Rudi Dutschke hat zu Lebzeiten polarisiert wie kaum eine andere Figur der 68er Szene. Man liebte oder hasste ihn. Der Hass, den vor allem die Bildzeitung in einer regelrechten Hetzkampagne gegen ihn schürte, beendete letztendlich sein Leben. Ein aufgebrachter Bürger schoss Dutschke über den Haufen und dieser starb Jahre später, vermutlich an den Spätfolgen des Attentats. Was Gretchen Dutschkes Biografie so lesenswert macht, ist ihre Objektivität. Wer sich mit Themen wie APO oder RAF beschäftigt, stellt sehr schnell fest, dass wichtige Literatur fast immer vom Standpunkt des Staates oder der Widerständler verfasst wurde. Man muss schon eine Menge Stoff lesen, um sich selbst ein objektives Bild zu machen. Anders bei Gretchen Dutschke. Sie berichtet nur, ohne jede Polemik, Hetze oder Stimmungsmache. Und sie erzählt von ihrem Mann Rudi. Einem Menschen, der, wenn man ihn aus dem Jahr 2007 betrachtet, außerordentlich war. Wir kennen Fischer, Schröder, Schily oder Ströbele, die mit dieser Zeit als Führungspersonen in Verbindung gebracht werden. Gegen Dutschke sind sie nichts weiter als blasse Schatten der Vergangenheit. Wer weiß, wäre Dutschke noch am Leben, welche Funktion er heute im wiedervereinigten Deutschland hätte. So, wie ihn seine Frau beschreibt vermutlich gar keine. Er hätte sich abgewandt von Kommerz und Populismus. Wäre der zurückgezogene, ruhige Familienvater geworden, den seine Frau so geliebt hat. Wer weiß...
Wir hatten ein barbarisch schönes Leben ist ein wichtiges Zeitdokument des Aufbruchs gegen das Establishment und zudem eine wundervoll erzählte Geschichte über Liebe und Verständnis. Sehr lesenswert.