Wenn der Protagonist *Ezekiel Porterhouse Rawlins* heißt, in Texas am *3.11.1920* (somit Sternzeichen Skorpion) geboren wurde und Anfang der 50er Jahre im Schwarzen Los Angeles lebt, *Easy* gerufen wird und bei *fast einsfünfundachtzig* 82 kg wiegt (*... außer an Weihnachten. Da wieg ich fünfundachtzig.*), sind bereits diese Fakten Programm.
In der Welt der LA-Romane, auch nicht im Bereich des *Roman Noir* spielten zu diesen Zeiten Latinos, Asiaten und Schwarze keine Rolle, schon gar nicht ein schwarzer Privatschnüffler.
Und genau hier hakt der außergewöhnliche Autor (Sohn eines Schwarzen und einer Jüdin, geboren in Los Angeles) ein. Er ruft *Easy* ins Leben und bringt eine einzigartige Serie zu Papier, die mit *Teufel in Blau* beginnt und mit Blonde Faith endet, mittlerweile auf elf Bände angewachsen, die zwischen 1990 und 2010 überwiegend auch in Deutsch erschienen. Easy Rawlins ist ein grenzwertiger Typ, der sich mit windigen Geschäften ein kleines Vermögen anhäufte, zu dem er sich offiziell nicht bekennen mag und lieber klammheimlich in Backsteinen anlegte. Von den Mieten kann er gut, wenngleich nicht ganz unauffällig leben, denn plötzlich taucht ein außergewöhnlich hartnäckiger Steuerfahnder auf, der alle Register zieht, um ihn in Bredouille zu bringen. Die kleine, fast heile Welt des schwarzen, sympathischen Windhunds ist bedroht. Dass ein weißer FBI-Beamter gleichzeitig seine Hilfe benötigt und ihn schützt, ist einer der Momente, die diesen Easy-Plot so speziell machen, denn genau das war zu dieser Zeit eher außergewöhnlich als normal. Der Zweite Weltkrieg, an dem Easy in Europa teilnahm und in dem er gegen die Nazis kämpfte, sogar mit seinem Truppenteil ein Konzentrationslager befreite, erweiterte seine Erfahrung mit Weißen in ganz spezifischer Sicht.
Wenn es einmal eng wird für ihn, weiß Easy, dass sein Jugendfreund Raymond *Mouse* Alexander zur Stelle sein wird, der zwar ein bösartiger, rücksichtsloser Killer, aber trotzdem der beste Freund des Helden ist, denn Mosley romantisiert nicht! Er lässt das Leben realistisch toben.
In diesem Roman hat es Easy ganz schnell nicht nur mit Steuerproblemen, sondern auch mit einem undurchsichtigen Mordfall zu tun, und erst ganz zum Schluss erfährt er, weshalb er in all diesem Wust von Gewalt, Rassismus und Korruption überhaupt eine Rolle spielte.
Wer Jazz und Blues liebt, wird auch Mosleys Romane mögen, die ich nachhaltig empfehle. HMcM