Wer im SED-Regime Lehrer, gleichwohl Pädagoge werden wollte, setzte sich unbestreitbar über jede moralische Hemmschwelle hinweg. Darüber musste sich jeder klar sein, der sich vor einen Karren spannen ließ, auf dem Menschenwürde, Freiheit und Selbstbestimmung zu Grabe getragen wurden. Angetrieben durch falsch ausgerichteten Ehrgeiz und hemmungsloses Geltungsbedürfnis, durch 'Ich will, ich muss was werden, auf Teufel komm raus ... sind Bedenken entweder gar nicht erst aufgetaucht oder dann doch bedenkenlos beiseite gefegt worden. So entsteht schnell Schuld. So gestaltet sich die Karriere zum Täter. - Zum Täter charakteristischer Verbrechen gegen die Menschenrechte, derer sich zahllose Deutsche bereits in der Nazizeit schuldig gemacht haben, ohne selbst nach dem Zusammenbruch dieses unheilvollen Spuks sich darüber bewußt geworden zu sein oder wenn ja, es nicht wahrhaben wollten. So einfach geht das "Reinwaschen" auch. Aber sie waren, jeder auf seine individuelle Weise, aktiver Bestandteil einer verbrecherischen Maschinerie, eines zerstörerischen Kollektivs.
In der DDR fand dieses rücksichtslose Bestreben nach Anerkennung und Geltungsdrang seine beklagenswerte, geradezu perfide Fortsetzung.
Sicherlich, das ist eine einsame Auffassung nur von mir. Wirklich?
Wenn der Autor dieses Buches gerade noch so die "Kurve gekriegt" hatte und sein Pädagogikstudium verhindert wurde, ' hier wohl eher durch das rigorose Zutun der DDR-'"Staats"organe' als durch persönliche Einsichten, war das wohl schon eine positive Wende in seinem Leben. Zu bedenken hierbei ist schließlich die unbestreitbare Tatsache, dass gerade die Lehrer, die Pädagogen in dieser Gesellschaft von der allgegenwärtigen Partei und der '"Staats'"führung angehalten worden waren und wofür sie stramm, diszipliniert und willfährig standen, nämlich: Kinder und Jugendliche zu gebildeten aber treudoofen, zur völligen Unterordnung, also zu eben so willfährigen sozialistischen DDR-Staatsbürgern zu erziehen, zutreffender: zu verbiegen. Lehrer aus der DDR-Zeit werden das bestätigen können.
Ob der Autor selbst sich darüber im Klaren war oder es heute ist, hat sich mir nicht erschlossen.
Sein Beispiel zeigt aber, dass Karriere nicht alles im Leben ist. Und da diese erstrecht nicht um jenen Preis, also unter Aufgabe der Vernunft und jedweder Moral angestrebt werden muss. Niemand in der DDR war gezwungen worden, Pädagogik zu studieren!
Wie der Autor bin auch ich der Überzeugung, dass dieses Kapitel deutscher Geschichte noch lange nicht abgeschlossen ist. Schon deshalb, weil die dringend notwendige Aufarbeitung noch nicht einmal begonnen hat!