Edwardsons Krimis beginnen meistens mit einer besonders schrecklichen Bluttat, aber man sollte sich davon nicht abschrecken lassen; die Aufklärung des Verbrechens wird spannend aber durchaus nüchtern geschildert - die Darstellung kommt der tatsächlichen Polizeiarbeit vermutlich recht nahe. Es werden zahllose Gespräche geführt, viele Fragen gestellt, Puzzlesteine zusammengetragen, von denen zunächst nicht sicher ist, ob sie überhaupt zum gleichen Bild gehören, und nur ganz allmählich kristallisiert sich eine Hypothese heraus, was geschehen sein könnte.
"Rotes Meer" spielt im mehr oder weniger legalen Einwanderermilieu Göteborgs. Im ständig geöffneten Lebensmittelladen eines Nigerianers findet ein Taxifahrer mitten in der Nacht dessen Leiche sowie zwei tote Kurden. Am nächsten Morgen wird auch noch die Frau eines der Kurden ermordet aufgefunden.
Erik Winter, der sympatische Hauptermittler in Edwardsons Krimis und seine Kollegen stoßen bei den Immigranten auf eine Mauer des Schweigens. Ein Teil ist von Abschiebung bedroht und schon deshalb verängstigt, einige sind, obwohl seit Jahren im Land, der schwedischen Sprache wenig oder gar nicht mächtig, sodass ein Kontakt zu ihnen nur über einen Dolmetscher hergestellt werden kann, an dessen Verlässlichkeit Winter schon bald Zweifel kommen.
Die Sprache ist nicht die einzige Barriere zwischen den schwedischen Ermittlern und den Ausländern, die sie zu befragen versuchen, hier stehen Kulturen neben einander, die so verschieden sind, dass eine Verständigung teilweise völlig unmöglich ist. Erst als es Winter gelingt, den kleinen Jungen zu finden, der die Mörder gesehen hat, dieser Vertrauen zu dem Polizisten fasst und Fragen beantwortet, wird das ganze Ausmaß des Falls deutlich: Auf geradezu archaische Weise wurde hier Selbstjustiz geübt - in einer Parallelwelt mitten in Schweden wird nach anderen Regeln gehandelt als den Gesetzen des Landes.