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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die wahre Legende vom heiligen Trinker,
Von
Rezension bezieht sich auf: Roth, Joseph: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Broschiert)
Helmuth Nürnberger beschreibt in der bei rowohlt erschienenen Monografie die Lebensgeschichte des Joseph Roth, dem Zweifler, Zyniker, Skeptiker, meisterhaften Erzähler - der sich um sein riesiges hinterlassenes Werk nicht mühte - der es einfach schrieb. Doch er selbst sieht sich nicht als begnadet, als auserwählt. Schreiben ist für ihn ein Handwerk wie Schustern. Seine Vorbilder sind Flaubert und Stendhal. Journalismus/Reportage und Literatur sind für ihn eng verbunden.,,Roth war der Gegenwart zugewandt und von der politischen Verantwortung des Schrifstellers überzeugt. Er faßte rasch auf, beschrieb präzis, klagte radikal an: den Krieg und die, die ihn machen.'' (Nürnberger) Roth beobachtete und analysierte genau, straffte Gegebenheiten, fasste sie zusammen und färbte sie oftmals ironisch. Man ertappt sich beim Lesen selbst. Und Roth war ein Seher: Er hat alles vorher gesehen, die ganze Nazizeit und die Judenvernichtung. Auch sein eigenes Ende als Säufer. So versoffen wie er war , schrieb er doch in seinem kurzen Leben von nur 45 Jahren so viele bedeutende Werke: Erzählungen (zb ,,Die Legende vom heiligen Trinker''), Romane (,,Hiob''), Essays (,,Juden auf Wanderschaft''). Er war genial, arrogant, versoffen, sensibel, eitel, zynisch, sehend. Berühren sich bei ihm Genie und Wahnsinn? Roth zeichnet nicht nur seine Zeit genau auf, vor allem stellt er ein realistisches Bild des modernen jüdischen Lebens dar. Der Autor der Monografie - Nürnberger - blickt sowohl auf die persönlichen Daten Roths, als auch auf seine Einordnung in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts- in die Zeit der grossen + weitsichtigen Werke. Und doch läßt sich dabei nicht unbedingt ein alle Schriftsteller prägender Zeitgeist bestimmen, jeder hat für sich einen einzigartigen Stil, eine individuelle Sicht der Welt. Und alle gemeinsam (Roth mit Hiob, Huxley mit brave new world, Mann mit dem Zauberberg, Brecht in seinen Theaterstuecken...) ergeben ein vielschichtiges Bild der Zeit. Und Roth selbst trifft eine bezeichnende Aussage: Die Literatur ist die Aufrichtigkeit selbst, sie ist der einzige wahre Ausdruck des Lebens. Bezeichnend für Roths Werk ist eine traurige Schönheit - schöne Traurigkeit - Roth sucht nach der Tiefe des Lebens in aller Oberflächlichkeit einer hektischen Epoche. Von dieser Suche nach Tiefe, nach Schwere sind seine Texte geprägt und gleichzeitig von sprachlich hüpfender Heiterkeit. Auf dieser Suche gerät er schnell an den Kontrast (Konflikt?) ost- und westeuropäischer Kultur. Während im Osten die Menschen Auswege aus Hunger und Not mit Kraft und Glauben zu erringen versuchen, tanzt man im Westen flapsig Charleston und kümmert sich nicht um das, was da vor der Tür steht. Und doch träumen die Ostler vom Westen und die Westler spüren eine Leere, welche sie in Richtung Osten treibt. Wo findet sich die Wahrheit? In der detailgetreuen exakten Berichterstattung nicht - das sehen wir auch heute viel zu gut. Roth - der große Gaukler, der jedem eine andere Story über sein Leben, seinen Vater und seine Zeit beim Militär erzählt - zeigt uns die Wahrheit seiner Geschichten - indem er sie erfindet, verdichtet und bewußt subjektiv beleuchtet. Nürnberger ist mit dieser Monografie eine ausgezeichnete Arbeit gelungen. Er gibt Einblick in das Leben dieses großen kleinen jüdischen Schriftstellers, macht dem Leser/der Leserin Appetit auf das Gesamtwerk. Marcel Reich-Ranicki erwähnt: ,,[...]zugleich weise und einfältig, irrte Roth durchs Leben. Er war ihm nur gewachsen, wenn er schrieb [...] Auf jene Wunder, mit denen er den Geschöpfen seiner Phantasie etwas Glück und Freude bereitete, ohne sie vor der Katastrophe zu bewahren, wartete er vergeblich. Er [...] mußte sich die Wunder, die er so dringend brauchte, selber erfinden. Ihm, Joseph Roth, blieb nur die Flucht ins Märchen.'' Roth selbst sagt: ,,Das Vaterland des echten Schriftstellers ist die Sprache [...]'' Vieles läßt sich über Roth sagen. Unendlich viel läßt sich in seinen Werken entdecken. So ergibt sich eine unerschöpfliche Reise durch das menschliche Sein, die Gesellschaft. Dabei entdeckt man die Vielfarbigkeit der Kulturen, aber auch allgegenwärtige Verletzlichkeit, Ängste und vor allem: Sehnsüchte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Konkurrenzloses Standardwerk,
Rezension bezieht sich auf: Roth, Joseph: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Broschiert)
Die große Roth-Biografie von David Bronsen ist längst überall vergriffen und so bleibt dieses Büchlein von Helmuth Nürnberger ein konkurrenzloses Hilfsmittel für alle, die mehr über Österreichs großen Dichter des 20. Jahrhunderts wissen wollen. Daher darf dieser Band, trotz seines hohen Alters, auch in keiner Roth-Bibliografie fehlen. Kurz und kompakt beleuchtet Nürnberger in seiner Monografie Roths wichtigste Lebensstationen: vom heimischen Brody über Wien und Berlin bis hin ins französische Exil, wo Roth 1939 verstarb. Und er versteht es, die einzelnen Etappen auf Roths Lebensreise mit Hilfe von Zitaten und Anekdoten zu veranschaulichen. Zahlreiche Fotos sowie eine Zeittafel runden diese derzeit einzige (nicht vergriffene) und daher unersetzliche Roth-Biografie ab.Ein Wermutstropfen jedoch bleibt: Der durch die Reihe vorgegebene Buchumfang zwang den Autor zu Verknappungen und Raffungen - zu Lasten von Themen, die man gerne vertiefend dargestellt gefunden hätte. Vielleicht wird uns der Autor aber irgendwann mit einem großen Roth-Buch erfreuen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Unübertreffliche Biographie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Roth, Joseph: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (Broschiert)
Der Autor ist ein längst ausgewiesener Fachmann auf allen Gebieten, die er bisher unter die Feder genommen hat. Man kann seinen Lesern, die ihn von anderen Monographien und Editionen kennen und schätzen, nur wünschen, dass er bei guter Gesundheit bleibt und noch weiter arbeiten wird.Wenige Literaturwissenschaftler recherchieren so gründlich wie Nürnberger und erweisen sich dabei, gerade auch in dieser Arbeit über Joseph Roth, bei minderer Quellenlage vorsichtig, bei sehr persönlichen Aspekten dezent zurückhaltend - was dem Gesamtbild keinen Abbruch tut. Joseph Roth wird in letzter Zeit wieder mehr gelesen und auf CDs gehört. Vielleicht legt Rowohlt diese wohl nach wie vor unübertreffliche Monographie in erweiterter Form wieder auf und ergänzt sie mit den neuesten Forschungsergebnissen (seit der Drucklegung sind fast 30 Jahre vergangen), die es zu einer der faszinierendsten Dichtergestalten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts inzwischen geben mag. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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