Den Abschluß der Lebensdarstellung bildet das Kapitel seines Todes in der "Werkstatt" und ein Ausblick auf sein Erbe. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit anderen Büchern zu Steiners Leben und den Grenzen des Verstehens.
Zander, der seit seiner Studie über die "Anthroposophie in Deutschland" als Experte auf dem Gebiet gilt und in der Wissenschaft anerkannt ist, wird jedoch von fundamentalistischen Anthroposophen geradezu mit Hass verfolgt, er bekam sogar Morddrohungen, und sein Buch wurde mit Polemik und Häme überzogen.
Der unvoreingenommene Leser wird nach der Lektüre allerdings feststellen, dass nichts von den Anwürfen stimmt. Im Gegenteil. Es ist nun einmal so, dass Steiner durchaus ein Kind seiner Zeit war und er seine Erkenntnise und Theorien keinesfalls von großen Meistern erhalten oder in erhellenden Stunden durch Denken allein hervorgebracht hat. Dies ist ja nicht schimm, jeder Philosoph,Psychologe oder Geisteswissenschatler fußt auf Erkenntnissen anderer und ergänzt bzw. verändert diese. Dieses Eingebettetsein in die Strömungen der damaligen Zeit haben auch Miriam Gebhardt und Heiner Ullrich in ihren jüngst erschienenen Biografien nachgewiesen.
Diese Auffassung wird aber von orthodoxen Anthroposophen vehement zurückgewiesen. Nun weist Zander diese Affinität, wenn nicht sogar Abhängigkeit von anderen mit vielfältigen Belegen und Zitaten akribisch nach. Ob es sich dabei um Goethe, Darwin, Häckel, Nietzsche oder um die Vertreter der Theosophie handelt. Steiner ist dabei durchaus originell, aber versucht im Nachhinein, diese Abhängigkeiten oder das Herkommen zu verschleiern und seine Theorien und Anschauungen als selbständige und unabhängige Erkenntnisse zu deklarieren. Dass es bei solch unterschiedlichen Vorbildern oder Autoritäten durchaus zu Brüchen oder Diskontinuitäten in seiner Entwicklung kommen musste, dies zeigt Zander an vielen Beispielen. Zander spricht allerdings hinsichtlich des Übergangs von der Theosophie zur Anthroposophie lieber von Transformation. Hier sind sicher einigen Anthroposophen seine manchmal saloppen Formulierungen etwas respektos. Es ist aber keinesfalls so, dass er häufig oberlehrerhaft argumentiert oder gar Fakten verfälscht, wie dies J. Heisterkamp hinsichtlich der Charakterisierung der Musik Richard Wagners als "Barbarei" meint anmerken zu müssen. Nicht nur erwähnt auch die anthroposophische Biografie von Christoph Lindenberg diesen Fakt, sondern man findet in Steiners Autobiografie "Mein Lebensgang" diese Formlierung auf den Seiten 74 und 76 (Ausgabe 2011)ganz exakt wie zitiert. Ebenso wird ihm immer vorgehalten, Steiner ungerechtfertigt als Antisemiten abzustempeln. Zander tut dies überhaupt nicht, vielmehr führt er aus:"So dramatisch dieses Denken auch war: Man muß auch festhalten, dass Steiner nicht zu dem Flügel des Antisemitismus gehörte, der zwischen Aussiedlung und Mord das Ende des euroäischen Judentums betrieb" (Zander , S. 75). Gleichwohl kritisiert er diese Besprechung Steiners und auch seine Reaktion auf die Vorhaltung des Juden Ladislas Specht, in dessen Haushalt Steiner als Lehrer der Söhne zeitweise lebte. Auch Lindenberg sieht hier eine Entgleisung Steiners.
Zander gibt über den bloßen Lebensweg Steiners hinaus auch sehr viele Informationen über die Zeit und die in dieser Zeit virulenten Theorien und Stimmungen. Ob es die okkulten Bewegungen zum Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrunderts sind, die pädagogischen Reformbewegungen oder die zunehmende Akzeptanz der Evolutionstheorie und auch immer stärker werdende Technik- und Fortschrittseuphorie. Oder mit den Worten Zanders: "Die vorliegende Biografie versucht, den bis dato erarbeiteten Wissensstand über Rudolf Steiner zusammenzutragen und in eine Deutung zu überführen, die den Anspruch Steiners, Hellseher zu sein, nicht aus der Perspektive ewiger Wahrheiten erklärt, sondern aus den Lebenswelten des 19. Jahrunderts."
