4.0 von 5 Sternen
Elegante Streichermusik am englischen Hofe, 27. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Royall Consort Suites Vol. 1 (Audio CD)
William Lawes (1602 - 1645): Royall Consorts Nr. 1,3,6,7 und 9. Ausführende: The Greate Consort (Monica Huggett und Anne Schumann, Violinen; Emilia Benjamin und Reiko Ichise, Violen da gamba; Elizabeth Kenny und William Carter, Theorbi), Ltg. Monica Huggett. Aufgenommen 27.-30. Mai 1995 in der Parish Church des Dorfes Hillesden in der englischen Grafschaft Buckinghamshire. Produzent und Tonmeister: John Hadden. Erstveröffentlichung 1995 als ASV Gaudeamus CD GAU 146. Gesamtspielzeit: 69'31".
Eine sehr spezielle Musik wird hier dargeboten: fünf der insgesamt zehn "Royall Consorts", die William Lawes, Bruder des Liedkomponisten Henry Lawes, ursprünglich wohl für den Hof des Königs Karl I. zum Spiel auf zwei Violinen, zwei "Viols" und zwei Theorbi komponierte. Es handelt sich um "Suiten" (wiewohl dieser Begriff noch nicht in Mode gekommen war), bestehend aus einer längeren Einleitung (Pavan, Fantazy, Air) und fünf oder sechs Tanzsätzen mit Titeln, die meist unschwer als die später übliche Folge Allemande - Courante - Sarabande zu erkennen sind. Gelegentlich werden etwas andere Formen hinzugefügt, so z. B. "Ecco" oder "Aire Morriss" überschriebene Sätze, deren Charakter sich aus diesen Bezeichnungen leicht ableiten lässt. Dennoch handelt es sich nicht wirklich um Tanzmusik, sondern um Unterhaltungsmusik im besten Sinne: elegante, rhythmisch einfach gehaltene, nicht allzu hohe Ansprüche stellende Streichermusik. Dass Lawes diese Musik für zwei Violinen und zwei Gamben mit Lauten-Continuo einrichtete, erfolgte laut Auskunft des Beiheftes erst, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die ursprüngliche Konzeption sich wegen mangelnder Durchhörbarkeit als unpraktisch erwies.
Die Greate Consort-Aufnahme weiß auf hohem Niveau zu gefallen, zudem ist die Aufnahmetechnik, wie meist bei ASV Gaudeamus, tadellos - man hört alle Details, auch das im Hintergrund wohl unvermeidliche Vogelgezwitscher. Monica Huggett erweist sich hier wieder einmal als musikalisch beredte Sachwaltin vergessener Streichermusik. Wenn ich die CD mit lediglich vier statt fünf Sternen bewerte, dann nur, weil diese Musik aus meiner Perspektive nicht abwechslungsreich genug ist - ansonsten gibt es wirklich keinen Grund zu meckern.
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