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Ausgezeichnete Symbiose zwischen Ausstellungskatalog und kunstgeschichtlichem Sachbuch, 13. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Rubens im Wettstreit mit Alten Meistern: Vorbild und Neuerfindung (Gebundene Ausgabe)
Die erwähnten Essays bieten einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Ausstellung, die wiederum einen eher selten thematisierten Aspekt der künstlerischen Praxis herausgreift, eben die Kopie. Diese spielte für Rubens' Schaffen eine bedeutende Rolle, wie die interessanten Beiträge aufzeigen. Sie wenden sich an ein kunstinteressiertes Publikum, selbstverständlich auch und ganz besonders an die Laien unter ihnen, die aber im Großen und Ganzen mit Rubens' und Tizians Biografie vertraut sein sollten. Zahlreiche Abbildungen von Gemälden, Stichen und Zeichnungen, auf die die Autoren Bezug nehmen, ergänzen und illustrieren die Texte.
Der Katalog selbst lebt gleichfalls von der Gegenüberstellung von Bildern und Texten. Erwartungsgemäß wird jedes Exponat in großzügigem Format abgebildet, und der Leser erhält die für einen Katalog typischen Daten wie Namen des Künstlers (und, bei Kopien, des künstlerischen Vorbilds), Titel, Material, Besitzer und Inventarnummer. Darüber hinaus werden die Werke im Begleittext beschrieben, es werden Hintergrundinformationen geboten und etliche Abbildungen von Werken, die nicht in der Ausstellung vertreten sind. Gegenüberstellungen von Original und Kopie oder relevanten Ausschnitten derselben ermöglichen den unmittelbaren Vergleich, der natürlich auch von den kompetenten Autoren im Begleittext vorgenommen und erläutert wird. So findet man beispielsweise den Kopf Kaisers Karls V. als Ausschnitt der Gemälde von Tizian und Rubens in ganzseitiger Abbildung und kann sehr genau beobachten, inwieweit Rubens hinsichtlich Technik und der Ausgestaltung von Details wie Verzierungen an der kaiserlichen Rüstung dem Original folgte und wie er sich selbst einbrachte.
Ausstellung wie Katalog ermöglichen es zudem, Rubens' persönliche Entwicklung zu verfolgen, seine Auseinandersetzung mit den Vorbildern, die erwartungsgemäß zu einer Art Wettstreit des gereiften Rubens mit seinen großen Vorgängern heranwuchs anstelle des schülerhaften, möglichst originalgetreuen Kopierens. Der Leser erkennt gerade anhand der Abweichungen Rubens' Persönlichkeit in seinen Interpretationen des von anderen bereits ausgestalteten Sujets, wachsendes Selbstbewusstsein und wohl auch einen sich wandelnden Zeitgeist.
Papier- und Druckqualität sind vorzüglich; allerdings hätte vielleicht ein matteres Papier bevorzugt werden sollen, da bei Kunstlicht oft störende Reflexionen auftreten.
Das Buch des Verlags Hatje Cantz erfüllt in außergewöhnlicher - und außergewöhnlich guter - Weise die Anforderungen an eine Symbiose zwischen Ausstellungskatalog und hochwertigem, interessantem Sachbuch. Es informiert detailliert und packend über das eigentliche Thema und verwandte Aspekte, es ist hochwertig und sehr ansprechend gestaltet und verdient eine uneingeschränkte Empfehlung sowohl für Ausstellungsbesucher als auch für Kunstfreunde allgemein.
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