Vermittels der beiden Klavierkonzerte Frédéric Chopins offenbart sich dem Hörer das, was sich im Leben und im Schaffen des großen Tonpoeten entfaltete und viel von seinem Einfluss auf die Musikgeschichte ausmacht: Chopins Melodien führen uns in Räume ohne feste Grenzen, zu Blüten und Schmetterlingen, an den See mit seiner Libelle, zum Wald und seinen Vögeln, zu imposanten Landschaften und zu dem Wesentlichen, Ursprünglichen, noch nicht Zivilisierten.
1810 als Sohn eines Franzosen und einer Polin in der Nähe Warschaus zur Welt gekommen, fiel Chopin schon in seiner Kindheit als pianistisches Talent auf. Aus musikalischen Gründen ging er 1831 nach Paris, wo er bald Anschluss fand an die Gesellschaft von bedeutenden Dichtern und Musikern. Hier wurde er im Kreise der Großen seiner Zeit (Liszt, Meyerbeer, Berlioz, Balzac et al) bald zum bewunderten Mittelpunkt.
Chopin komponierte ausschließlich Klavierwerke. Seinen einzigen beiden Solokonzerten ist deutlich anzuhören, dass die Aufgabe des Orchesters lediglich in der Untermalung der pianistischen Darbietung besteht. Beide Konzerte, in e-Moll und in f-Moll, sind Jugendwerke aus dem Jahr 1830. Beim dritten Satz des f-Moll-Konzertes handelt es sich um eine Mazurka, jenem polnischen Tanz, mit welchem Chopin mehrere Male der Musiktradition des Heimatlandes seiner Mutter die Referenz erwies.
In seiner gefühlsstarken und entspannt-souveränen Manier geleitet uns Artur Rubinstein scheinbar mühelos durch Chopins Klavierkonzerte. Sein besonnenes, diszipliniertes Spiel vermittelt eine zart dahin fließende Leichtigkeit und wirkt dem Hören noch lange nach. Wie auch seine Einspielung der Chopin-Sonaten Nr. 2 und 3 (siehe meine Rezension vom 26. Juli 2006) gehört diese CD zu jenen, die ich nie müde werde zu genießen.