Deon Meyer stand mit seinen Romanen in den letzten Monaten bisher vier mal auf meiner Leseliste und gehört seitdem zu meinen haushohen Favoriten. Nicht nur adrenalingetränkte Spannung, auch das Gefühl, beim Lesen mitten in dieses facettenreiche, faszinierende und so zerrissene Land einzutauchen, machen einfach süchtig.
Bei seinem neuesten Roman ROTE SPUR musste ich deshalb auch gleich zuschlagen und bin jetzt, nachdem er gelesen ins Regal gewandert ist, zum ersten mal nach der Lektüre eines Meyer-Romans nicht begeistert.
Doch zunächst kurz zur Handlung:
Dem südafrikanischen Geheimdienst droht im Zuge diverser geplanter Reformen eine Umstrukturierung, von der die Leitung des Nachrichtendienstes vorab durch die Gerüchteküche erfährt. Um in den Befugnissen und der eigenen Machtvollkommenheit nicht beschnitten zu werden, muss diese Umstrukturierung jedoch verhindert werden - und nichts ist als Hinderungsgrund besser geeignet als ein neuer Fall mit enormer Brisanz.
So kommt es Janina Mentz und ihrer Organisation mehr als gelegen, dass eine muslimische Vereinigung am Kapp mit mysteriösem Verhalten auffällig wird, das auch als Vorbereitung eines Waffenkaufs und eines Attentats gedeutet werden kann - unmöglicher Zufall? Oder Tatsache?
Und wie lässt sich erklären, dass offensichtlich auch eine Verbindung der Muslime zu kriminellen südafrikanischen Gangs besteht?
Parallel dazu bekommt Lemmer, seines Zeichens Bodyguard, einen neuen Auftrag von einem echten Unikum aus seiner Nachbarschaft: Diederik Brand, Umweltschützer, Farmer und Schmuggler in einer Person beauftragt ihn mit der Sicherung eines Nashorn-Transports, der von Simbabwe nach Südafrika an der Grenze zur Illegalität stattfindet. Das der Transport von Profis überfallen wird und diese es aber nicht auf die Nashörner abgesehen haben, sondern letztlich trotz aller Gewalt unverrichteter Dinge wieder abziehen, macht ihn misstrauisch. Am Morgen nach dem Überfall stellt er fest, dass der einzige fehlende Gegenstand ausgerechnet seine Waffe ist und diese gerade von der Person gestohlen wurde, von der er das am wenigsten erwartet hätte - und dann werden plötzlich Tote gefunden, die mit seiner Waffe erschossen wurden.
Das zwingt ihn wieder zu eigenen Ermittlungen, denn wer will schon für Taten verurteilt werden, die man nicht begangen hat...
Und mein Fazit:
Mit vier verschiedenen Handlungssträngen - denn zu den beiden oben kurz angerissenen kommen noch der um die (zufällig?) im Geheimdienst gestrandete Hausfrau Milla Strachan sowie der von dem ehemaligen Superintendent Mat Joubert bearbeitete Vermisstenfall Danie Flint - zwingt einen Deon Meyer diesmal extremst, die Gedanken zusammenzuhalten und nicht in unaufmerksame Gefilde abzudriften. Eine Menge Protagonisten, vermischt mit der für Deon Meyer typischen Verwendung einer Menge afrikaansprachiger Wörter (die aber diesmal im angehängten Glossar erklärt werden), tragen ebenfalls zum Anspruch bei - was ich sehr gut fand.
Irritiert hat mich dagegen der Eindruck, dass unbedingt sämtliche seiner in bisherigen Romanen einzeln auftretenden Ermittler allesamt in diesem Roman untergebracht werden mussten: So trifft man nicht nur auf Lemmer (
Weißer Schatten: Thriller), sondern auch auf Mat Joubert (
Der traurige Polizist: Kriminalroman), Janina Mentz und ihre Organisation (u.a.
Das Herz des Jägers) - und sogar Bennie Griessel (u.a.
Dreizehn Stunden: Kriminalroman) wird erwähnt. Für mich hat es deshalb auch erheblich erleichtert, der Handlung in ROTE SPUR folgen zu können, dass ich seine Vorgänger zumindest zum grössten Teil schon gelesen hatte.
Auch verliert sich Deon Meyer diesmal zu sehr in den Details der geheimdienstlichen Ermittlung.
Störend waren aber vor allem die sprunghaften Wechsel der Handlungsstränge in den unterschiedlichsten Abständen, die Tatsache, dass zwei von vieren zwar die Andeutung eines Cliffhangers, aber keine Auflösung abbekommen und der nach allen vorangegangenen Details und betriebenem Aufwand dann doch etwas zu abrupte Schluss.
Verwöhnt von der Perfektion seiner Vorgänger schleicht sich dann schon eine leichte Enttäuschung ein.
Doch
Der Atem des Jägers steht noch ungelesen im Regal (ganz sicher nicht mehr lange) und selbstverständlich wird auch Deon Meyers nächster Roman wieder als Vorbesteller auf meiner Leseliste landen.