Das bewährte Rothmaler-Bestimmungsbuch ist nun mittlerweile im Gefäßpflanzen-Grundband auf 930 Seiten angewachsen, da auch viele so genannten Kleinarten aufgenommen sind, so über 100 Rubus- und etwa 50 Oenothera-Arten. Somit werden höchste Ansprüche auf genaue Artidentifizierung ermöglicht. Aber auch da gibt es Grenzen für ein Buch, das als Exkursionsflora konzipiert ist. Die apomiktischen Kleinarten von Taraxacum sprengen die Möglichkeiten des Grundbandes, denn über dreihundert Arten sind allein für Deutschland beschrieben, von vielleicht zwischen zwei- und dreitausend Arten in Deutschland. Eine mögliche Vollständigkeit strebt das Buch auch hinsichtlich der neugefundenen adventiven Arten (Neophyten) an. Mit jeder Auflage sind neue hinzugekommen.
Die Rothmaler-Exkursionsflora ist selbstverständlich weit mehr als nur ein Buch zur Bestimmung von Pflanzenarten. Vielmehr wird eine Vielzahl von Informationen über die Arten geliefert. Dies sei an einem zufällig herausgegriffenen Beispiel dargestellt:
Langblättrige Melde - Atriplex oblongifolia WALDST. ET KIT.: Blätter bis 7 cm lang, davon 1 cm Stiel. Vorblätter ohne hervortretende Nerven, an der breitesten Stelle mit einem (sehr) kleinen Zahn (Abb. 601/4). 0,30 - 1,20 m hoch werdend. Blütezeit Juli bis September. Trockne Ruderalstellen: Weg- und Ackerränder, Schutt; Archäophyt, Neophyt, verbreitet: Nord-Thüringen, West-Sachsen, Süd-Sachsen-Anhalt; zerstreut: Bayern: Franken, Ost-Rheinland-Pfalz, Süd-Thüringen, Ost-Sachsen, Nord-Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern; selten Südwest-Rheinland-Pfalz, Süd-Hessen; Neophyt, unbeständig: selten: Bayern, Nord-Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Nord-Hessen; in Ausbreitung begriffen; Arealdiagnose: submeridionale Zone, südtemperate Unterzone - c3 - 7Europa (Westasien) - rosettenlos, sommerannuell, Windbestäubung, Menschenausbreitung, Zeigerwerte: L9 T7 F4 R6? N6 - Vergesellschaftung: Verband Sisymbrion.
Die hier am Beispiel einer Art aufgeführten Angaben sind im Buch durch Symbole und Abkürzungen wiedergegeben, da ja sonst der Platz nicht ausreichen würde. Je nach Art kann es auch andere Angaben geben. Im Falle von Arten mit nur wenigen bekannten Fundorten werden diese genannt, z. B. alle drei Vorkommen des Lorbeer-Seidelbastes (Daphne laureola) in Deutschland. Im allgemeinen Teil des Buches werden auf annähernd fünfzig Seiten die Fachbegriffe erläutert.
Für die Zuordnung der Arten zu den höheren Taxa (Gattungen, Familien, Ordnungen) sind die bis zum Erscheinen des Buches bekannt gewordenen genetischen Erkenntnisse berücksichtigt. Der Fortschritt der Wissenschaft erfordert nun einmal ein Umdenken bei denjenigen, die mit dem neuen System noch nicht vertraut sind. Auch der Rezensent muss sich an die Zugehörigkeit des Fingerhuts zu den Wegerichgewächsen gewöhnen. Der Einsteiger" hat diese Probleme nicht.
Noch eine kurze Bemerkung zu den botanischen Pflanzennamen. Die Autoren des "Rothmalers" beachten die nomenklatorischen Regeln auf das Genaueste und im Zweifel kann ich nur die Rothmaler-Angaben empfehlen, wenn sprachliche Diskrepanzen zu anderen Büchern bestehen. Erechtites hieraciifolius im "Rothmaler" ist die richtige Schreibweise, auch wenn man andernorts noch so oft "E. hieracifolia" liest. Die Nomenklaturregeln selbst befassen sich nicht mit der Aussprache der Namen, aber die Angaben zur Betonung sind im hier besprochenen Buch streng nach den Regeln der lateinischen Sprache vorgenommen worden.
Kein ernsthafter Pflanzeninteressent kommt am Rothmaler" vorbei. Neulinge müssen jedoch wissen, dass sie es mit einem anspruchsvollen Werk zu tun haben. Es ist kein Bilderbuch zum Nachschlagen. Die Abbildungen sind Zeichnungen zu den Merkmalen, die für die Bestimmung nötig sind.