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Rote Zukunft [Taschenbuch]

Francis Spufford , Jan Valk
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

2. April 2012
«Was für ein ehrfurchtgebietender Mut, ein so verrücktes und gleichzeitig so wunderbares Buch zu schreiben.» SUNDAY TIMES Es gab eine Zeit nach Stalins Tod, da glaubten nicht wenige in Ost und West, die Sowjetunion werde den Westen bald technisch und wirtschaftlich überholt haben. Der Sputnik zog seine Bahn durchs All, die Industrie wuchs und wuchs – bis das rote Wirtschaftswunder von der Ideologie erdrosselt und die Ideologie anschließend von der Realität gefressen wurde. Die Maschinen begannen zu rosten, die Menschen resignierten. Diesen Stoff erzählt Francis Spufford wie einen großen historischen Roman: mit Helden, Opfern und Schurken, mit Hoffnungen und Tragödien. Ein unwahrscheinlicher Pageturner, ein unglaubliches Buch.

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Rote Zukunft + Das schwarze Korps + Das Phantom des Alexander Wolf: Roman
Preis für alle drei: EUR 50,79

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: rororo (2. April 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499257513
  • ISBN-13: 978-3499257513
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,8 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 156.465 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Francis Spufford, geboren 1964, ist in England seit langem bekannt als Autor erzählender Sachbücher. Er hat mit seinen auch literarisch ambitionierten Werken schon zahlreiche Preise gewonnen, darunter den Somerset Maugham Award, den Sunday Times Young Writer of the Year Prize und den Writers' Guild Award für das beste Sachbuch des Jahres. Der Autor lebt in der Nähe von Cambridge.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 2 bis 5 rote Sterne funkeln 25. Mai 2012
Ein Buch mit einem so unwahrscheinlichen Haupt-Thema, die Wirtschaftsentwicklung der Sowjetunion in den 50er und 60er Jahren, erzählt als Mischung aus Fakten und Fiktion, das musste mit kaufen" belohnt werden. Die Lektüre erwies sich dann aber doch als sperriger als erwartet.
Eines vorweg: der Verlag, der dieses Werk als "großen historischen Roman... unwahrscheinlicher Pageturner" bezeichnet, führt den potentiellen Käufer in die Irre.
Spufford erzählt Geschichten die alle im Zusammenhang mit dem Hauptthema stehen, in denen aber immer wieder neue Figuren eingeführt werden. Einige der Personen tauchen dann später wieder auf, aber insgesamt war mein Leseeindruck eher der einer Sammlung von Erzählungen die zwar teilweise zusammenhängen, aber nicht der eines großen, zusammenhängenden Romans. Dafür baut man, dieser Struktur geschuldet, zuwenig Bindung zu den Personen und deren Schicksal auf. Hinzu kommt, das die ausgewählten Personen, seien sie real oder fiktiv, häufig erkennen lassen, das sie zur Illustrierung eines bestimmten historischen Aspekts eingeführt wurden. Die Erzählungen lassen in diesen Momenten zu sehr Konstruktion und Zweck erkennen und können die Menschen nicht zum Leben erwecken.

Spufford hat sein Buch in 6 Teile gegliedert, denen jeweils eine Einführung vorangestellt ist. In diesen werden, in historisch sachlicher Form, geschichtliche Zusammenhänge, Entwicklungen und Persönlichkeiten dargestellt. Diese reinen Sachtexte fand ich durchweg sehr gelungen, informativ, sehr klar in der Darstellung und von hoher Lesbarkeit.
Die Erzählungen in denen Fakten und Fiktion sich vermischen, wo man Diskussionen zur Problematik von Produktion, Markt und Preis, von Planerstellung und mathematischen Ansätzen zur optimalen Produktionsauslastung beiwohnen kann sind von wechselnder Qualität. Gerade bei den eben genannten, sehr theoretischen, faktenreichen Themen waren die Texte für mich keine Pageturner. Hier wäre ein reiner Sachtext, wie in den Einleitungen, informativer, besser lesbar und eingängiger gewesen.

