Rothko hat sich stets gegen die Etikettierung als abstrakter Maler gewehrt, in der Opferung des "Figurativen" bildet das Tableau sich auf sich selbst ab, wird seine eigene Form, die sich ausdehnt und zurückzieht, Unschärferelationen im Inneren des Feldes ausbildet, das ist Leben des Bildes nach Rothko, seine "Durchatmetheit". Dies wäre Rothkos "Rettung" des Tafelbildes, das nach Auskehrung und Reinigung zu sich selbst kommt, als universelle Pathosformel der menschlichen Tragödie. Oder, wie Rothko sagt: "The picture is a thing of paint on a flat surface, and there is no need to make it appear as anything else."
Mt der Erkundung der Farbschichten ist auch das Erleben des Bildraumes verbunden, dessen Resultat Rothko als Offenbarung beschreibt: " (...) when we wish to express concretely an image of intensity of feeling, (...) we say depth of feeling or penetration into knowledge or revelation, which means the removal of veils, which is coming out of a depth into the frontal understanding, or the unfolding of veils which have obscured what is behind them."
Rothko war 1966 ein drittes Mal in Italien und besuchte erstmals Spoleto und Assisi, mit den Monumentalen Wandbildern Cimabues und Giottos. Schon nach seiner zweiten Italienreise 1959, wo er so fasziniert war von der Verwendung der Farbe Rot in den Wandmalereien der Villa dei Misteri in Pompeji, begann er Bilder zu malen in denen er diese Erfahrung versuchte zu verarbeiten und durch die der gesamte Geist des Betrachters isoliert wird. Jeder Betrachter von Rothkos Bildern muss seit dem mit der geheimnisvollen Intensität der Bilder Rothkos selbst zu recht kommen
Die Kraft des Erhabenen entfaltet sich durch die Kunst mit der äußersten Einfachheit der Mittel die größtmögliche Intensität des Ausdrucks zu erzielen. Mit der Erkundung der Farbschichten ist auch das Erlebnis des Bildraumes verbunden, dessen Resultat Rothko als Offenbarung beschreibt. Insofern kann nach Rothkos Auffassung das Vorgehen, mittels der Farben die Tiefenwirkung der Fläche auszuloten, mehr Wahrhaftigkeit beanspruchen als die Schöpfung einer räumlichen Illusion. Tatsächlich bilden die Farbschichten in seinen Bildern übereinander liegende Lasuren, die gleich farbigen Schleiern (der Schleier, um den Prozess der Bildererschließung gleich der Einweihung in ein Mysterium zu inszenieren) mehr oder weniger Durchblick auf darunter liegende Farbspuren oder die Leinwand gewähren.
Das gleichzeitige Versprechen und Verschleiern der Offenbarung, aus dem eine Erfahrung des Erhabenen erwächst, erzeugt Rothko durch die Eigenschaft der Breathingness (Durchatmentheit) mit der er selbst seine Schöpfungen charakterisierte.
Mit der gegenstandslosen Malerei des 20. Jahrhunderts löst sich seiner Auffassung nach das Dilemma, in das Platons Gedanke von der Welt der Ideen und der Welt der Schatten den Künstler, der sich in der Auseinandersetzung mit der Realität befindet, gebracht hatte. Das dafür verwendete Mittel ist das Licht, dessen Einsatz vom Besonderen zum Allgemeinen führt und die verlorene Einheit zwischen Idee und Realität wieder herstellt. Light, then, is the instrument of the new unity. Insofern ist Rothkos Kunst nicht abstrakt, denn Farbe und Gegenstandslosigkeit sind künstlerische Notwendigkeiten zur Kommunikation von Inhalten:not colour, but measures were of gratest importance.
Rothko bestand stets darauf, dass formale Abstraktion niemals mit der Abwesenheit von Inhalten gleichzusetzen sei und das Ziel der vollkommenden Einheit nur mit den Mitteln der Abstraktion zu erreichen sei, so auch im Subject matter überschriebenen Kapitel seines Textes The Artist's Reality "...abstract artworks use notions of shapes and emotions in plastic terms to establish unity in a superior category, This can be more clearly explained when we say that a ball is a sphere or the autumn is sad. Here, a specific object is reduced to a geometric category of abstraction, and the physical appearance of a season is reduced to an emotional abstraction, yet both of these abstractions can be used to new ends to establish further ideas. It is in this way that abstraction functions."
Die Liste mit den "sieben Prinzipien" der Malerei die Rothko 1958 aufstellte bestand vollständig aus moralischen Qualitäten:
- Die Auseinandersetzung mit dem Thema des Todes
- Spannung
- Ironie
- Menschlichkeit
- Witz
- Spiel
- Hoffnung
Die Form folge diesen Elementen und ihrem Verhältnis zueinander.
Rothko: "I think of my pictures as dramas; the shapes in the pictures are the performers. They have been created from the need for a group of actors who are able to move dramatically (...) They begin as an unknown adventure in an unknown space. (...) "The whole problem in art is how to establish human values in this specific civilization." (...) The use of color for its own sensual ends as well as for its structural ends had greatly deteriorated since the time of Giotto." (...)