Ein junger Engländer wettet in einer durchzechten Nacht, daß er mit einem Kühlschrank innerhalb eines Monats einmal komplett um die Küste Irlands herum trampen kann.
Klingt absolut abgedreht und wie ein hervorragender Romanstoff. Doch weit gefehlt, denn es handelt sich hierbei um eine reale Reiseerzählung. Der englischen Entertainer und Komödiant Tony Hawks hat vorher mit Irland nicht sehr viel zutun, außer der Tatsache, dass er bei einem Besuch dort einen Mann mit einem Kühlschrank am Straßenrand gesehen hatte, der mitgenommen werden wollte. Als er diese Geschichte auf einer Party erzählt, wird er nicht für voll genommen und ein Freund wettet mit ihm um 100 Pfund, daß er die Küste Irlands in Begleitung eines Kühlschranks nicht innerhalb von 4 Wochen umrunden kann.
Normalerweise nimmt man solche Wetten im Suff am nächsten Morgen nicht mehr ernst, doch unser Autor hat an dem Gedanken gefallen gefunden und setzt ihn in die Tat um.
Als ich den Titel des Buches zum erstenmal sah, dachte ich, daß dies unmöglich ist; allein wegen der Ausmaße und des Gewichts eines Kühlschranks. Doch man sollte nicht immer von dem ausgehen, was sich der typischen Deutsche unter einem Kühlschrank vorstellt. Das „corpus delicti", sprich der Kühlschrank, in diesem Fall ist ein Würfel von etwa 60 cm Kantenlänge, der auf einem kleinen Wägelchen gezogen werden kann. Dies macht die Sachen zumindest vorstellbar, wenn auch die Aufgabe auch mit diesem Gerät kaum leicht gewesen ist.
Was auf den nächsten ca. 300 Seiten des Buches folgt, ist sowohl ein Reisebericht als auch gleichzeitig eine Beschreibung des Wesens Irlands bzw. der Leute, die dort leben. Man erfährt von der Hilfbereitschaft und von der Begeisterungsfähigkeit für die eigentlich völlig sinnlose Aktion. Ob Radiosender dazu aufrufen, den „Fridge man" (=Kühlschrankmann) mitzunehmen, ein ganzes Dorf im Nordwesten Irlands Tod und Teufel versuchen und sogar das Militär einschalten, um Hawks und den Kühlschrank trotz einer nicht funktionierenden Fähre nach Tory Island zu transportieren und sich dann doch eine völlig andere Möglichkeit ergibt oder Hawks in eine Jungesellenauktion eingebunden wird. Ganz zu schweigen von den unzähligen Pubs, in die er eingeladen wird. Der Kühlschrank bekommt u.a. einen Namen, wird von einer Ordensschwester gesegnet und surft in Strandhill sogar ganz alleine auf dem Atlantik. Und alle Beteiligten müssen natürlich auf dem Kühlschrank unterschreiben.
Natürlich ist das Buch und die darin geschilderten Erlebnisse in erster Linie einfach lustig zu lesen. Denn eigentlich ist das Ganze ja eine bekloppte Idee. Aber neben all dem Spaß bei dieser Sache erfährt man auch sehr viel über Irland. Zum einen wird natürlich auch die Route geschildert und was es dort zu sehen gibt. Man sollte jetzt keinen echten Reiseführer erwarten mit konkreten Tips, aber so ganz nebenbei werden doch Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Landschaft nahegebracht.
Zum anderen wird das ganze Buch irgendwie getragen von der fast sprichwörtlichen, etwas anderen Lebensart der Iren. Und scheinbar färbt die Landschaft ab, denn es sind nicht nur Iren, sondern auch dort lebenden Engländer oder Touristen, die mit einer Inbrunst dem „Fridge man" helfen, als hätten sie nichts anderes zu tun.
Insgesamt irgendwie ein richtiges „Feel-good-Buch", nach dessen Lektüre man sich am liebsten gleich in den Flieger nach Irland setzen möchte.