Insgesamt zeichnet Zander durchaus ein positives Bild von der Person Steiners und seinem Wirken, ohne dass er allerdings die Zeitgebundenheit vieler Elemente seiner Theorie unterschlägt. Er macht auch deutlich, wie der große Erfolg Steiers insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zu erklären ist, ohne auch hier zu verschweigen,dass es ein Problem der deutschen Anthroposophie ist, sich nicht, wie z.B. die Psychoanalyse nach Freud, weiterentwickelt zu haben.
Wer etwas mehr über den Gründer der Waldorfpädagogik und Vater der Anthroposophie wissen will und sich nicht daran stört, dass dies nicht von einem Insider, sondern von einem interessierten Wissenschaftler mit Außenperspektive geschieht, ist mit diesem Buch glänzend bedient. Er sollte sich auch nicht vom Umfang, fast 500 Seiten, abschrecken lassen, wenn es auch an einigen Stellen manchem etwas zu detailliert sein mag.
Zum Schluß noch ein Wort zu den fundamentalistischen Anthroposophen. Statt sich darüber zu freuen, dass Steiner endlich auch von kritischer wissenschaflicher Seite nicht nur wahrgenommen, sondern durchaus als herausragende Person des 19. und 20. Jahrhunderts gesehen wird, die als eine der wenigen Personen noch heute eine große und wachsende Anhängerschar vor allem in der Praxis der Waldorfpädagogik, der Medizin und Ökologie hat, schäumen sie geradezu und bezeichnen Zander als Gossenjournalisten und bestreiten seine wissenschaftliche Kompetenz. Dies sagt mehr über sie selbst als über Zander und seine Biografie aus. Mit den beiden anderen neuen Biografien von Miriam Gebhardt und Heiner Ullrich hat der Leser jetzt die Möglichkeit, sich umfassend über Steiner und seine Anthroposophie zu informieren und sich selbst ein Bild zu machen. Er ist dann nicht mehr nur auf Informationen aus der oft unkritischen Anhängerschaft angewiesen, sondern kann vergleichen und urteilen.
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn es in diesem Portal die Möglichkeit gäbe, ein Produkt mit null Sternen zu bewerten, hätte Zander dennoch einen Stern von mir erhalten dafür, dass er aufgrund seiner umfänglichen Belesenheit und außerordentlichen Sprachkompetenz eine wirklich gute, historisch profunde Biografie Rudolf Steiners hätte vorlegen können. Die vier Sterne Abzug erhält er allerdings, weil er eben das nicht getan hat oder tun wollte. Aus der immensen Zahl von Fehlern, Ungenauigkeiten und Verdrehungen seien hier einige zur Verdeutlichung dieses Urteils dargestellt.
Im Grunde zu vernachlässigen sind kleine, nur handwerkliche Fehler wie zum Beispiel, dass der Mann, der die Westfassade des 2. Goetheanums umgesetzt hat, nicht Max, sondern Carl Kemper hieß [Biografie (im weiteren B) 426; ], dass die farbigen Fenster des ersten Baues nicht von Assja Turgenieff geschliffen worden sind [B 317] oder dass die statischen Berechnungen für sämtliche Betonbauteile nicht das Dornacher Baubüro durchgeführt hat [ebd.], sondern der Tragwerksplaner Ole-Falk Ebbell-Staehelin von Leuprecht und Ebbell in Basel. So etwas kann man berichtigen.
Bedenklicher werden die Fehler, wenn sie im Zuge einer beabsichtigten Interpretation begangen werden: Beispielsweise bemüht sich Zander, eine von Steiner gewollte kultähnliche Verehrung seiner eigenen Person nachzuweisen. Dabei verlegt er Steiners Geburtstag kurzerhand auf den 25. März, um ihn an die erste kultische Feierlichkeit des neu eingerichteten Freien Religionsunterrichtes an der Stuttgarter Waldorfschule zu knüpfen [B 450]. Steiner wurde am 27. Februar geboren.
In der Debatte um die Identität von Steiners esoterischem Lehrer will Zander eine "'große Oper'" [B 40] in der anthroposophischen Literatur ausgemacht haben. Um mit dieser abzurechnen, präludiert er ausführlich, dass der Steinerbiograf Ch. Lindenberg behaupte, der Kräutersammler Felix Kogutzki, den Steiner in seiner Jugend kennengelernt hatte, sei der okkulte Meister gewesen. Tatsächlich schreibt Lindenberg aber das Gegenteil [ders.: R. Steiner - Eine Biographie, 88].
