Steely Dan scheint hierzulande keinen großen Bekanntheitsgrad mehr zu haben. Insbesondere die jüngere Pop- und Rockgeneration nahm stirnrunzelnd zur Kenntnis, daß eine scheinbar aus dem Nichts auftauchende Band plötzlich einen Grammy absahnte.
Es ist wohl auf die etwas ungewöhnliche Besetzungskonstellation der Band zurückzuführen, daß sie nie einen Kultstatus wie von mir aus Deep Purple erreichten. Denn eigentlich gab es mit Donald Fagen und Walter Becker nur zwei feste Mitglieder, ansonsten bediente man sich der besten Musiker, welche die Studioscene der Westküste zu bieten hatte. Zu wenig Identifikationspotential scheint eine Band schneller in die Vergessenheit zu treiben. Dabei sollte man doch einfach die Musik für sich sprechen lassen!
"The Royal Scam" gehört in meinen Augen zu den besten Aufnahmen einer Band, die keine einzige schlechte Platte veröffentlicht hat. Die Melodien aus der Feder der beiden Köpfe der Band sind immer eingängig, aber selten platt. Hinter jeder Ecke lauert ein unerwarteter Akkordwechsel, eine kleine Jazzfigur, die verhindert, daß der Song in allzu seichte Popgefilde abdriftet. Dazu kommen die oft beißend ironischen Texte (eines der Paradebeispiele, "Haitian Divorce", ist auf der Scheibe vertreten). Als besondere Highlights habe ich immer den kühl-monumentalen Titelsong mit seinem Background-Gospelchor und "Don't Take Me Alive" empfunden.
"The Royal Scam" bewegt sich musikalisch auf sehr hohem Niveau, der Jazzrock-Einschlag bleibt immer dezent genug, um nicht nervend zu werden - ein guter Einstieg in die spannende Musik einer der großartigsten Bands der 70er Jahre.