Tina Turner machte nach der Trennung von Ike Turner musikalische Erkundungstouren. Der jahrelange R&B würde ihr über und sie lenkte die Karriere Richtung Disco und Funk. Und damals war sie nicht die Einzige, siehe Cher, Bette Midler und viele andere. Bei einigen hat es funktioniert - bei Tina mittelmäßig bis garnicht. Aber auch nur was die Verkaufszahlen angeht!
Mit "Rough" präsentierte sich die "Wild Lady of Rock" in neuem, feurigem Glanz. Gut, zu covern lernte sie zu genüge in den Jahren der "Ike and Tina Turner Revue" und diesem Vorgehen sollte sie gewiss bis spät in die 90er treu bleiben. Jedoch schaffte Tina es selbst zu der Zeit, Seger, Hill, Nelson und John - Liedern ihren unvergleichlichen Stempel aufzudrücken. Ob rockig oder teilweise melancholisch - eine üppige Bandbreite bestimmt La Turners Aufnahmen. Diese Platte gehört zu den Tonträgern, denen man zu wenig Beachtung schenkt(e), da man als Konsument meistens den synthesizerlastigen Kultstücken des "Private Dancer" Siegeszuges nacheifert. Und gerade diese sind dermaßen glatt und konsumentenfreundlich produziert, sodass den "Rough"- Nummern kaum eine faire Wirkungschance bleibt. Allerdings muss gesagt werden, dass ob Elton Johns "The bitch is back", Bob Segers "Fire down below" oder Glenn Jacksons "Root toot undisputable Rock 'N' Roller" - die Boxen krachen lassen und man denkt, dass die Songs allesamt nur für Tina selbst geschrieben wurden. Unglaublich toll!
Dazu paaren sich starke Balladen, tanzbare Kompositionen und beinahe unbekannte dafür hervorragende Lieder. Vom anklagenden "The woman I'm supposed to be", dem groovigen "Viva la money" und den beiden wohl allerbesten Tina Ballade der 70er "A woman in a man's world" gefolgt von "Sometimes when we touch"! Der Zuhörer genießt handfeste Musik.
Produziert wurde von dem längst vergessenen Bob Monaco in Hollywood... was die Chartposition damals nicht wesentlich verbesserte. Aber egal, denn heute nach beinahe 30 Jahre (!), erscheint über die Hälfte von Tina's "offiziellem" Debut-Solo-Erstlingswerkes (was nicht stimmt, denn sie nahm bereits Anfang der 70er "Tina turns the country on" auf - welches immer noch nicht auf CD erschien) wie aktuell eingespielt.
Zu was bringt uns der Schluss? Na?? ... Okay, ich sage es Ihnen:
Wer sich weder für Ike Turner inspirierte Gitarrenriffs, noch von den überproduzierte Klangteppiche der 80er interessiert und zur Abwechslung eine der interessantesten Phasen in Tina Turners Karriere gönnen mag - der klickt sich anhand eine baldige Bestellung, diesem rhythmischen Erlebnis näher! Ich als Fan und großem Musikliebhaber empfehle aus sicherer Überzeugung, den Kauf dieser '78er Kultscheibe... dem das eigentlich gerechtfertigtes Publikum fehlt(e)...
Viel Spaß!!!