Unter investigativem Journalismus stelle ich mir etwas ganz anderes vor. Das vorliegende Buch ist ein Pamphlet. Kitty Kelley hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Hochsommer und Herbst des Jahres 1997 für die Veröffentlichung historischer Unkorrektheiten zu nutzen. Die Autorin nutzte einfach die Gunst der Stunde. Lady Diana war tot und so wurde ein fürchterlicher und nicht wirklich recherchierter Nachruf auf 600 Seiten zu Papier gebracht. Die Quellenangaben wirken oft nicht gerade seriös. Selbst die Ahnentafel im Buchdeckel ist fehlerhaft. Das Haus Windsor gab es unter der Queen Victoria noch gar nicht. Es war zu der Zeit das Haus Saxe-Coburg-Gotha. Das Haus Windsor gab es erst ab der Thronzeit von Georg V. Im Zuge des ersten Weltkrieges wurde das Königshaus in Windsor umbenannt. Der Vater von Georg V. war Edward VII. Dieser lebte nicht wie in der Ahnentafel angegeben von 1811 - 1910, sondern von 1841 - 1910. Bereits in Kapitel 2 erläutert die Autorin, dass 1915 mit König Georg V., ein Monarch auf dem britischen Thron saß, der Englisch ohne deutschen Akzent sprach. Hierzu merke ich an, dass Georg V. seit 1910 auf dem britischen Thron saß und akzentfrei Englisch sprach. Zu Beginn von Kapitel 3 will uns diese Autorin erklären, dass Edward VII. seine Verlobung mit Wallis Warfield Simpson bekannt geben wollte. Tatsächlich war es aber Edward VIII. Der dankte dann auch ab.
Weiter führt Kitty Kelly aus, dass die Mutter der heutigen Queen nur mit Hilfe der künstlichen Befruchtung sowohl mit Elizabeth als auch mit Margaret Rose schwanger wurde. Dazu merke ich an, dass eine solche künstliche Befruchtung erst 1978 mit Erfolg gelang. Das ganze Buch ist von nicht näher recherchierten Klatsch und Tratsch durchzogen. Wahrheiten interessieren die Autorin offensichtlich nicht. Aber gut. Es handelt sich um eine unautorisierte Biografie.
Am Ende dieses unmöglichen Pamphlets gegen die britische Monarchie gipfelt Kitty Kelley mit einer angeblichen Aussage der heutigen Queen Elizabeth II.: Zitat von Seite 566: Sie [Queen Elizabeth II.] sagte, sie würde gern eine Edward-VII.-Situation" vermeiden. Erst mit neunundvierzig Jahren hatte ihr Urgroßvater von Königin Victoria den Thron geerbt...." Ich stelle hierzu fest, das Edward VII. 60 Jahre alt war, als er den Thron erbte. Diese von Kitty Kelley gemachte Aussage stammt niemals von der Queen. Im gleichen Atemzug insistiert unsere Autorin, dass Königin Elizabeth II. 1965 über ihre Abdankung nachdachte. Der Thronfolger, Prinz Charles, war 17 Jahre alt.
Königin Elizabeth II. dachte und denkt zu keiner Zeit über ihre Abdankung nach. Sie hat der britischen Nation geschworen, dass sie als Queen bis zum Tod Großbritan-nien dienen wird.
Einem historisch interessierten Menschen kann man dieses Buch keinesfalls empfehlen. Es handelt sich um eine Zusammensetzung aus lauter Klatschgeschichten. In-vestigativ ist daran gar nichts. Und von einer sauberen Recherche kann keine Rede sein. Wer sich an dummen Klatsch- und Tratschgeschichten ergötzen will und es mit der Historie nicht so genau nimmt, kann es sicher lesen, sollte aber den Inhalt besser für sich behalten.
Abschließend sei Kitty Kelleys Danksagung auf Seite 873 erwähnt. Hier teilt Kitty Kelley mit, dass sie ehrerbietig bei der Queen um ein Interview gebeten hat. Als investigative Journalisten hätte sie wissen müssen, dass die Queen keine Interviews gibt.
Kai Steinbrenner