"Rubber" ist ein durch und durch absurdes, extrem eigenwilliges und an Prätensiösität grenzendes Experimental-Filmkunstwerk. Bei der durchaus einzigartigen und originellen Ausgangslage eines telepathischen Reifens Killerreifens, der durch die Gegend rollt und Köpfe (und Tiere) zum Platzen bringt, würde man eigentlich ein amüsantes B-Movie erwarten, etwa im Stil der Killertomaten. Doch der französische Regisseur und Musiker (siehe der legendäre "Flat Beat") Quentin Dupieux hat das nur teilweise im Sinn.
Dupieuxs Film soll scheinbar keinen Spaß machen. Er bietet eine Art Reflektion auf B-Movies und Filme im Allgemeinen, bei denen Dinge ohnen bestimmten Grund passieren. Außerdem kommentiert er noch die Beziehung des Publikums zu Films.
Der Film beginnt mit der Hauptfigur Sheriff Chad (Stephen Spinella), der mitten in der Wüste (der Hauptschauplatz des Films) aus dem Auto steigt und direkt zum Publikum spricht. Auf dieser Meta-Ebene stellt er Fragen, warum etwa E.T. in Steven Spielbergs Films braun ist und beantwortet alles mit "Kein Grund". Er vollendet seinen Vortrag mit der Anweisung, dass dieser Film eine Hommage an "Kein Grund" ist. Dann sehen wir, dass er zu einem tatsächlich im Film anwesenden Publikum spricht, das dann mit Ferngläsern (cooles Bild) ausgestattet wird und fortwährend die "Handlung" kommentieren und darauf reagieren.
Der Anfang funktioniert, das ist amüsant, clever und ironisch. Auch das "Erwachen" des Reifens in der Wüste ist sehr gut gelungen, als Zuschauer ist man hier definitiv gefesselt. Der Reifen wurde ferngesteuert und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, niemals stellt man die Illusion in Frage. Auch die Splattereffekte sind hervorragend und sehen verdammt realistisch aus.
Doch leider baut der Film nicht die geringste Spannung auf. Das "Heranschleichen" an die Opfer und der Abschluss seiner Mordlust wird irgendwann sehr eintönig. Dann gibt es ein junges Mädchen (Roxane Mesquida), die durch die Wüste fährt und die es dem Reifen ganz besonders angetan hat. Ein weiterer Charakter ist der im Abspann betitelte "Accountant" (Jack Plotnick), der sich um die Zuschauer im Film ganz speziell kümmert.
Als Film funktioniert "Rubber" leider nicht. Man spürt dem Werk konstant an, wie überzeugt Dupieux von seiner Idee ist, wie clever er das Konzept findet. Ihm gelingt es durchaus, dass der Zuschauer sich selbst in Bezug auf Sehgewohnheiten hinterfragt, dass er irgendwann von dem Film genervt ist, scheint sogar Teil des Plans zu sein.
Jedoch ist der "Rubber" ausgezeichnet gefilmt. Die Bilder stammen von einer Canon 5D und sind kristallklar, besonders gut kommt das auf der Blu-Ray zur Geltung. Dupieux hat außerdem ein hervorragendes Gsepür für Bildgestaltung, somit sieht der Streifen wirklich toll aus und wirkt definitiv nicht wie eine Billigproduktion, sondern auf technischer Ebene sehr hochwertig. Auch Dupieux Musik funktioniert, wenig überraschend, sehr gut, dasselbe gelingt für die Soundgestaltung allgemein.
Die Darsteller, die man fast alle schon mal in größeren Filmen gesehen hat, machen ihre Sache eigentlich durchweg gut, jedoch tritt ihre Leistung bei dem Konzept des Films etwas in den Hintergrund. Besonders überzeugt jedoch Hauptdarsteller Spinella.
Der Film ist somit eine ganz eigenständige Kreation, sicherlich interessant, originell, kreativ und technisch hochwertig umgesetzt, doch er ist einfach zu besessen von seinen eigenen Ideen, die einfach nicht so rüber kommen, wie man sich das erhofft hätte. Wer gar nicht auf solche Skurrilitäten steht, wird sicherlich von "Rubber" schreiend davon rennen und auch sehr aufgeschlossene Zuschauer müssen hierfür vielleicht noch etwas aufgeschlossener sein.
Das Mediabook von Capelight Pictures ist jedenfalls wie gewohnt enorm liebevoll und sehr ansehnlich gestaltet. Auf dem Cover liegt nur ein abnehmbares Titelblatt, darunter befindet sich dann das Cover ohne FSK-Flatsche. In der Mitte des Mediabooks befindet sich dann ein mehrseitiges Heft mit aufschlussreichen Interviews, eins mit Dupieux selbst, eins mit den Produzenten Julien Berland und Gregory Bernard. Dazu gibt es noch den Soundtrack, der 15 Tracks enthält. Außerdem gibt es zu der Blu-Ray noch die DVD oben drauf. Bild- und Tonqualität sind ebenfalls erstklassig. Die Extras sind eher rar: Es gibt Interviews mit Dupieux (ca. 8 Minuten, nervigerweise teilweise rückwärts inkl. Untertitel), Stephen Spinella (ca. 6 Minuten), Roxane Mesquida (ca. 4 Minuten) und Jack Plotnick (ca. 9 Minuten).