Im Gegensatz zu meinen Vorrednern, äußere ich mich hier zu der abgebildeten Biographie und nicht zu der von Thomas Mann!
Der Versuch des Autors, Böll im Spiegel seiner Zeit darzustellen, ist meiner Meinung nach gescheitert. Schröter fokussiert sich derart stark auf die Geschichte Deutschlands, dass der Autor Böll fast dahinter verschwindet.
Außerdem konzentriert er sich stark auf Nichtigkeiten, wie die Entwicklung und Beschaffenheit der Stadt Köln - für eine Biographie (auch wenn Böll Kölner war) sicherlich nicht erforderlich, zumindest nicht in derartigem Ausmaß!
Hinzu kommt, dass die Sätze des Verfassers für wissenschaftlich nicht vorbelastete Personen schlicht inakzeptabel sind. Ellenlang, voller permanenter Einschübe - am Ende eines Satzes, weiß man oft nicht mehr, was eigentlich zu Beginn erwähnt wurde.
Ein Kapitel ist allerdings ganz nett. In diesem berichtet Schröter von seinen persönlichen Begegnungen mit Böll. Dies ist das einzige Kapitel, durch das man sich nicht "durchkämpfen" muss. Allerdings ist hier auch eine Menge Selbstdarstellung von Seiten des Verfassers dabei. So vergißt er nicht zu erwähnen, dass u. a. er Böll für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen hat! Diese Bemerkung mutet merkwürdig an, ist er doch im ganzen Bericht zuvor, sehr kritisch mit Bölls Werk umgegangen.
FAZIT: Das einzige, was nach dem Lesen dieser Biographie von Böll in Erinnerung bleibt, ist die "Hetzkampagne der "Bild" - Zeitung" gegen ihn. Andere biographische Fakten gehen schlichtweg unter, dank Schröters Satzkonstruktionen und historischen Abrissen. Schade!