Zander stellt Steiner so dar, als habe der vor seiner theosophischen Zeit permanent, aber im Grunde aussichtslos von einer universitären Anstellung geträumt. Behufs dessen seien von ihm einflussreiche Bekanntschaften mit der Option Hintertürchen gepflegt worden. So z. B. zu Ernst Haeckel. Zander gibt eine Quelle an, aus der angeblich hervorgehe, dass Steiner "'hofft, Haeckel werde ihm in seiner akademischen Karriere weiterhelfen.'" [B 95] Liest man die Quelle nach - einen Brief an Pauline Specht [GA 39, 209] -, erfährt man nur etwas über Steiners philosophische Ambitionen, mit Haeckel als Vertreter der monistischen Philosophie einen Mitstreiter gegen '"volksverdummende religiöse Vorurteile'" - die es um 1900 gegen die Ergebnisse der empirischen Naturwissenschaft tatsächlich noch gab - gefunden zu haben. Von einer '"akademischen Karriere'" ist gar nicht die Rede.
In Zanders Augen ist Steiner um 1900 ein beruflich perspektivloser "'Habenichts"' [B 143] und am '"bürgerlichen Milieu gescheitert"' [B 102]. In dieser Situation sei ihm das '"Vortragsangebot der reichen"' - und ehemals verachteten - '"Theosophen [...] wie gerufen gekommen"' [B 146]. Um die materielle Motivation dieses Schrittes zu "'Auto [...] Pelz [...]"' und '"Hautevolee"' [B 143] zu illustrieren, verlegt der Autor die Theosophische Bibliothek in die renommierte Berliner Friedrichstraße, "'vom Berliner Prachtboulevard Unter den Linden leicht zu Fuß zu erreichen'" [B 145]. Tatsächlich lag die Bibliothek im Herbst 1900 allerdings in Alt Moabit 97 und später in der Kaiser-Friedrich-Str. 54a.
Nicht mehr nur bedenklich sind Fehler, wenn absichtsvoll beliebig mit Tatsachen umgesprungen wird, um eine vorgefasste Ansicht zu untermauern. Im Rahmen des Aufstiegs in die '"Hautevolee"' erscheint Steiner bei Zander mit der '"feschen, sechs Jahre jüngeren Schauspielerin Marie von Sivers"' [B 143] im Schlepptau. Das klingt nach Sternchen. Wenige Seiten später ist dann "'ihre [...] Bühnenkarriere gescheitert"' [B 149], um ihre Hinwendung zum Religiösen zu begründen. Tatsächlich stimmt beides nicht: Marie von Sivers hatte zwar eine Privatausbildung in Rezitation und Schauspiel erhalten und ihr war auch am Berliner Schillertheater die Rolle der Jean d'Arc angeboten worden. Aus Abneigung gegen die von Schauspielern erwarteten Renommierbesuche bei einflussreichen Journalisten hatte sie das Angebot aber abgelehnt.
Suggestiv setzt Zander in diesem Zusammenhang auch Fotografien ein. Um einen Steiner untergeschobenen Ehebruch an seiner damaligen Frau Anna Steiner mit der "'jüngeren Schauspielerin"' wahrscheinlicher zu gestalten, platziert er zwei Bilder der Frauen direkt nebeneinander. Marie von Sivers war bei ihrem ersten Zusammentreffen mit Steiner 34 Jahre alt. Was uns Zander jedoch verschweigt ist: auf dem Bild sehen wir sie mit 17. Warum? Hatte Zander kein aktuelleres Bild?
Ebenso eine Abbildung des Vaters Johann Steiner: Um Steiner eine aus Umfeld und Elternhaus stammende '"tief reichende nationalistische Imprägnierung seiner Kinderseele"' [B 25] und eine lebenslang wirksame deutschnationale Sozialisation [B 143] zu unterstellen, zeigt der Autor den Vater mit patriarchalischem Backenbart. Darunter lesen wir die Analyse: "'Johann Steiner, der sich mit dem Kaiser-Franz-Joseph-Bart als kaisertreu zu erkennen gibt."' Was Zander verschweigt: es gibt eine Handvoll Bilder von diesem Mann, fast auf jedem trägt er einen anderen Bart (meistens Schnauzer). Wie steht es also mit dem politischen Bekenntnis?
