Wenn Franz Kafka Science Fiction geschrieben und über mehr Humor verfügt hätte, dann hätte er gut den vorliegenden Roman verfassen können. Das Kafka'sche Grundprinzip: "Das Leben ist schlimm und jeder Versuch es besser zu machen, macht es nur noch schlimmer", kommt hier voll zum Tragen. Warum hat ihm eigentlich niemand mitgeteilt, dass man diese Ansicht auch lustig verpacken kann? Dann wäre er vielleicht kein Weltliterat geworden, hätte aber bedeutend mehr Leser gefunden.
Dave Lister führte ein ereignisloses Leben. Sein Job bestand darin, Einkaufswagen auf Parkplätzen einzusammeln und wieder an ihren Stellplatz zurückzubringen. Eine nächtliche Sauftour in London verändert sein Leben drastisch. Das Letzte, woran er sich noch erinnern kann, ist eine Werbung für einen Billigflug zum Saturnmond Mimas. Seine Erinnerung setzt auf eben jenem fernen Mond wieder ein. Ohne einen Cent in der Tasche verbringt er von da an die Tage damit, Taxis zu klauen und mit ihnen Fahrgäste vom Flughafen abzuholen. Hätte er mehr Disziplin besessen, hätte er sich mit dem angesparten Geld bald einen Rückflug zur Erde leisten können. Aber in regelmäßigen Abständen treibt es ihn in die Kneipe, wo er sein ganzes Geld wieder auf den Kopf haut. Schließlich kommt er auf die Idee, auf einem Bergbauschiff anzuheuern, das früher oder später die Erde ansteuern wird. Dummerweise fliegt es erst einmal zum Neptun ...
Und so geht es immer weiter. Seine furchtbare Odyssee bringt ihn schließlich drei Millionen Jahre in die Zukunft. Alles spricht dafür, dass die Menschheit längst ausgestorben ist. Seine verbliebenen Weggefährten sind 1) ein langsam senil werdender Bordcomputer, 2) ein Hologramm des verklemmtesten und nervigsten Kollegen des Bergbauschiffes, 3) ein intelligenter, aber ungeheuer eitler Katzennachfahre und 4) ein zwanghafter Reinigungsroboter. Wer jetzt glaubt, es könnte nicht noch schlimmer kommen ... weit gefehlt.
Im Gegensatz zu anderen Rezensenten kann ich keinen Einbruch beim Humor oder bei anderen Qualitäten des Buches feststellen. Und es weist durchaus eigene Momente auf, die es von Douglas Adams Anhalter-Quintologie unterscheiden. Die Gemeinsamkeiten mit Pratchett sind noch geringer. Das wichtigste: Der Kosmos hat außer dem irdischen kein Leben hervorgebracht. Die "Überlebenden" des "Red Dwarf" sind nahezu ganz auf sich gestellt - und dennoch ist auch dieser kleine Kosmos immer noch kompliziert und irrwitzig genug, um die Beteiligten, allen voran Dave Lister, fast - aber eben nur fast(!) - in den Wahnsinn zu treiben.
Fazit: Eine rundum gute und witzige Story voller origineller Einfälle. Ich habe keine Ahnung, wie die Filmversion (eine Sitcom!) funktioniert. Aber das Buch ist ein ungeheures Lesevergnügen.