Lebendig wird es in den Teilen wo nicht die reine Sachebene im Vordergrund steht und die Menschen und ihre Lebensumstände beleuchtet werden. Hier werden Einblicke in den Alltag der Sowjetunion geliefert, die anschaulich machen wie z.B. der verwaltete Mangel sich auswirkte, wie berufliche Perspektiven von linientreuem Verhalten abhängen konnte und wie die richtigen Beziehungen das Leben erleichterten. Es wird aber auch dargelegt, dass über die ersten Jahrzehnte durchaus bemerkenswerte Verbesserungen im Lebensstandard der Bürger erreicht wurden.Das diese Entwicklung nicht anhielt und welche politisch ideologischen Aspekte das verhinderten, das wirtschaftspolitische Entscheidungen (bzw. nicht Entscheidungen) und Reformunwille dem entgegenstanden arbeitet Spufford heraus.

Das Buch enthält eine Fülle interessanter Details. Alle Quellen auf die er sich stützt und was Fakt, was Fiktion ist und warum bestimmet Elemente in der vorliegenden Art verwendet wurden, erläutert der Autor in einem Anhang, der kapitelweise geordnet ist.

In denen für meinen Geschmack weniger gelungen Passagen erinnert das Buch an "History-TV", wo reale Ereignisse mit Schauspielern und fiktiven Dialogen nacherzählt werden. Das wirkt dann bemüht und steif. Tiefpunkte waren für mich zwei Geschichten, in der Spufford Infodumping betreibt in dem er die Abläufe in einem Computer nacherzählt und eine Andere, in der er uns an der Entstehung einer Lungenkrebserkrankung teilhaben lässt. Weder bleibt viel von diesen Informationen hängen, noch sind sie für die Geschichte wirklich von Belang.
Dem stehen schön erzählte, bewegende und auch spannende Episoden gegenüber die dem Verlagsattribut "Pageturner" gerecht werden.

Am Ende bleiben Geschichten stark schwankender Qualität, hoher Informationsgehalt und die Erkenntnis, dass für meinen Geschmack ein reines Sachbuch insgesamt dem Thema besser gerecht geworden wäre. Trotz des formal interessanten Idee nur drei Sterne, da das Leseerlebnis von Großartig bis langweilig schwankte.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Wissen und die Macht, Wohlstand zu schaffen 5. Oktober 2012
Von Boku
Unser Wohlstand löst sich gerade in Luft auf, so tönt es derzeit aus Presse, Funk und Fernsehen. Die Mehrzahl der Deutschen wird arm sein, die Währung wertlos, die Renten ein Witz. Man müsste etwas tun, die Politik ist gefordert, richtig, sie soll Gerechtigkeit schaffen, planen, handeln, enteignen, reglementieren, steuern, deregulieren, verflixt noch mal, irgendetwas muss die Politik doch tun, oder? Was könnte die Politik nicht alles leisten, wenn sie nur ihre Möglichkeiten gezielt einsetzen würde, anstatt sich immerzu hilflos den Sachzwängen zu beugen und dem jeweiligen Gegner die Schuld zuzuweisen! Und sie könnte doch auch allerhand erreichen, zum Kuckuck, wenn man sie nur ließe!

Wirklich? Begeben wir uns zurück in die goldene Zeit, als sich bei uns das »Wirtschaftswunder« ereignete, als unsere Zukunft noch vor uns lag. Da gab es zum Beispiel – erinnern wir uns? – die Sowjetunion. Als Folge stalinistischen Machtstrebens hatte sie mit dem »Sputnik« gerade die USA in der Raumfahrttechnik überholt, so hieß es, und Stalin war endlich tot und Nikita Chruschtschow sein Nachfolger. Als der erkannte, dass die Bilder vom westlich-mittelständischen Wohlstand mit Fernseher, Kühlschrank, Auto und Hypothekenkredit für jedermann mehr als nur Propaganda waren, verkündete er voller Optimismus über das gerade gewonnene Wettrennen ins All, die Sowjetunion würde den Westen nun auch in Sachen Wirtschaftskraft, Wohlstand und materiellem Lebensstandard überflügeln, und zwar bis 1980. Ermöglichen sollten es ihm das Parteiprogramm, die modernsten wissenschaftlichen Hilfsmittel, ein schier allmächtiger Staatsapparat und eine beeindruckende Menge heller Köpfe, die darüber verfügen konnten.