Zanders bemerkenswerter Umgang mit Quellen wurde schon angedeutet. Hier noch zwei besonders prägnante Beispiele: Zander möchte beweisen, dass der Kräutersammler Kogutzki (s.o.) nicht der okkulte Meister Steiners gewesen sein kann (was, wie gesagt, gar nicht behauptet wurde). Denn der späte Steiner - so unser Autor - habe die Mär von der esoterischen Bedeutung Kogutzkis nur im Nachhinein als "'Fährte gelegt"' [B 40], um sich selbst eine esoterische Jugend zu konstruieren. Um das zu belegen, schreibt sich Zander zuerst das Wort des Historikers Reinhard Koselleck vom '"Vetorecht der Quellen"' auf''s Panier [B 40 ff] und greift dann zu einem Brief, den Steiner nachweislich nach einem Besuch bei dem Dürrkräutler an einen Freund geschrieben hat. Und weil er darin nun nicht über Einweihung, Esoterik und Geheimwissenschaft parliert, liegt für Zander nur ein möglicher Schluss nahe: dass, worüber in einem Brief nichts geschrieben steht, auch nicht passiert sein kann. - Eine solche Argumentation hätte man uns in keiner Proseminararbeit durchgehen lassen. Das ist Goldhagen-Niveau. - Ein weiteres Beispiel:
Steiner habe 1903 einen Ehebruch an seiner Frau Anna mit der "'jüngeren Schauspielerin"' Marie von Sivers begangen. Im Oktober, "'vielleicht in Schlachtensee, soll ,es' [sic] dann passiert sein."' - (Da legt man sogar die große deutsche Tageszeitung weg und will nur noch Zander lesen!) - Denn der zitiert nun wörtlich aus einem Brief der Tochter Anna Steiners aus erster Ehe, Emmy, sie habe die beiden in flagranti dabei ertappt, wie man da "'im Bett liegend"' handfest geworden sei [B 171]. Nachdem der Historiker hinreichend zitiert hat, gesteht er ein, dass die Quelle jedoch fragwürdig sei, ja dass sie ihm im Grunde gar nicht vorliege, sondern nur einem Autor der 30er Jahre, der jedenfalls behauptet, sie vorliegen gehabt zu haben und aus ihr zu zitieren. Dass dieser - der '"völkische Steiner-Hasser"' [B 172] Schwartz-Bostunitsch - mit seinem Buch des Titels '"Doktor Steiner - ein Schwindler wie keiner"' nicht sehr vertrauenswürdig auftrete und es sich da wohl um "'gehässige Halbwahrheiten"' handele, räumt Zander auch ein. Und so schließt er, dass das ganze zwar nichts für einen Ehebruch aussage, aber - man höre und staune - auch nichts dagegen. Punkt.
Eines von Zanders rhetorischen Stilmitteln ist es denn auch, etwas zu schildern, um sich im Nachhinein davon zu distanzieren. So beginnt er seine Schilderung der Theosophen unvermittelt mit eigenen Formulierungen und zeitgenössischen Zitaten über "'Frauen, die hemdartige [...] Kleider und Rosenkreuze an goldenen Kettchen um den Hals tragen"', in "'alkoholfreien Restaurants"' erlesenerer Klasse '"Bircher-Benner-Müsli'" mümmeln, "'zu Füßen des tief verehrten Lehrers sitzen"' und ansonsten '"das unappetitliche Gefühl von zurückgedrängtem sexuellen Hunger' verbreiten" [B 123]. Im zweiten Absatz erfahren wir dann, dass es sich bei diesen Schilderungen nur um "'Handlanger der Unwahrheit"' handelt. Aha.
Das über dem Westeingang des ersten Goetheanums aus Holz geschnitzte sogenannte "'Hauptmotiv'" wird dem Leser mit zeitgenössischer Perspektive als '"erschlaffter Doppelphallus'" [B 317] und auch der Schornstein des '"Heizhauses"' als '"okkulte phallische Symbolik"' [B 322] gedeutet. Erst dann erfährt man, dass dies angesichts der '"prüden Anthroposophie"' ganz unzutreffende Interpretationen seien. Ein Schelm, wer mutmaßt, der Autor arbeite hier nach der Regel, dass immer etwas hängen bleibt.
Hängen bleiben aber mit Sicherheit, weil permanent eingesetzt, Zanders abwertende rhetorische Formulierungen bei der Schilderung seines Gegenstandes:
Steiner befasst sich nicht mit aktuellen Themen, er '"schwimmt"' auf Wellen [B 46, 48, 379].
In seiner Autobiografie schildert er nicht seine Entwicklung, sondern '"bürstet"' sie '"auf Eigenständigkeit"' [B 62]. Lesen Sie weiter... ›
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Selten war eine Biografie von so viel Hass geladen wie diese. Interessantes Material für des Autors Psychoanalytiker aber leider nichts für Steiner-Interessierte.
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