Einen Großvater, der gern von früher erzählt, haben viele. Doch einen, der von früher erzählt und dabei ganz wunderbare Geschichten erfindet, haben wahrscheinlich nur wenige.
Heinz Janisch hat so einen Großvater erfunden. Er sitzt im Schaukelstuhl und erzählt, wie er einmal einen Honigkuchen gegessen hat, der so süß war, dass ihm eine Woche lang eine Biene gefolgt ist, sogar bis aufs Klo. Oder wie er beim Fußballspielen den Ball so hoch geschossen hat, dass er eine Regenwolke getroffen hat und das Spiel wegen Regen abgebrochen werden musste. Dann gab es noch die Geschichte, als er siebenundzwanzig Tage und Nächte lang durchgeschlafen hat, weil er im Traum eine Weltreise gemacht hat. Solche und andere liebenswerte Anekdoten, die einen Teil Wahrheit und eine gute Portion Fantasie enthalten, erzählt der Großvater, und am Ende des Buches stellt sich heraus, dass er schon gestorben ist. Aber in der Fantasie seines Enkels lebt er weiter - mit all seinen bunten Geschichten.
Die großflächigen, eigenständigen Illustrationen von Aljoscha Blau sprechen von einer anderen Zeit, in der die Jungen andere Kleider trugen, auf der Straße Fußball spielten und in sparsam möblierten Räumen mit Holzdielen lebten. Die Texte wurden mit blauem Füller auf linierte Schulheftseiten geschrieben und hier und da mit Füllerskizzen versehen, sodass die Erzählung des Enkels in der Ich-Perspektive noch authentischer wirkt.
Gleich mehrere Botschaften vermittelt dieses Buch: Unsere Großeltern lebten in einer anderen Zeit und unter anderen Bedingungen. Jedes Leben kann durch Fantasie bereichert werden. Und Menschen, die sterben, können in unseren Gedanken weiter leben. Ein wunderbares Bilderbuch, das kürzlich mit dem Bologna Ragazzi Award 2006 ausgezeichnet wurde.