Die Geschichte dieses Unterfangens erzählt Francis Spufford in seinem Buch »Rote Zukunft«. Er tut das in Episoden mit wechselnden Protagonisten aus allen Bereichen des sowjetischen Lebens. Entsprechend der Redensart, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt einen Sturm auslösen kann, hängen die Episoden zusammen. Mit erzählerischer Leichtigkeit entwickelt Francis Spufford beim Leser ein Verständnis für die systemischen Zusammenhänge einer zentral gesteuerten Volkswirtschaft. Es sind keine dumpfbackigen Ideologen, die hier an den Stellschrauben herumdrehen, sondern gebildete Menschen und überzeugte Idealisten: »Er hatte das Glück, in dem einzigen Land des ganzen Planeten zu leben, in dem die Menschen begonnen hatten, die Wirklichkeit der Vernunft gemäß zu gestalten, anstatt den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen oder weiterhin herumgeschubst zu werden von den alten Mächten, von Aberglauben und Geldgier. Hier, und nirgendwo sonst, hatte die Vernunft das Sagen.« So denkt 1938 ein junger talentierter Mathematiker, der später die Grundlagen der computergestützten Wirtschaftsplanung erarbeiten wird.

Alle Protagonisten in Spuffords Buch ziehen voller Überzeugung am gleichen Strang, doch mit der Zeit sehen sie sich mehr und mehr gezwungen, dort zu improvisieren und zu tricksen, wo Theorie und Praxis nicht zusammenkommen wollen. Dadurch werden unkontrollierte Kräfte frei, die eher gegen den Großen Plan als in seinem Sinne wirken. Die Technokraten, Wissenschaftler und Chefideologen versuchen immer wieder, ihre Theorie zu modifizieren, zum Beispiel das Konzept des Gewinns als Anreiz wieder einzuführen, ohne in den Verdacht mangelnder Linientreue zu geraten, denn Arbeitslager gibt es immer noch. Produktionsleiter, die ihr Soll trotz aller Widrigkeiten erfüllen wollen, bedienen sich beim Bezug knappen Materials schwarzer Kanäle und tragen so zur Bildung krimineller und mafiöser Strukturen bei, die dann sehr viel später, nach dem Fall des Sowjetreichs, als Machtfaktor im Licht der Öffentlichkeit erscheinen werden.

Was ich hier schreibe, sind meine Schlussfolgerungen aus Francis Spuffords Episoden. Es macht den großen Reiz dieses Buches aus, dass Spufford hier nicht interpretiert und belehrt, sondern sich aufs Geschichtenerzählen beschränkt, indem er auf die Kombinationsgabe seiner Leserschaft zählt. Und er ist ein großartiger Erzähler! Allein die Entwicklung des Lungenkrebses, der uns eines wichtigen Akteurs berauben wird, aus Sicht der Lungenzellen zu schildern, ist eine Meisterleistung in der Sachbuchliteratur.

Francis Spufford weist darauf hin, dass es sich bei »Rote Zukunft« nicht um einen Roman handelt. Die Episoden sind zwar frei erzählt und einige der weniger prominenten Akteure erfunden, doch die der Handlung zu Grunde liegenden Tatsachen sind aufs sorgfältigste recherchiert und in einem umfassenden Anhang dokumentiert.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die gerne etwas über die jüngere Geschichte und über die Mechanismen, die unseren Wohlstand ausmachen, lernen wollen. Ganz besonders aber denjenigen, die sich insgeheim nach einer »ordnenden Hand« sehnen. Das große Experiment ist abgeschlossen, lasst uns die Details betrachten!
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elektronen und Kartoffeln 1. Juni 2012
Fantastisches Buch, absolut großartiger Autor, uneitel, unmanieriert, verspielt gar, niemals langweilig, ein Kapitel nur über das Wandern der Elektronen, dann wieder das effizente Wandern der Kartoffeln von den Kolchosen zu den Verbrauchern, Chruschtschow in Amerika, Quotenlügen, Engpässe, Lieferprobleme, Dummheit, zungengewandte Schwätzer als Emporkömmlinge, Märchen über fliegende Teppiche und ewig gedeckte Tische, kleine Bilder neben großen Bildern, staubige Anzüge und Weltall, und das Weltallende, das Buch hat auch 100 Seiten Anhang mit Quellen, die ihren eigenen Zauber entfalten, ehrlicher, aufrichtiger, fleißiger Autor, muss unglaubliche Mühe gemacht haben, das alles zu recherchieren. Nick Hornby ist zurecht total begeistert.
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